Düsseldorf: Die Kelly Family sorgt für Gänsehaut-Momente

Konzert in Düsseldorf : Gänsehautmomente mit der Kelly Family

Viele langjährige Fans kamen zum Konzert der Kelly Family in den ISS Dome – und sie wurden von Angelo, Patrica, Joey und Co. nicht enttäuscht. Die Kult-Familie zeigte alle Facetten ihres musikalischen Könnens.

Seit der ersten Stunde ist Kathrin Balkenbach Fan der Kelly Family. Für das Konzert am Freitagabend in Düsseldorf reiste sie eigens mit ihrer neunjährigen Tochter Emma aus dem Westerwald an, beide hatten sich Blumenkränze ins Haar geflochten. „Bei anderen Konzerten konnte man das häufiger sehen“, sagte die 38-Jährige ein wenig enttäuscht, aber die Stimmung bei Mutter und Tochter war bestens. „Wir haben auf der Fahrt schon ganz viel gesungen“, sagte Emma.

Es wirkte beinahe, als könnte die Kelly Family selbst kaum fassen, wie lange sie schon Musik macht: „40 Jahre unterwegs, vor zwei Jahren zuletzt in Düsseldorf, das ist Magie, vielen Dank dafür“, sagten die Musiker bei ihrem Auftritt im ISS Dome. Mit Angelo, der als einstiger Teeniestar noch immer Liebesbezeugungen weiblicher Fans erhält, Jimmy, Joey, John, Patricia, Kathy und Paul standen nicht nur sieben Geschwister auf der Bühne. Beim Silberjubiläum des Erfolgsalbums „Over the Hump“ feierten auch rund 7500 Fans mit, die bei den Kellys gleichsam zum erweiterten Familienkreis zählen.

Mit „Why Why Why“ legt die insgesamt 13-köpfige Familienband einen starken Start hin. Als Frontmann agierte Joey mit hard-rockender Gitarre, als wolle er sich für das nächste Wacken-Festival ins Gespräch bringen. Weitere Hits wie „First Time“ oder „An Angel“ folgten, von folkiger Betulichkeit der früher als singende Altkleidersammlung belächelten Gruppe war nichts zu spüren. Gleichwohl bot sie ein breites stilistisches Spektrum aus spanischen Liedern, Irish Folk, Schmuse-Pop, Soul und Rock. Für Kathy, die stimmlich gehandicapt ist und sich daher auf Akkordeon und Keyboards beschränken muss, sprang bei „Fathers Nose“ schwesterlich solidarisch Patricia ein. „Un, dos, tres“ zählte Patricia an und schnell verbreitet „Ares Qui“ Fiesta-Stimmung, die viele Paare animierte, vor der Bühne zu tanzen.

Aber es gab auch Gänsehaut-Momente, etwa als Jimmy an die Menschen erinnerte, die in den vergangenen 25 Jahren gestorben waren. So hatte die Gruppe im Vorfeld über Facebook ihre Fans aufgefordert, Bilder ihrer gestorben Liebsten einzusenden. „Tausende haben wir erhalten, 40 haben wir stellvertretend ausgewählt“, sagte Jimmy. Bei „Roses of Red“ flatterte rotes Konfetti in Form von Rosenblättern auf die Fans herab. Mit Feuer und Flamme, gleichsam in familientauglicher Rammstein-Manier, präsentierte Joey dagegen mit „The Wolf“ ein weiteres Mal seine rockigen Ambitionen ehe ein versöhnliches „Santa Maria“die erste Konzerthälfte ausklingen ließ. Im zweiten Teil spielten die Musiker vor allem neuere Songs.

Begeistert von dem Konzert zeigten sich Nina, die aus Unterfranken angereist war, und Sonja, die aus dem Frankfurter Raum kommt. Die beiden jungen Frauen sind Kelly-Fans seit frühester Jugend und lernten sich über eine Rubrik in der Bravo „Kelly-Fan sucht Gleichgesinnten“ 1990 kennen und wurden schließlich enge Freundinnen, die zusammen zu den Konzerten gehen. „Ich kannte die Kelly Family schon, als die noch Straßenmusik machten“, erzählte Harald Müller. „Mit dem Ticket zu Weihnachten hat meine Frau mir einen dritten Weihnachtstag beschert“, freute er sich. Bernd Schuknecht