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Düsseldorf: Das Inline-Skaten brachte ihn zu Alma Sports

Eine Düsseldorfer Sportskanone ist nun Chef eines gigantischen Fitnessstudios : Das Inline-Skaten brachte ihn zu Alma Sports

Während seines Sportstudiums war Holger Schütt Trainer in dem Fitnessstudio. Mittlerweile gehört ihm das Unternehmen. „Schließlich habe ich mein Hobby zu meinem Beruf gemacht, das ist doch toll“, sagt der neue Alma-Sports-Club-Chef.

Mit sehr positiven Gefühlen erinnert sich der Fitness-Unternehmer Holger Schütt (47), wie er damals zu Alma Sports kam.  Das war 1995, er war 22 Jahre alt, Alma Sports machte gerade auf – sozusagen um die Ecke von der Stelle, wo wenig später dann das große Multiplexkino in Heerdt eröffnete, das heute den Namen Cinestar trägt.

„Ich war ein ganz normaler Junge aus Eller, der sich gerne bewegte und dann auch Sportwissenschaften studierte. Das musste ich finanzieren. Ich konnte sehr gut Inline-Skaten, und Alma suchte einen Trainer, also war ich von der Gründung an dabei.“ Die Idee, vom Inline-Skate-Lehrer mal zum Chef des Unternehmens zu werden, lag also schon irgendwie in der Luft. Zwischendurch gründete Schütt aber zunächst eine Event-Agentur, die auf betriebliche Gesundheitsförderung abzielt. „Beim Konkurrenten Holmes Place war ich auch mal, aber die Nähe zu Alma habe ich nie verloren.“ Von 2002 an war er hier wieder mit dabei.

Konkret wurde alles im Oktober 2017, wie Schütt erzählt. „Da fragte mich der damalige Besitzer, der das Düsseldorfer Alma 1995 als Ableger seines Gelsenkirchener Studios gegründet hatte, ob ich übernehmen will. Ich musste nicht lange überlegen, ich sagte mehr oder weniger spontan zu.“ Dann die große Überraschung: „Es kam die Kündigung für die ursprüngliche Location, und es war klar, dass wir zum 31. Dezember 2018 raus müssen, das war dann nicht so schön und auch irgendwie ein harter Start als Fitness-Unternehmer.“ Lange herum ärgern mit unabänderlichen Fakten wollte sich Schütt nicht, stattdessen suchte er eine neue Location und wurde an der Hansaallee 191 fündig. Seit März 2019 ist Alma Sports dort beheimatet – mittlerweile erweiterte Schütt um weitere Hallen an der Willstätterstraße 50. Aufwändige Umbauarbeiten liegen hinter ihm – und der Corona-Shutdown. „Ich will mich aber um Himmels willen nicht unterkriegen lassen. Ich habe allen Grund, optimistisch zu sein.“

Ein Statement setzte Schütt ohne Zweifel mit seinem neuen Alma Sports Club, der am 11. Juli eröffnete: Das komplette Areal in Heerdt nahe Oberkassel erstreckt sich über gut 7000 Quadratmeter. Die Investitionen gingen Schütt zufolge in die Millionen. „Sicherlich keine Selbstverständlichkeit mitten in der Corona-Krise, aber ich habe mir meinen Traum erfüllt und glaube eben an unser Konzept. Außerdem haben wir ein total treues Stammpublikum, viele kenne ich seit 1995.“

2000 Mitglieder sind Schütts Wunsch, 1500 – auch wegen vieler Mitglieder, die blieben – hat er schon. „Manche Mitglieder kommen sogar nur auf einen Kaffee rein, weil sie die soziale Nähe suchen, und viele Mitarbeiter sind ja auch schon lange dabei, also: Man kennt sich. Das ist sicher auch nicht zu unterschätzen, wenn es um den Wohlfühlfaktor geht. Heute spielen neben einem fitten Body auch der Lebensstil und Stressbewältigung eine wichtige Rolle.“ Noch mehr Kundennähe will er mit einem Yoga-Event aufbauen, das für den 31. Oktober geplant ist.

Die Mitglieder können sich in der Eventhalle mit drei Indoor-Beachvolleyball-Plätzen austoben, ein Areal für die Anhänger des verhältnismäßig neuen Fitnesstrends, bei dem Gewichtheben, Sprinten, Eigengewichtsübungen sowie Turnen miteinander verbinden werden, schuf Schütt auch. Die Gymnastik- und Ausdauerbereiche sind in großen Hallen mit hohen Decken untergebracht, Laufbahnen gibt es, Indoor-Cycling, ein neues Belüftungssystem. Dazu gibt es einen Wellnessbereich, auch ein Alma-Café mit gesunden Menüs in Kooperation mit dem Bistro Goldsheim gehört zum Konzept.

„Es ist nicht so, dass Corona spurlos an mir vorbeigeht“, sagt der Fitness-Unternehmer. „Mit Sorge betrachte ich auch die Entwicklungen in der Gastronomie etwa.“ Mit der Gastro-Größe Walid El Sheikh drückte Schütt auf dem Luisengymnasium die Schulbank und spielte mit ihm American Football. „Er und die Kollegen in seiner Branche müssen im Moment wirklich sehr stark sein.“ Trotz allem versucht Schütt, positiv in die Zukunft zu blicken. „Schließlich habe ich mein Hobby zu meinem Beruf gemacht, das ist doch toll.“

Hart umkämpft ist der Markt seiner Einschätzung zufolge. 61 Studios gab es 1995 in Düsseldorf, heute sind es 225, wie Schütt resümiert. Teils aus Wettbewerbsgründen, aber teils auch, weil er ein Faible für Interieur hat, wollte Schütt an der Einrichtung nicht sparen. Alte Militärmöbel finden sich daher im neuen Alma Sports Club, Barren und Böcke wie aus der Jahrhundertwende, ein Tisch aus alten Gerüstbohlen, an Patina reiche Glas-Stahl-Konstruktionen.

Und das ist Schütts „Juwel“, wie er sagt: Der für Vintage-Schätze bekannte „American Retail“-Chef Alex Aleksiejew – fast in Rufnähe zu Alma Sports – besorgte Holger Schütt eine Sitzgruppe, die auch in einem „Matrix“-Film zu sehen ist. „Alex und ich – das ist auch eine Alma-Bekanntschaft. Er tat mir den großen Gefallen und klemmte sich hinter dieses Projekt. Die lässigen Matrix-Sessel stehen jetzt für unsere Gäste bei uns im Foyer.“