Düsseldorf: Axel Bellinghausen über Demut und Dankbarkeit

Adventskalender : Axel Bellinghausen über Demut und Dankbarkeit

Der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Düsseldorf (AKHD) brachte einen Adventskalender heraus, Fußball-Größe Axel Bellinghausen nahm den ersten entgegen und sprach dabei über seine eigenen Erfahrungen mit dem Tod und mit lebensverändernden Begegnungen.

Ein warmherziger Moment war das, als Fortunas Fußballgröße Axel Bellinghausen am Montag den ersten Adventskalender des Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienstes (AKHD) entgegennahm. Ein bezauberndes Lächeln zierte das Gesicht der elfjährigen Freya Reuter, die das Bild für diesen Kalender gemalt hatte, der nun in einer Auflage von 2000 Stück erscheint – mit mehr als 200 Sachpreisen und Gutscheinen. Der Ex-Fußballprofi und heutige Co-Trainer Bellinghausen schaute gerührt. „Das ist für mich tatsächlich etwas ganz Besonderes.“

Seine Arbeit für karitative Zwecke berühren Bellinghausen in seinen Grundwerten, wie er erzählt. Für den AKHD macht sich der 36-Jährige stark, er ist Schirmherr des Aufsehen erregenden Corsos „Biker 4 Kids“, an Weihnachten besucht er gemeinsam mit seinen Fortuna-Kollegen die Kinderkrebsstation der Uniklinik. „Wenn du so etwas erlebst, wenn du diese wunderbaren Kinder siehst, dann macht dich das ganz schön demütig, und das ist auch gut und richtig so.“ Schon recht früh in seiner Laufbahn hätte er sich immer wieder klargemacht, „dass natürlich selbst eine gewisse Popularität niemanden vor Schicksalsschlägen schützen würde“. Ob er die eigene Sterblichkeit und Unverwundbarkeit verdrängen könnte? „Nein, ich mache mir das schon klar, und durch meine Begegnungen wie zum Beispiel heute wird mir das auch immer wieder bewusst gemacht. Und dafür und für vieles andere bin ich dankbar.“

In Königswinter ist Bellinghausen aufgewachsen, „quasi auf dem Land“, da hätten sich die Leute schon sehr umeinander gekümmert, und daher komme auch diese „Ader“, sich auch für andere zu engagieren, besonders für Kinder. „Das wurde mir eben so vorgelebt, und ich finde das in unserer doch sehr kalten Zeit, in unserer Ellbogengesellschaft, auch total richtig.“ Eigene Kinder hat er noch nicht, „ist aber natürlich alles nicht ausgeschlossen“. Vor einigen Jahren erlebte er mit, wie sein Vater Bernd starb. „Natürlich war das eine sehr, sehr schlimme Zeit, aber ich weiß, dass mein Vater auch immer irgendwie da ist, das ist schon tröstlich. Und selbst in Momenten der Trauer konnte es durchaus heiter zugehen, wenn wir an ihn dachten, das hätte mein Papa auch auf jeden Fall gewollt.“ Heute – im Nachgang – wisse er, wie viel ihm seine Eltern für das Leben mitgegeben hätten. „Das hilft dir auch bei der Erdung, du siehst den ganzen Fußball-Hype dann auch nicht mehr ganz so eng.“

Dann erinnert sich Bellinghausen an den Besuch eines sehr kranken 15-jährigen Fans. Seine Ehefrau, Silly Bellinghausen, hatte das Ganze eingestielt. „Ich klingelte an der Tür des Jungen, der machte auch auf, aber er war so geschockt, dass er die Tür einfach zuknallte.“ Bellinghausen muss ein wenig lachen, wenn er an diese Situation zurückdenkt. „Es waren bereichernde drei Stunden, die ich mit diesem tollen Jungen auf dem Sofa saß. Die Freude und das Strahlen in seinen Augen machte sein Schicksal kurzzeitig vergessen.“

Auf dem Fußballplatz war Bellinghausen bekannt dafür, ein hartes Spiel zu spielen. „Es war so mit mir wie bei Dr. Jekyll und Mr. Hyde, ich hatte damals in meiner aktiven Profizeit zwei Gesichter, eines auf dem Fußballfeld und eines privat, und meine private Seite ist eben auch eine gemäßigte, fürsorgliche.“ Prägend sei auch seine Zeit als Zivildienstleistender in einer Wohngruppe für geistig behinderte Menschen gewesen. „Für mich als junger Mensch war das eine der besten Erfahrungen überhaupt.“

Jetzt im Moment ist es also der Adventskalender des AKHD, der ihm besonders am Herzen liegt. „Es ist ein wirklich schönes Projekt, dass es wert ist, möglichst viel Beachtung zu finden“, sagt Bellinghausen – wohl wissend, dass es oft auch auf die kleinen Dinge und kleinen Gesten im Leben ankommt. Eine Vertriebsstelle für den Kalender ist im Büro des AKHD, es gibt ihn zum Beispiel aber auch noch in vielen Buchhandlungen der Stadt. Informationen hierzu unter www.akhd-duesseldorf.de/adventskalender. Brigitte Pavetic

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