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Düsseldorf: Anne Orthen will Licht in dunklen Stunden spenden

Düsseldorferin gibt Trost in der Trauer : Anne Orthen will Licht in dunklen Stunden spenden

Wenn ein geliebter Mensch geht, Trost gebraucht wird und die Erinnerung aufrechterhalten bleiben soll, greifen viele auf Fotos oder Karten zurück. Die Düsseldorferin Anne Orthen versucht, mit ihrem Start-up Lichterwerk ein weiteres Element zu schaffen.

Als es während ihres Studiums einen Trauerfall in der Verwandtschaft gab, hat Anne Orthen ihr erstes Trauerlicht aus Transparentpapier gebastelt. „Ich wollte nicht einfach eine Karte verschicken, sondern irgendetwas zum Aufstellen. Mir war es wichtig, etwas Bleibendes zu verschenken, das nicht sofort in einem Grabbeltisch verschwindet. Da ist mir die Idee zu dem Transparentlicht gekommen, denn so ein Licht kann man lange hinstellen“, erzählt die freie Fotojournalistin, die auch für die Rheinische Post arbeitet. Nur wenige Jahre später, 2008, verunglückte der Bruder eines Freundes und sie griff die Idee noch einmal auf und fertigte ein Licht für dessen Familie. Als der Bestatter der Familie dieses Trauerlicht sah, war er begeistert und fragte, ob er die Transparentlichter bestellen könne. Und so kam Orthen die Idee für ihr Start-up Lichterwerk.

Neben ihrem Vollzeitjob bei einem Fotostudio in Düsseldorf stürzte sie sich in die Planung und Verwirklichung ihrer Idee. „Ich habe mich um eine Druckerei gekümmert, Verpackungsfragen geklärt und überlegt, wo ich die Gläser, mit denen die Lichter beleuchtet werden, bestelle“, berichtet die Fotografin. Sie hat Traueranzeigen und Bücher gewälzt, um schöne Gedichte für die Transparente zu finden, verschiedene Modelle entwickelt und einen Verbrauchsmusterschutz beim Patentamt angemeldet. „Das war total unnötig, wenn jemand nur die Maße der Lichter ändert, greift der Patentschutz nicht mehr“, sagt sie rückblickend, „Aber man lernt bei einem solchen Entwicklungsprozess sehr viel.“ Auch an einer Bestatterfachmesse in Düsseldorf nahm Orthen teil. „Am Ende hat mich das Ganze einen Kleinwagen gekostet“, sagt sie. Bei dem ganzen Einsatz ist sie jedoch immer realistisch geblieben. „Mir war bewusst, dass das schiefgehen kann. Darum wollte ich damit nie meinen Lebensunterhalt verdienen.“

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Anfangs waren Bestatter ihre bevorzugte Kundengruppe, aber auch Buchhandlungen, Schreibwaren- oder auch Blumenläden kann die Fotografin sich gut als Geschäftspartner vorstellen. Privatleute können die leuchtenden Kondolenzgrüße auf www.lichter-werk.de bestellen, wahlweise mit Glas und Teelicht oder zum verschicken in einem Briefumschlag. Auf Wunsch sind die Transparentlichter auch personalisierbar, so dass Vereine auch ihr Logo auf die Karten drucken lassen könnten. „Ich stelle mir immer vor, wie so ein Licht neben dem Foto einer verstorbenen Person steht. Wenn man abends in Gedanken versunken zu Hause sitzt und das Trauerlicht leuchtet, hat es etwas Beruhigendes und Besinnendes“, findet Orthen.