Düsseldorf: Der ZDF-Moderator Ingo Nommsen hat ein Buch geschrieben

Düsseldorfer Moderator : Was Ingo Nommsen von seinen Gästen gelernt hat

Seit vielen Jahren moderiert Ingo Nommsen die ZDF-Sendung „Volle Kanne“. Dabei hat er sich so einiges von seinen prominenten Gästen abschauen können. Zum Beispiel, was Erfolg wirklich bedeutet.

Sich auszudrücken, in die Welt rauszugehen oder sie zu sich zu holen, das ist schon Ingo Nommsens Ding, schon immer gewesen. Schon während der Schulzeit nahm der Nürnberger, der seit Jahren in Düsseldorf lebt, Schauspiel- und Gitarrenunterricht. Nach dem Abi reizte ihn zunächst die Musik, dann ein Kamera-Volontariat bei Bavaria Film. Erfolg hat mit harter Arbeit zu tun, das lernte er schon früh. Er trampte regelmäßig nach München, um in den Bavaria-Filmstudios in diversen Praktika zu lernen, wie Film und Fernsehen funktionieren. „Weil ich kein Auto hatte, stand ich oft schon um vier Uhr morgens an der Bundesstraße am Murnauer Ortsausgang und hielt den Daumen in die Höhe. Ich war morgens einer der Ersten in den Studios, um für die Filmcrew und Schauspieler Kaffee zu kochen, und blieb meist mehr als zwölf Stunden“, sagt er. „Ohne die täglichen Herausforderungen zu meistern, ohne mein Durchhaltevermögen oder den Glauben an mich selbst wäre ich wohl nie beim Fernsehen gelandet“, weiß er heute.

Er fing an, im Fernsehen zu moderieren, und legte bei RTL die Kinder-Talkshow „Der HAIsse Stuhl“ hin. Auch Bayern 3, das Kultprogramm des Bayerischen Rundfunks, bei dem schon Stars wie Günther Jauch und Thomas Gottschalk ihre Karrieren starteten, passte ihm ins Leben. In der täglichen „Super-3-Show“ gaben sich bei Ingo die Stars die Klinke in die Hand. 800 „Hallo Deutschland“-Sendungen liegen hinter ihm, mit ihm wurde „Volle Kanne“ (2500 Folgen) zu Deutschlands Fernsehfrühstück Nummer Eins. Heißes Ingwerwasser und zwei Espressi bekommt er übrigens serviert an jedem Vormittag, den er im Studio in Golzheim für die ZDF-Sendung vor der Kamera steht. Wie er das schafft? „Ich liebe das, was ich mache, ich gehe joggen, ich mache transzendentale Meditation“, sagt der 47-jährige Wahl-Düsseldorfer und wirkt dabei sehr aufgeräumt.

So wirklich fern lag es in Anbetracht seiner Karriere sicher nicht, dass er nun mit dem Riva-Verlag ein Buch vorlegt mit dem Titel „Erfolgsmenschen“. Was hinter den Menschen im Showgeschäft stecke, bleibe oft im Dunkeln, beschreibt Nommsen sein Engagement für dieses sehr persönliche Buch. „Als ich mit diesem Buchprojekt begann, war mir nicht klar, was die Beschäftigung mit den Erfolgsmenschen für mich bedeuten würde. Nach all den Jahren, in denen ich im Fernsehen und im Radio moderiere, wollte ich noch mehr über einige meiner Lieblingsgäste wissen und sie unter anderen Vorzeichen in anderer Umgebung wiedersehen. Ich wollte wissen, was ich aus ihren Geschichten für mein eigenes Leben mitnehmen könnte.“ Daher rührt auch Nommsen Untertitel für sein Erstlingswerk: „Was ich von meinen prominenten Gästen gelernt habe.“

Er erlebte, wie hart es in der Küche von Fernsehstar Steffen Henssler zugeht und kochte einen Abend lang mit ihm in seiner Profiküche. Ihn interessierte, wer eigentlich der Mann hinter dem Komiker Max Giermann ist, „der mich einst bis zur Schmerzgrenze parodiert hatte“, lud ihn zu sich zum Kaffee ein und bekam die Überzeugung serviert: „Wer gut ist, darf auch mal schlecht sein.“ Warum Comedian Atze Schröder (der wolle flauschig bleiben) seine Maske niemals ablegt und wie er es schafft, in der Öffentlichkeit unerkannt zu bleiben, wollte Nommsen herausfinden. Scorpions-Sänger Klaus Meine verriet in den Peppermint Park Studios, wie es der Band aus Hannover gelungen war, in den Rock-Olymp aufzusteigen. Olympiasiegerin Britta Heidemann erklärte ihm bei einer Fechtstunde, was es braucht, um alles aus sich herauszuholen. Schauspielerin Annette Frier führte ihm beim Dreh für die Erfolgssitcom Pastewka vor Augen, warum Komödie bei Schauspielern als Königsdisziplin gilt. „Die Erfolgsmenschen gewähren Einblicke hinter die Kulissen des Showgeschäftes und der augenscheinlich schillernden Erfolge.“ Dem Schauspieler Siefried Rauch verdankt er das Mantra: „Nicht quatschen – machen.“ Als sich die internationale Pop-Ikone der Achtzigerjahre, Kim Wilde, zum ersten Mal ankündigte, war das ganze „Volle Kanne“-Team in heller Aufregung. Schwärmerisch beschriebt Nommsen: „Ihre erfrischend normale Art, mit den Menschen umzugehen, macht unser ganzes Team jedes Mal aufs Neue schockverliebt.“ Erfolg sei für sie, „ein Ziel zu erreichen, egal, ob es um das Backen eines Cupcakes oder das Aufnehmen eines Hit-Albums geht. Was immer ich tue, ich gebe mein Bestes und genieße den Weg“, beschreibt sie ihre Philosophie.

Das Buch hat Nommsens Perspektive verändert, wie er beschreibt. „Vor Beginn der Arbeiten zu diesem Buch hatte ich ein ganz klassisches Erfolgsbild im Kopf. Erfolgreich ist, wer sich abhebt von der Masse, besser ist als die anderen und viel Macht, Geld oder große Berühmtheit erlangt hat – Anerkennung und Bewunderung inklusive.“ Heute glaubt er, dass es wichtig sei, Erfolg auf seine ganz eigene Weise zu definieren. „Nicht nur das Ziel, sondern auch der Weg in Richtung Erfolg kann erfüllend sein. Wer an sich und seine Ideen glaubt, ist dafür bestens gerüstet. Alle Erfolgsmenschen in diesem Buch sind ihrer Leidenschaft gefolgt. Was dann im Leben möglich wurde, erscheint fast unwirklich.“

Brigitte Pavetic

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