Düsseldorf: Ballett-Star Marcos Menha auf dem Sofa

Theater-Talk : Ballett-Star Marcos Menha auf dem Sofa

Marcos Menha ist seit Beginn der Spielzeit 2011/12 Mitglied in Martin Schläpfers renommierter Düsseldorf Compagnie. Seither zählt er zu den ganz Großen. Beim Talk erzählt er von seiner Faszination für Schläpfer.

Auf dem „Roten Sofa“ im Theatermuseum begrüßte Gastgeber Frank Labussek einen der profiliertesten Solisten der Düsseldorfer Kompagnie: Marcos Menha, „ein Tänzer mit südamerikanischem Temperament und Körpergefühl, aber vertraut mit europäischen Traditionen und Stilen“. Betritt der Brasilianer die Bühne, fällt er sofort mit unvergleichlich eleganten Bewegungen und kraftvollen Sprüngen auf. 2011 holte ihn Martin Schläpfer ans Ballett am Rhein, doch bis dahin musste Marcos Menha einen weiten Weg zurücklegen. Voller Freude plauderte er von seinen ersten Tanzversuchen.

„Was machst du da?“, hätte seine Mutter verwundert gefragt, wenn der Junge mal wieder die Füße nicht ruhig halten konnte und alles mittanzte, was er im Fernsehen sah. „Mit den Mädchen in unserer Straße stellten wir kleine Theaterprogramme und Choreografien zusammen“, erzählte er. „Familien und Nachbarn waren unser Publikum.“ Mit acht Jahren kam Marcos Menha in die Ballettschule, und schon war es um ihn geschehen. Genau das wollte er machen, für immer. „Ich bat meinen Papa, mir Schläppchen und ein Trikot zu kaufen“, erinnert er sich. „Er reagierte gelassen, selbst als ich ihm später sagte, ich wolle ernsthaft Balletttänzer werden. Das war in Brasilien nicht leicht für einen Mann. Tanzen bedeutete Karneval und Samba, aber bestimmt nicht Ballett.“

Wer hätte es ihm auch ausreden können, wo er doch bereit war, nach der Schule jeden Abend bis 21 Uhr zu trainieren? Schnell fiel seine Begabung auf. Mit 15 gewann Marcos Menha den zweiten Preis in einem Wettbewerb – einen 13-tägigen Workshop am berühmten Bolschoi Ballett in Moskau. Fürs Flugticket veranstalteten Mitschüler eine Lotterie, „und meine Mutter backte Unmengen Kuchen und verkaufte sie“. Die harten Moskauer Sitten setzten ihm zu, er hätte dort nicht bleiben mögen. In Sao Paolo studierte er und tanzte in verschiedenen Kompagnien. Als er acht Jahre später die Chance ergriff, an die Ballett-Akademie von Birgit Keil in Mannheim zu wechseln, wurde der Flug durch den Verkauf des Familienautos finanziert.

Man hört dem sympathischen Tänzer gerne zu, wenn er im lockeren Plauderton von seinen Lehrjahren und Selbstzweifeln berichtet: „Ich schaute nie in den Spiegel, weil ich mich nicht schön fand.“ Dann kam der eine richtige Moment, in dem er sich bei Martin Schläpfer in Düsseldorf bewarb. „Ich war damals Solist in Karlsruhe, hatte an der Rheinoper faszinierende Stücke gesehen und spürte, dass ich unbedingt ein Schläpfer-Tänzer werden muss. Kopf und Herz waren bereit zu einem Neubeginn. Die Zeit dafür war reif.“ Er bekam seinen Vertrag. Menha bewundert Schläpfers geniale Begabung, den Tänzern immer neue Ideen vorzulegen. „Ich gehe vollkommen jungfräulich in eine Kreation und hoffe, dass ich verstehe, was er meint“, sagte er. „Wenn nicht, gibt er mir einen anderen Impuls.“ Beim Theater-Talk wurden Ausschnitte aus mehreren Balletten gezeigt, die Marcos Menha hochemotional kommentierte: „Ich kann nicht sagen, wie glücklich ich bin, diese Choreografien tanzen zu dürfen. Bei vielen habe ich geweint, weil ich immer ganz tief in meine Gefühle eintauche.“ Eine Zuhörerin wollte wissen, ob er denn bliebe, wenn Schläpfer Düsseldorf verlasse. Das sei noch weit weg. „Der darf nicht gehen“, meldete sich eine andere Stimme. „Sonst sperren wir den Flughafen und halten ihn auf.“

Regina Goldlücke

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