Düsseldorf: Boris Konrad ist ein erfrischend normaler Gedächtnistrainer

Vortrag in Düsseldorf : Ein trickreicher Gedächtnistrainer

Mit kleinen Tricks lässt sich ganz leicht das Gedächtnis trainieren. Das hat der Boris Konrad kürzlich bei einem Vortrag im Haus der Talente bewiesen und sein Publikum ins Staunen versetzt.

In den Händen des Arztes Boris Konrad liegt ein Kartenspiel. Die 52 Karten wurden zuvor willkürlich durcheinander gemischt. 90 Sekunden hat Konrad sich selbst gegeben, um sich alle einzuprägen, in der richtigen Reihenfolge. Hochkonzentriert betrachtet er jede Karte aufmerksam, aber bloß nicht zu lange. Dann ist die Zeit abgelaufen. Er gibt das Kartenspiel aus den Händen und beginnt, das Deck Karte für Karte wiederzugeben, aus dem Kopf. Fehlerfrei.

Konrad macht das nicht zum ersten Mal. Der 35-Jährige ist vierfacher Weltmeister und zweifacher Weltrekordhalter im Gedächtnissport. Kürzlich besuchte er die Stiftung Haus der Talente, eine gemeinnützige Einrichtung zur Förderung hochbegabter Kinder und Jugendlicher. Gemeinsam mit 20 jungen Superhirnen trainierte er hier die wichtigsten Techniken des Gedächtnissports. Wer sich in kürzester Zeit zahlreiche Wörter oder Zahlenfolgen einprägen kann, der kann nicht nur auf internationalen Gedächtnis-Turnieren hohe Preisgelder einsammeln, sondern auch seine Schulnoten im Handumdrehen verbessern. Das weiß Konrad aus eigener Erfahrung, der Physik und Informatik studierte. Für seine Doktorarbeit machte er sein bisheriges Hobby zum Forschungsgegenstand und promovierte 2014 zu den neuronalen Grundlagen außergewöhnlicher Gedächtnisleistungen. Heute forscht er am Institut für Neurowissenschaften im niederländischen Nijmegen.

„Ein gutes Gedächtnis ist erlernbar – mit den richtigen Techniken.“ Eine These, die er seinen Zuschauern beweisen will. Dazu erzählt er ihnen eine kurze Geschichte, deren Handlung wirre Wendungen nimmt. Einige Schlagworte wiederholt er dabei mehrmals mit übermäßiger Betonung. Als er mit seiner Erzählung am Ende ist, haben sich die Jugendlichen diese Worte mühelos eingeprägt. „Heu, Lücke, Hai, Mann, schielen“, geben sie im Chor wieder, was sie sich gemerkt haben: „Diese Worte habe ich nicht zufällig ausgewählt“, offenbart Konrad schließlich grinsend. „Ihr habt euch mit ihnen gerade die Namen aller deutschen Bundespräsidenten gemerkt – in chronologischer Reihenfolge.“ Kurz muss er seinen Streich erklären: Heu steht für Heuss, Lücke für Lübke, Hai und Mann für Heinemann und so weiter. Sein Publikum staunt nicht schlecht.  Johanna Porten

Mehr von RP ONLINE