Ein ehrlicher Talk in Düsseldorf Darum flog Burghart Klaußner aus mehreren Theatern

Düsseldorf · Burghart Klaußner ist durch und durch ungewöhnlich. Er ist ein gefeierter Schauspieler, aber auch auf anderen Feldern tobt er sich nach Herzenslust aus. Und er hat seine eigene Meinung, was im Lauf seiner Karriere auch für den einen oder anderen Rausschmiss sorgte.

 Der Schauspieler Burghart Klaußner war zu Gast auf dem „Roten Sofa“ im Theatermuseum.

Der Schauspieler Burghart Klaußner war zu Gast auf dem „Roten Sofa“ im Theatermuseum.

Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

Natürlich fragt man einen Künstler, der im Theatermuseum auf dem „Roten Sofa“ Platz nimmt, zunächst nach ersten Lebensstationen und dem Zugang zum Beruf. So verfuhr auch Frank Labussek mit Burghart Klaußner, der jüngst im Schauspielhaus in Brechts „Galileo Galilei“ Premiere hatte. Doch kaum waren die Kindheit in Berlin, der Umzug nach Bayern und das ungeliebte und zugunsten der Schauspielschule bald wieder aufgegebene Studium durchstreift, unterbrach der Gast: „Was wird das jetzt eigentlich? Es gibt Menschen, die können sich an jeden einzelnen Tag ihres Lebens erinnern. Segen oder Fluch? Ich finde es toll, mein Gedächtnis ist auf die Größe einer Walnuss geschrumpft.“ Schelmisch wandte er sich an den Moderator: „Also versuchen Sie, es zu knacken!“ Ab da musste Frank Labussek kaum noch nachhaken. Burghart Klaußner war in bester Plauderlaune. Ein brillanter, kluger, humorvoller Erzähler von erstaunlichem Freimut. Denn auch seine Schwächen verschwieg er nicht. „Ich bin aus mehreren Theatern rausgeflogen, weil ich meine Schnauze nicht halten konnte“, offenbarte er. „Da ich nicht aus einer Künstlerfamilie stammte, hatte ich ein Defizit. Ich wusste nicht um die Gesetze in der Theaterwelt.“ Karriere machte er trotzdem, spielte an den bedeutendsten Bühnen und unter den renommiertesten Regisseuren des Landes. Zum Film kam er spät, aber dann gewaltig. „Ich interessierte mich anfangs nicht besonders dafür, hätte auch das Theater dafür aufgeben müssen. Das wollte ich nicht.“ In „Kinderspiele“ verstörte er 1991 als prügelnder Vater, ein Charakter, den er später in „Das weiße Band“ mit subtilerem Terror auf die Spitze trieb. „Er war mir vertraut, mein Vater trug ähnliche Züge.“ Der Film von Michael Haneke wurde für einen „Oscar“ nominiert. In „Der Staat gegen Fritz Bauer“ und in der TV-Produktion „Brecht“ gab er historischen Figuren Gesicht und Profil. „Ja, der Brecht lässt mich nicht los“, schmunzelte er. Begleitend zu „Galileo Galilei“ wird Burghart Klaußner am 17. April im Kleinen Haus einen Abend über den Komponisten Hanns Eisler geben. Er singt und musiziert, ist Buchautor („Vor dem Anfang“), übersetzte Chansons von Charles Trenet. Ans Düsseldorfer Theater kehrt er immer wieder auch für das 2-Personen-Stück „Heisenberg“ zurück und schwärmt von seiner Partnerin Caroline Peters, die ihm schon in der TV-Serie „Mord mit Aussicht“ aufgefallen war. Sein erster Gedanke damals: „Donnerwetter, ist das eine Wuchtbrumme!“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort