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Düsseldorf: Düsseldorfer gründet digitalen Ort der Erinnerung

Düsseldorfer gründet digitalen Ort der Erinnerung : Torsten te Paß widmet sich dem Tod

Früher war er Chef des Schlösser Quartier Bohème. Ein Todesfall und die Geburt seines Sohnes machten den Unternehmer nachdenklich. Er schuf einen digitalen Ort für die Erinnerung und zur Absicherung der Familie.

Seit fast einem Viertel Jahrhundert ist Torsten te Paß ein bekannter Unternehmer in Düsseldorf. Insgesamt 21 Jahre in der Gastronomie hat er hinter sich, elf Jahre lang leitete er zuletzt das Schlösser Quartier Bohème, das jetzt Schlösser-Quartier heißt. In der Corona-Krise traf te Paß dann eine Lebensentscheidung: Er verabschiedete sich als Geschäftsführer aus dem „Bohème“, auch wenn er als studierter Marketingexperte, Musikliebhaber und Chef seiner Agentur Erlebniswerk immer noch ein Bein im Event-Business auch dieses Hauses hat.

„In der Pandemie kam ich ans Nachdenken“, sagt te Paß. „Die Verantwortung für 70 Mitarbeiter fiel plötzlich weg, ich wurde mir der Verantwortung für meine Frau und mein kleines Kind noch bewusster.“ Und dann war da noch sein Opa Reinhard. Am 11.11.2020, mitten in der Corona-Krise, schlief der begeisterte Karnevalist an seinem eigenen Geburtstag friedlich ein. „Und er sagte noch: ,Wenn der Hoppeditz nicht aufsteht, muss ich das auch nicht‘.“

Torsten te Paß wurde klar, was viele Menschen fühlen, die einen geliebten Angehörigen verlieren: „Das Leben ist so schnell rum.“ Als es vor sieben Jahren im Haus seiner Eltern brannte, ging einiges verloren, alle hatten es offenbar teilweise aufgeschoben, die unbequemen Wege zu gehen, neue Urkunden, Unterlagen, Behörden-Termine waren an der Tagesordnung. „Bis zum Nachweis für die Versicherung – was man halt so alles hat.“

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Nicht zufällig kam er deshalb auf die Idee für sein Unternehmen Geras24. „Das ist ein digitaler Ort für die Erinnerung und auch zur Absicherung des Lebens und der Familie. Mit Geras24 kannst du dein Leben organisieren, indem du alle wichtigen Dokumente im digitalen Tresor sicher aufbewahrst – sei es für die Steuererklärung oder nach dem Tod für die Familie. Auch Fotos und persönliche Briefe können hochgeladen werden.“

Hart war die Zeit, als te Paß‘ geliebter Opa gegangen war. „Wir mussten alle möglichen Unterlagen zusammensuchen, und natürlich war die Erinnerung an früher sofort wieder da, wie das immer so ist.“ Und: „Schon als mein Sohn geboren wurde, merkte ich, dass ich schlechter schlief und mir Sorgen machte. Ich schloss eine Risiko-Lebensversicherung ab und schlief schon mal ruhiger. Meine Frau und mein Sohn sind abgesichert. Doch spätestens mit Opa hatte sich diese Idee in meinem Kopf festgesetzt, dass meine Lieben nach meinem Tod möglichst alles parat haben sollten.“

Das Thema nimmt Torsten te Paß sehr genau. Briefe an seine Frau und an seinen Sohn hat er schon in seinem eigenen Profil bei seinem neuen Portal geschrieben und hochgeladen, auch Versicherungsvollmachten hat er hinterlegt. „Das wirkt sicher erst einmal komisch, ich bin ja noch keine 50, aber man weiß ja nie, der Tode kommt schneller als man denkt. Und Corona hat uns ja auch noch mal vor Augen geführt, dass es letztlich keine Garantien für die Gesundheit gibt.“

Als einen digitalen Schuhkarton bezeichnet er Geras24. Denkverbote gibt es für ihn wenig: „Du kannst auch ein Kondolenzbuch für dich selbst vorbereiten oder eine Skizze von dem Grabstein hinterlegen, wie du ihn dir wünschst. Alles ist möglich.“ Auch der Name ist bewusst gewählt: Geras ist der griechische Gott des hohen Alters. „Wir alle wünschen uns ein langes, glückliches Leben. Aber wir alle werden irgendwann mit dem Tod konfrontiert. Also sollte sich jeder zu Lebzeiten schon darauf vorbereiten“, ist te Paß überzeugt.

Neben seinem neuen Portal konzentriert sich te Paß auf die Projektarbeit mit seiner Agentur Erlebniswerk. Auf seiner Agenda stehen Konzerte und Festivals, etwa mit den Söhnen Mannheims, die am 27. August im Schlösser-Quartier auftreten wollen. Mit dabei sind die Söhne-Sänger Michael Klimas, Claus Eisenmann, Dominic Sanz, Karim Amun, Giuseppe „Gastone“ Porrello, Rapper Metaphysics, Gitarrist Kosho, Keyboarder Florian Sitzmann, Bassist Edward Maclean und der Drummer Ralf Gustke. Dort stellen sie auch die neue Single „Mut“ vor, die gerade erschien.

2006 hat te Paß die Agentur Erlebniswerk gegründet und blickt auf viele schöne Momente: Mit dem AVDK und Obertauern baute er das Oktoberfest im Schlösser Quartier Bohème auf, große Partys wie zum Tanz in den Mai und an Halloween fanden statt, die Söhne Mannheims, Münchner Freiheit, Richard Marx, Oli. P traten auf, das große Schlager-Branchentreffen und Fanfest mit Uwe Hübner und Maite Kelly, Jürgen Drews und GG Anderson brachte er an den Start. Mit seiner Agentur plant er weiter Auftritte im Schlösser-Quartier und Umgebung. „Meine Familie freut es und mich auch, und so bleibe ich mit dem Laden auch weiterhin verbunden – das ist wirklich ein gutes Gefühl.“