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Düsseldorf: Ein Konzert für Notre-Dame

Benefiz-Aktion in Düsseldorf : Ein Konzert für Notre-Dame

Erst wenige Wochen ist es her, dass die weltberühmte Pariser Kathedrale Notre-Dame in Flammen stand. der schock war groß, und Pfarrer Michael Dederichs reagierte sofort: Das Benefizkonzert war ein feiner Erfolg.

Eine noch innigere Freundschaft zu Frankreich sei entstanden, sagte Pfarrer Michael Dederichs zur Begrüßung der Konzertgäste, die zum Benefiz-Konzert für den Wiederaufbau von Notre-Dame in Paris in die Oberkasseler St. Antonius-Kirche gekommen waren. Das Ausmaß der durch den verheerenden Brand verursachten Schäden an der Kathedrale hat auch in Düsseldorf viele Menschen geschockt. Daraus  entwickelte sich bei Michael Dederichs und Kirchenmusiker Markus Hinz die Idee, das ohnehin geplante Konzert mit Paolo Oreni als Benefiz-Konzert durchzuführen. „Wir konnten uns schnell mit ihm darauf verständigen, dass der Erlös aus seinem nächsten Konzert im Rahmen der Antoniuskonzerte als Spende für den Wiederaufbau von Notre-Dame verwendet werden soll“, sagte Hinz. Als Schirmherren der musikalischen Spendenaktion fungierten Weihbischof Dominikus Schwaderlapp, die französische Generalkonsulin Olivia Berkeley-Christmann, die als einzige anwesend war, sowie Oberbürgermeister Thomas Geisel, der als „Klein-Pariser“ bekanntlich eine enge Beziehung zu Groß-Paris pflegt.

Mit dem Mailänder Orgel-Virtuosen Oreni, der in Paris studiert hat und zu den international anerkannten Könnern an der Orgel gehört, fand man einen idealen Interpreten für ein exquisites Orgelkonzert. Zum Repertoire gehörten das von Jean Guillou bearbeitete Adagio & Fuga in c-Moll (KV 546) von Wolfgang Amadeus Mozart, die Fantasie und Fuge über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam“ sowie das III. Allegro deciso aus Evocation, op. 37, der französischen Orgel-Ikone Marcel Dupré sowie zwei Improvisationen von Paolo Oreni selbst. Gleich zu Beginn überzeugte der 40-jährige Orgel-Star mit einem Spiel, das von einem donnernden, urgewaltigen Crescendo plötzlich zu filigranen Klangdetails wechselt und immer wieder überrascht.

„Ich war bereits zweimal in Paris und auch in Notre-Dame, bei diesem Konzert ist mir daher der Benefiz-Aspekt sehr wichtig“, sagte Raimund Schaake, der aus Urdenbach gekommen war. „Wir verfolgen das musikalische Wirken von Paolo Oreni und seine unglaubliche Fähigkeit, ohne Noten zu spielen, bereits seit 15 Jahren, haben bereits viele Konzerte von ihm gehört, und ich bin mit ihm auch in Kontakt“, sagte Marie-Luise Barwitzki, die mit ihrem Mann Wolf-Rüdiger in Kaiserswerth lebt. „Ich komme wegen der Musik, aber auch wegen des Spendenaufrufs, obgleich der Orgel von Notre-Dame glücklicherweise nichts Schlimmes passiert ist“, erklärte Guido Harzen, selbst Kirchenmusiker aus Neuss. Aus der Nachbarschaft war Klaus Geelen in die Kirche gekommen. „Von dem Benefiz habe ich gar nichts mitbekommen, aber ich liebe die Musik, und sie ist für mich mein Weg zu Gott“, erklärt Geelen. „Doch, der Benefiz-Charakter ist mir schon wichtig, ich bin gern in Frankreich und kenne Paris und Notre-Dame, aber unabhängig davon sind die Antoniuskonzerte eine sehr gute Konzertreihe“, sagte Ursula Papst aus Oberkassel.

Im Hinblick auf das gigantische Spendenaufkommen von rund einer Milliarde Euro, von dem ein Großteil bereits innerhalb von 24 Stunden nach dem Brand von französischen Groß-Industriellen gespendet worden war, erscheint der finanzielle Beitrag Oberkassels zwar eher gering. Dennoch ist er ein schönes Zeichen völkerverbindender Solidarität. Und dass auch Kulturdenkmäler den Menschen am Herzen liegen, sei sicherlich wichtig – das fanden viele der beeindruckten Konzertbesucher.

Bernd Schuknecht