Düsseldorf: Brigitte Roos nimmt ihren Hut

Abschied : Brigitte Roos nimmt ihren Hut

Diese Frau verschönert das Haupt der Frau: Hutmacherin Brigitte Roos. Nach 30 Jahren will sie etwas andere Wege gehen.

In diesem Winter hat sie ihre Strickleidenschaft entdeckt – Schals in eigenwilligen Farbkompositionen, „Kaffeewärmer“ genannte Mützen und Fäustlinge entstehen mit flinken Fingern. Eigentlich ist Brigitte Roos Bibliothekarin, aber weil sie lieber was mit den Händen macht und am Ende des Tages auch gern das Ergebnis sieht, hat sie das Modisten-Handwerk gelernt.

Das ist mehr als 30 Jahre her. Seitdem sind in ihrem Atelier an der Bastionsstraße die unterschiedlichsten Kreationen wie Schlapp- oder Florentiner-Hüte, Kreissäge, Cloche oder Trilby, Fascinator (das sind auf der Stirn platzierte Kreationen aus Schleifen und Federn) oder Pillbox entstanden, meist ohne eine Skizze frei geformt. „Ich brauche nur meine Hände, das Material und ein Bügeleisen mit Dampf“, erklärt die Hutmacherin. So ist jedes Modell, das aus Stroh, Filz, Tüll, Federn und Spitzenschleier entsteht, ein Unikat, und das wissen die Kundinnen zu schätzen.

Bekannt wurde die in Karlsruhe geborene Brigitte Roos vor allem mit ihren kleinen, verrückten, farbigen und auffallend dekorierten Modellen, die je nach Saison unter einem Thema wie „italienische Oper“ oder „Sissi und Franz“ entstanden sind. Eine Form hat sie all die Jahre begleitet: „Der wie eine Schnecke geformte Cocktailhut war meine erste Kreation. Im Laufe der Jahre sind Hunderte Variationen davon entstanden.“

Am Montag (31. Dezember) schließt das charmante „Haus der Hüte“: Brigitte Roos geht in den Ruhestand und freut sich auf mehr freie Zeit mit ihrem Mann und Dackel Gretl. „Die Zeiten haben sich geändert. Es gibt kaum noch Händler, die all die Zutaten und Dekorationen vom Filz bis zum Tüll, von der Spitze bis zur Feder anbieten“, sagt die Kreative. Und außerdem: „Wer trägt heute noch Hut und gibt Geld für eine Maßanfertigung aus?“.

Modistin – sei ein aussterbender Beruf, und die meisten Kollektionen seien heute industriell gefertigt. Dabei gibt es genug Anlässe, bei denen sich die Damen gerne mit Kopfschmuck in Szene setzen. Familienfeste, Taufen oder Hochzeiten, Gartenpartys und Pferderennen. „Wer einen trägt, hat meist ein gesundes Selbstbewusstsein, denn mit Hut fällt man positiv oder negativ auf“, sagt Brigitte Roos. Sie selbst besitzt nur ganz wenige Modelle – „sobald welche fertig waren, fanden sie Liebhaber, und schon waren sie verkauft“.

In den letzten Wochen haben sich viele Kundinnen noch schnell eingedeckt mit Glocken- und Schlapphüten, Mützen und Stirnwedeln. Alles, was den Salon in der Carlstadt mitgeprägt hat, wurde verkauft – Hutformen und –schachteln, Blumen und Federn, Bänder und Spitzen. Aber auch, wenn es für die kreative Düsseldorferin 2019 erst einmal heißt: „Ich bin dann mal weg“, plant sie Neues. So will Brigitte Roos in Zukunft Workshops rund um den Hut veranstalten. Denn ein Leben so ganz ohne Stroh, Wolle und Bügeleisen mit Dampf kann sie sich nun doch nicht vorstellen.

Dagmar Haas-Pilwat

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