Düsseldorf: Die Party „Tunte lauf“ brachte die Nachtresidenz zum Kochen

KG Regenbogen : Tunten auf High Heels brachten die „Resi“ zum Kochen

Der Karneval in Düsseldorf ist jeck. Noch jecker, frivoler, lasziver und lustig geht es bei der Veranstaltung „Tunte lauf“ zu. Damit beweist sich auch Düsseldorfs Liberalität.

Wenn Männer in Stöckelschuhen und Frauenkleidern über den Laufsteg tanzen, heißt es wieder: „Tunte lauf“. Die KG Regenbogen präsentierte am Samstag mit ihrer beliebten Veranstaltung einen der Party-Höhepunkte der Session. Laute Partymusik, eine bunte Lasershow und 1200 schräg verkleidete und gut gelaunte Gäste brachten die Nachtresidenz schon vor dem Start des Tuntenlaufs zum Kochen. Richtig los ging es, als die entscheidenden Herrschaften die Bühne betraten. 18 Teilnehmer hatte dieser besondere Catwalk dieses Jahr. „So viel wie noch nie“, sagt Pressesprecher Norman Sand‑rock stolz.

Oberbürgermeister Thomas Geisel als Marilyn Monroe mit Ehefrau Vera als „Kerl“. Foto: Endermann, Andreas (end)

Für einige war das eine ganz neue Erfahrung, wie für Reporter Patrick Lipke, der als „Patsy“ für das ZDF mitlief. Ganz langsam startete „Patsy“ mit ihrer Performance, was ihr einige Sticheleien der Jury einbrachte – das war aber kein Grund, sich ins Bockshorn jagen zu lassen. „Nächstes Mal würde ich früher Gas geben, die Zeit geht zu schnell um“, gibt die „Probetunte“ zu. Aber auch wenn es Spaß gemacht hat, glaubt Lipke nicht daran, dass es ein nächstes Mal geben wird. Eine Woche hat er beim Team von Olivia Jones gelernt, wie man sich bewegt und schminkt. „Das ist alles sehr anstrengend. Für mich ist es das Heftigste, was ich je für das ZDF gemacht habe.“ Gelehrt hat ihn die Erfahrung aber auch etwas. „Eine Frau muss mir zuliebe nie wieder hohe Schuhe tragen. Die Füße bringen mich um“, lacht er.

„Da hilft nur üben, üben, üben“, rät „Tabea“. Der 62-Jährige ist schon lange im Travestiegeschäft und weiß, wovon er spricht. Seine Teilnahme heute ist Zufall. „Ich bin eigentlich nur als Gast hier und wurde gefragt, ob ich spontan mitmache.“ Das Improvisieren scheint ihm aber nicht schwer zu fallen, und der Lohn ist riesig. „Wenn alles vorbei ist, fällt einem ein Stein vom Herzen. Es ist ein irres Gefühl, wenn man dran ist und alles tobt und schreit.“

Nach jedem Auftritt checkt die humorvolle, aber auch bissige Jury, KG Regenbogen-Präsident Andreas Mauska, die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann und Hoppeditz Tom Bauer, die Höhe der Absätze und lässt das Publikum mit Hilfe eines Dezibelmessers entscheiden, wie gut der Auftritt war. „Das Lasse Mariechen“ beeindruckte so sehr, dass Bauer sie mit einem Freifahrtschein direkt ins Finale schickte – am Ende gewann sie auch. „Damit habe ich gar nicht gerechnet. Das ist supercool“, freute sie sich. „Ich bin total gerne hier, weil das eine Veranstaltung mit Sinn ist.“ Der Erlös des Laufs geht an die Aidshilfe.

Aber was wäre eine Karnevalsveranstaltung ohne jecke Gäste? Prinz Martin I. und Venetia Sabine wurden mit rosa Konfettiregen empfangen. „Wie ihr es schafft, schon nach einer Viertelstunde so eine Stimmung zu haben“, sagte Venetia Sabine begeistert. Der Prinz wird auch im kommenden Jahr im Karneval nicht arbeitslos sein. „Schaut euch diese Beine an“, schwärmte Mauska beim Anblick des Prinzen. „Die werden nächstes Jahr bei ‚Tunte lauf‘ mitmachen“, versprach der Präsident. Auch als Oberbürgermeister Thomas Geisel alias Marilyn Monroe die Bühne betrat, schmolz Mauska dahin. Mit beeindruckender Perücke, die an eine Baiserhaube erinnert, weißem Kleid, Stola und roten Lippen lief er verführerisch über den Laufsteg und warf mit Küssen um sich. Witzig: Geisel bediente sich für den Auftritt am Kleiderschrank seiner Ehefrau Vera, die das Kostüm schon bei einer „Boot“-Party trug. Sie hatte bei der Eröffnung der Wassersportmesse die Rolle der Marilyn übernommen und, genauso wie Geisel am Samstag in der Nachtresidenz, „Happy Birthday Mr. President“ gesungen. Nur Geisel sang für Geburtstagskind Mauska, Vera kam dafür als „Kerl“. Fasziniert war auch Erika Kolo. „Die KG Regenbogen ist toll. Ich bin auch im Stahlwerk immer dabei. Der Verein verkörpert das, was Karneval sein soll. Jeder, egal ob Düsseldorfer, Kölner, Schwuler, Lesbe oder Hetero, ist willkommen.“

Nicole Esch

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