Düsseldorf: Ein Mann und seine Rad-Leidenschaft

Vélomanie : Ein Mann und seine Rad-Leidenschaft

Frank Leinen hat an sein Projekt geglaubt, auch wenn die Randbedingungen zunächst vielleicht nicht ganz so mitreißend wirken: Nun ist das Buch zum Grand Départ und dem ganzen Drumherum auf dem Markt, und Leinen beschrieb, warum es sich lohnt, der Faszination Rad zu erliegen.

uch Frank Leinen feierte schon ein „Sommermärchen“. Mit der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland, die ja allgemein als Sommermärchen bezeichnet wird, hat das aber so rein gar nichts zu tun. „Ich bin passionierter Radfahrer“, verrät der Professor für Romanistik an der Heinrich-Heine-Universität. „Und als Romanist beschäftigt man sich natürlich auch mit der Kultur Frankreichs. So kamen beim Grand Départ der Tour de France 2017 in Düsseldorf zwei Leidenschaften für mich zusammen.“ Da war klar, dass der Mann, der seit 1999 jeden Tag aus Neuss zur Uni mit dem Fahrrad fährt, sein persönliches „Sommermärchen“ vertiefen und verlängern wollte. Also organisierte er mit Unterstützung der Uni die öffentliche Ringvorlesung „Vélomanie?! Facetten des Radsports zwischen Mythos und Ökonomie“ und fungierte als Herausgeber für das jetzt erschienene gleichnamige Buch. „Forscher beschäftigten sich mit dem Radsport. Lesenswert sollte das Buch sein, kein verquarztes, rein wissenschaftliches Werk.“

So wagt das 326 Seiten starke Buch den Spagat zwischen dem internationalen Mythos Tour de France, der offensiven Marketing- und Medienmaschine bis hin zu Philosophie und den Stadtmarketing-Chancen für Düsseldorf als sportbegeisterte Kommune, die bewusst das Fahrrad als Verkehrsmittel fördern möchte. „Der Grand Depart ist ganz vielen Menschen als Ereignis in Erinnerung geblieben, das wir nicht alle Tage in Düsseldorf haben. Der Tour-Start hat aber auch Impulse für Düsseldorf als Fahrradstadt gegeben. Mittlerweile weiß man, dass das Chaos, das bei jedem neuen Radweg prophezeit wird, meist ausbleibt“, meint Oberbürgermeister Thomas Geisel. „Düsseldorf entwickelt sich zur Fahrradstadt. Dafür braucht es zwei Dinge: Die Infrastruktur und die Begeisterung in der Bevölkerung. Dafür die Basis zu legen, ist uns mit dem Grand Départ gelungen.“ Seine Begeisterung für das Fahrrad als Verkehrsmittel dokumentiert er mit der Anschaffung eines knallroten Dienstfahrrades und durch Radtouren. „Radfahren ist emissionsfrei, schnell, gesund und macht Spaß“, betont er. Genauso sieht es Uni-Rektorin Anja Steinbeck, die gerne mal mit dem Mountainbike durch den Wald fährt. Für sie ist die Ringvorlesung zum Grand Départ und das daraus entstandene Buch ein Paradebeispiel für das Selbstverständnis der Universität. „Die Heinrich-Heine-Universität ist wie jede andere Uni auch Forschung und Lehre verpflichtet. Wir verstehen uns aber auch als Bürgeruniversität, die Themen aufgreift, die die Menschen bewegen. Da hat sich der Grand Depart förmlich angeboten.“ Leinen, Geisel und Steinbeck geben aber zu, dass sie nach dem Grand Départ nicht mehr Fahrrad gefahren sind. Anders Sven Teutenberg. „Bei mir haben sich die Radkilometer vervierfacht“, verrät der ehemalige Radprofi. Logisch, war er doch als Event-Manager des Grand Départ zeitlich extrem eingespannt. „Jetzt habe ich wieder mehr Zeit und genieße jeden Kilometer auf dem Rad“, so Teutenberg. Tino Hermanns

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