Düsseldorf: Die Mostertpöttches mit erster Frau an der Spitze

Karneval in Düsseldorf : Hildegard Dahmen regiert die Mostertpöttches

Im Karneval ist sie längst ein großer Name: Hildegard Dahmen. Nun ist sie die Chefin eines beliebten Vereins Mostertpöttches – und hat direkt eine große Aufgaben im Visier.

Sie ist die neue Vorsitzende oder vielmehr Baas der Mostertpöttches.  Damit steht zum ersten Mal eine Frau an der Spitze der Gilde der Düsseldorfer Karnevalskünstler. Baasin will Hildegard Dahmen aber nicht genannt werden. „Das klingt doch irgendwie komisch“, meint sie. Die Neue kommt aus einer Familie mit langer Karnevalstradition. Ihr Vater war der legendäre Franz Ketzer, der bei den Jecken alle möglichen Rollen übernahm. Er war Hoppeditz, Prinz, CC-Präsident und vor allem ein bekannter Büttenredner in den 1970er Jahren. Ihr Bruder Winfried Ketzer ist ihr Vorgänger an der Spitze der Mostertpöttches. Ihr Nichte Jenny stand schon als Elfjährige in der Bütte. Im Karneval bekannt wurde Dahmen durch ihre Rolle als „Frau vom Döres“, die als Hausfrau mit allerlei Alltagswidrigkeiten zu kämpfen hatte.

Die vollkommen jecke Familie – da erinnert sie sich noch an ihre Oma: „Eine total lustige und fröhliche Frau. Durch sie fand ich schon als Kind den Karneval ganz toll. Und dann natürlich mein Vater. Gemeinsam mit meinem Bruder bin ich sozusagen jeck erzogen worden.“ Schon als Zehnjährige sagte sie in einem Altenheim kleine Texte auf. Am liebsten verkleidete sie sich damals als Rotkäppchen. Erster Höhepunkt in ihrem jecken Leben: 1959 wurde sie Kindervenetia bei der Düsseldorfer Bürgerwehr. „Schon vorher hatte unser Vater mich und meinen Bruder zu Sitzungen mitgenommen. „Wir saßen da staunend und beeindruckt,  waren aber so still, dass er uns aufforderte: ,Lacht doch auch mal, schunkelt, ruft Helau‘. Später zu Hause staunte mein Vater. Wir hatten alles genau beobachtet, was da auf der Bühne passierte und spielten einen Teil der Sitzung im Wohnzimmer nach.“

1977 stieg die gelernte Krankenschwester und spätere Verwaltungsangestellte zum ersten Mal in die Bütt, in wechselnden Rollen. „Zur Zeit von Steffi Graf gab ich eine übermotivierte Tennisspielerin. 2006 habe ich mich von der Karnevalsbühne verabschiedet.“ Aber nicht so ganz. Bei Veranstaltungen der Mostertpöttches tritt sie auch heute noch als Queen Elizabeth auf, ihre Paraderolle. Und sie spielt die englische Königin mit britischem Akzent so echt, dass sie im Saal immer wieder umjubelt wird. Überraschenderweise haben ihre beiden erwachsenen Töchter mit Karneval kaum etwas am Hut. „Sie waren als Kinder mal Paginnen. Aber das ist es dann auch schon gewesen.“

Hatte sie nicht auch mal den Wunsch, Düsseldorfs Venetia zu werden? Sie lacht: „Ja, das ist eine besondere Geschichte. 1970 war es so weit. Ich hatte mich schon auf die Rolle vorbereitet. Aber in diesem Jahr wollte ich mich auch verloben. Doch da machte mein Vater nicht mit. Er stellte mich vor die Wahl: Entweder Venetia oder Verlobung. Nicht beides im selben Jahr.“ Sie entschied sich dafür, die Frau vom „Döres“ (ihr Mann heißt natürlich anders) zu werden. Und hat es bis heute nicht bereut.

Als Baas tritt sie in die Fußstapfen bekannter Düsseldorfer Karnevalisten wie Bernd Ebenau und Wolfgang Reich (beide gestorben). „Das ist eine große Herausforderung. Ich will da gar nicht viel anders machen. Es ist ja bisher gut gelaufen. Und gerade in den letzten Monaten haben wir neue Mitglieder  aufgenommen. Aber vielleicht werde ich doch hier und da einen neuen Akzent setzen.“

So findet in diesem Jahr zum ersten Mal die Verleihung der Karl-Klinzing-Plakette, die als höchste Auszeichnung im Düsseldorfer Karneval gilt, nicht wie bisher in der Rheinterrasse, sondern im Theater an der Kö statt. Künftiger Plakettenträger ist Theaterchef René Heinersdorff.

Wolfgang Berney