Buch: Die Welt, wie Volker Pispers sie sieht

Buch: Die Welt, wie Volker Pispers sie sieht

Volker Pispers aus Düsseldorf-Oberkassel ist ein Mensch, der ziemlich viele Leute für dumm hält, moralisch verkommen oder beides.

Als da wären der Papst, die amerikanischen Präsidenten George W. Bush und Barack Obama, der Amerikaner an und für sich, Bundespräsidenten, Bundeskanzler und -kanzlerin, Minister, Ministerpräsidenten, CDU, FDP, SPD-Leute, die ihm zu weit rechts sind, Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzende, Aktionäre, Bänker, das IOC, Schweizer, Journalisten und Michael Schumacher — um nur einige zu nennen.

Gute und schlaue Menschen findet Volker Pispers besonders unter den Mitgliedern der Linken, bei Menschenrechtsorganisationen und im öffentlich-rechtlichen Rundfunksystem. Er schreibt: "Was meinen Sie, was hier los wäre, wenn mehr Menschen begreifen würden, was hier los ist." (Juni 2008)

Pispers zumindest hat es begriffen. Nahezu alles. Zwischen Herbst 2001 und Herbst 2013 hat er seine Sicht der Welt den Hörern des WDR jeden Dienstag mitgeteilt. Das ist eine ziemlich lange Zeit in ziemlich bewegten Jahren, weshalb Pispers nun ein Buch mit jenen Hörfunkglossen veröffentlicht hat.

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"RadioAktiv", heißt es, erscheint im con anima Verlag, hat 352 Seiten und kostet 15, 90 Euro. Tatsächlich ist dieses Buch ein Dokument der Zeitgeschichte. So geht es um den 11. September ("Am selben Tag sind, wie an jedem anderen Tag, 50 000 Menschen auf der Welt elendig verhungert"), die USA ("Ein wunderbares Land. Das Problem sind die Menschen, die da leben"), deutsche Politiker ("Auf jeden Abgeordneten kommen zehn Lobbyisten, und alle haben hoch dotierte Beraterverträge zu vergeben"), den Papst ("Ein Deutscher als Papst, das nenne ich konsequent, denn an Unfehlbaren hat es uns noch nie gemangelt"), die Finanzkrise ("20 Jahre nach dem endgültigen Sieg des Kapitalismus entpuppt sich der Sozialismus als Sieger der Herzen") — man wandert durch die Jahre und findet alles in dem Buch wieder, was die Leute, die in den 70er und 80er Jahren politisiert wurden, so denken sollen.

Wenn es denn nach dem Willen des linken Establishments dieser Zeit geht. Das Dilemma von Leuten wie Volker Pispers ist natürlich, dass die Menschen nicht so denken oder gar wählen und gar nicht daran denken, sich das Denken abzugewöhnen, nur weil Pispers meint, er könne das besser. Freiheit ist eine Sache, an der man verzweifeln kann. Oder man führt einen heroischen Kampf in den Stadthallen der Republik und genießt den Applaus bald pensionierter Lehrer.

Ach, man könnte jetzt so weiter machen, aber eigentlich weiß man ja, wo das alles hinführt. Wahrscheinlich ist Pispers ein netter Mensch — er macht ja auch viel Benefiz — ein wenig anstrengend vielleicht, aber das fällt einem ja nicht auf, wenn man ihn beim Bäcker trifft. Was man sagen muss: Pispers beherrscht sein Handwerk, Pointen setzen kann er.

(RP)