Düsseldorf: Die mehreren Leben der Saskia Valencia

Schauspielerin : Die vielen Leben der Saskia Valencia

Die Schauspielerin Saskia Valencia ist in der Stadt und gastiert im Theater an der Kö. Spannende Erzählungen über ihr Leben hat sie im Gepäck.

Klingt wie ausgedacht, ist aber echt und kein Künstlername: Saskia Valencia heißt wirklich so. Nicht schlecht, wenn man Schauspielerin ist. Weil es im Ohr bleibt und schön schwingt. Mit der Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und der Telenovela „Rote Rosen“ wurde die gebürtige Rostockerin bekannt, zahlreiche Fernsehfilme folgten. Aber ihr Herz schlägt auch fest und beständig für die Bühne. Im „Theater an der Kö“ ist Saskia Valencia bis zum 24. März in „Funny Money“ zu sehen. Eine verzwickte Farce, bei der die Schauspieler kaum Luft holen können und sich durch absurdeste Verwicklungen hangeln müssen. „Unser Ensemble läuft wie geschmiert“, freut sie sich. „Ich mag meine Rolle, das Stück und stehe total hinter dieser Inszenierung. Ist das Haus dann noch voll, macht es erst recht riesigen Spaß.“ Sich die Textmengen einzuverleiben, fiel ihr leicht. „Ich bin beim Lernen eher faul, habe aber zum Glück ein fotografisches Gedächtnis und kann mir gut einprägen, auf welcher Seite etwas stand.“ Sie lacht. „Am liebsten sind mir Monologe, da quatscht mir keiner dazwischen und bringt mich aus der Konzentration.“ Schon als Kind habe sie gern gespielt, immer die Augen aufgerissen und Leute beobachtet. Sie wuchs in einer gebildeten Familie auf, der Vater Arzt, die Mutter Lehrerin: „Sie hat unglaublich viel gelesen. Ich dann auch.“ Vor dem Abitur musste man in der DDR eine bestimmte Aufgabe übernehmen. „Ich suchte etwas außerhalb des politischen Bereichs und stürzte mich auf die Kulturarbeit“, erzählt Saskia Valencia. Das öffnete ihr den Weg zur Bühne, doch die erste Schauspielschule nahm sie nicht: „Mit meinen langen blonden Haaren bis zum Hintern war ich zwar ein Hingucker, passte aber wohl nicht ins Schema.“ Die strenge Auswahl an der renommierten Filmhochschule Konrad Wolf in Potsdam meisterte sie dagegen bravourös, von 4000 Bewerbern blieben nur sieben übrig. „Regie, Kamera, Filmwissenschaft, du hast das alles gelernt.“ Noch vor dem Abschluss heiratete sie einen Kolumbianer, ging mit ihm in den Westen, studierte Philologie, bekam ein Kind und machte Werbung – für Käse. Ja, Saskia Valencia war tatsächlich die „Frau Antje aus Holland“. Nach dem zweiten Kind spürte sie Langeweile und wollte wieder arbeiten. Da kam das Casting für „GZSZ“ gerade recht. Ihre Rolle war für sechs Wochen angelegt, „doch daraus wurden dann zwei Jahre. Ein Wahnsinnspensum. Tagsüber drehte ich und versorgte die Kinder. Nachts lernte ich den Text und kochte vor“. 1996 stieg sie aus und hat die Entscheidung nie bereut. Seitdem geht beides, Theater und Fernsehen. „Rote Rosen“ lockte sie, „weil ich mit Mitte 40 wissen wollte, ob ich das noch stemmen kann. Mein Motor war die Lust, mich selber zu besiegen. Hat auch toll funktioniert“. Bei den Dreharbeiten lernte sie (nach zehn Jahren mit dem Schauspieler Helmut Zierl) ihren späteren Lebensgefährten Thorsten Nindel kennen, 2016 trennte man sich in aller Freundschaft. Düsseldorf war für sie vor „Funny Money“ unbekanntes Terrain. Wie verbringt sie ihre Tage? „Morgens wird gejoggt“, berichtet sie. „Und dann habe ich viele Tipps für Museen und Ausstellungen bekommen, die ich nach und nach umsetze.“ Am spielfreien Montag reist sie nur selten heim nach München. Lieber nach Frankfurt, wo ihre Tochter lebt. „Sie macht mich im Sommer zum ersten Mal zur Großmutter. Das werde ich genießen. Als berufstätige Mutter habe ich mich früher zwischen Arbeit und Familie oft zerrieben. Für mein Enkelkind will ich mir viel Zeit nehmen.“  Regina Goldlücke

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