Düsseldorf: Björn Bittner ist der Weinexperte bei Instagram

Blogger: Björn Bittner ist der Weinexperte bei Instagram

In China fand Björn Bittner die Liebe zum Wein, heute tourt er als Experte durch Europa.

Lust auf Wein bekommen die meisten Menschen in deutschen Landen, Frankreich oder vielleicht Italien. Nicht aber Björn Bittner. Bei ihm war es China. Ein Land, das nicht unbedingt für Weinanbau bekannt ist.

Nun ja, gesteht der 28-Jährige, es sei damals nicht um chinesischen Wein, sondern um hochwertigen Bordeaux gegangen, den sein Vater mit nach China genommen hätte. Das war vor knapp zehn Jahren. Da flog der Junior, der zuvor lange Zeit krank war, mit seinem Vater ins Reich der Mitte. Und statt grünem Tee oder Pflaumenwein kam Bittner auf den Geschmack edler Rebsorten. Heute zählt der junge Mann zu den europaweit einflussreichsten Wein-Bloggern.

Sein guter Ruf ist bekannt, sodass er zu den edelsten Weintouren eingeladen wird. Wie jüngst in die Champangne, wo ein Dutzend Weinkenner eingeladen wurden. Bittner mittendrin – und dies trotz Zahnschmerzen, hatte er sich doch kurz zuvor Weisheitszähne ziehen lassen. „Diese Einladung konnte ich mir einfach nicht entgehen lassen“, sagt der gebürtige Düsseldorfer, der in Langenfeld Abitur machte und heute in Hamm wohnt.

Doch bis er seine ganz große Leidenschaft zum Beruf machte, sollte nach seinem China-Aufenthalt noch einige Zeit vergehen. Die Liebe zum Wein und zur Kulinarik war zwar da, doch Abitur und Studium standen erst einmal im Vordergrund. Seinen Bachelor in International Business hat er zwischenzeitlich erfolgreich abgeschlossen.

Auslöser für seinen Blog „BJR Le Bouquet“ war ein Dokumentarfilm zum Thema Wein vor zwei Jahren. „Danach habe ich mich intensiver mit Wein beschäftigt und den Blog eröffnet. Damals noch ohne jeglichen Hintergrund, mehr aus Spaß, sagt Bittner, der eine Vorliebe für Filme hat, in denen Wein eine Rolle spielt – zum Beispiel „Sideway“, „Bottle Shock“ oder auch „Red Obsession“. Mindestens fünf Stunden täglich habe er am Computer zum Thema Wein auf Instagram und Co. verbracht. Das war vor zwei Jahren – zu einem Zeitpunkt, als sich nur wenige mit diesem Thema beschäftigten. „Vielleicht ein Dutzend Leute weltweit“, meint er. Bittner stieß also in eine Marktlücke und ist heute ein gefragter Fachmann. Als eine der Ersten fragte die Firma Lindt bei ihm an wegen einer Koopperation. Die Edelfirma Riedel, bekannt für ihre Gläser, folgte.

Heute ist Bittner nicht nur ein gefragter Mann in den sozialen Netzwerken, sondern ständig in Sachen Wein unterwegs. „Ich habe im September ein Weinfest mit mehr als 1400 Besuchern moderiert“, sagt er nicht ohne Stolz. Jede Woche kommen Anfragen für Weinreisen oder Werbekooperationen. „Ich habe noch nie eine Akquise betrieben.“

Doch als Sommelier möchte er sich nicht bezeichnen, und auch nicht eine solche Ausbildung absolvieren. Bittner möchte Geschichten über den Wein erzählen, und da gibt es viele. Sein Credo lautet „Content is King“, was so viel wie „Inhalt ist das Wichtigste“ heißt. Deshalb erzählt er gerne auf seinem Blog – vom Wein X, von der Wein-Region Y oder von einem schönen Restaurant Z. Und rund 60.000 Abonnenten folgen ihm und seinen Geschichten. Dabei möchte er das Thema Wein, das auch heute bei vielen noch sehr elitär und mit eigener blumiger Sprache behaftet ist, vereinfachen. Dazu liefere seiner Meinung nach gerade Düsseldorf ein perfektes Forum. „Die Menschen wissen hier den Wein zu schätzen“, sagt er. Nicht zuletzt dank der Messe ProWein ist das Thema allseits beliebt.

Beliebt sind inzwischen auch seine Weinduelle unter dem Thema „Sommelier gegen Blogger“. Auf die Idee kam die Düsseldorfer Journalistin Kathrin Sion. Seit August wird in regelmäßigem Abstand dieser amüsante Abend im Grandhotel Petersberg bei Bonn veranstaltet. Bei einem Vier-Gänge-Menü stellen Hotel-Sommelier Jannick Simon und Björn Bittner ihre persönliche Weinempfehlung vor und führen gemeinsam durch den Abend. Alte Schule gegen neue Profession also.

Bittner hat für dieses Konzept mittlerweile auch schon Anfragen aus anderen Städten. Nur Düsseldorf ist nicht dabei. Zumindest noch nicht.⇥Birgit Wanninger

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