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Gehörlosen-Führung: Die Stadtgeschichte in Gebärdensprache

Gehörlosen-Führung : Die Stadtgeschichte in Gebärdensprache

Zwischen den lebensgroßen Gemälden des Vaters und der Mutter Jan Wellems steht Gebärdendolmetscherin Yvonne Riesop. Die Eltern des Fürsten, erklärt Sabine Dusend vom Stadtmuseum, hätten zwar 17 Kinder gehabt, von denen aber nur 14 das Erwachsenenalter erreichten.

Zwischen den lebensgroßen Gemälden des Vaters und der Mutter Jan Wellems steht Gebärdendolmetscherin Yvonne Riesop. Die Eltern des Fürsten, erklärt Sabine Dusend vom Stadtmuseum, hätten zwar 17 Kinder gehabt, von denen aber nur 14 das Erwachsenenalter erreichten.

 ... und "Mutter" Jan Wellems simultan zu den Ausführungen der Museumsmitarbeiter in Gebärdensprache vor.
... und "Mutter" Jan Wellems simultan zu den Ausführungen der Museumsmitarbeiter in Gebärdensprache vor. Foto: Anne Orthen (ort)

Beim Wort "Eltern" weist Riesop zwischen Gesten der Gebärdensprache schnell und vielsagend auf die beiden Bilder, denn während die Mitarbeiterin des Museums wortreich durch 100 Jahre Stadtgeschichte führt, muss die Dolmetscherin mithalten, damit gehörlose Besucher auch verstehen, was gerade gesagt wird.

"Das ist schon etwas anderes, als auf der Personalversammlung eines Großkonzerns zu übersetzen", sagt Riesop. Mithilfe der "Mund-Bild"-Sprache - Gebärden bedeuten die jeweiligen Worte, während die Lippen diese lautlos mitformen - macht sie es tauben und hörgeschädigten Menschen möglich, an regulären Führungen durch das Stadtmuseum teilzunehmen. Namen, ob kurz oder lang, buchstabiert sie, dabei braucht sie aber für Anna Maria Luisa de Medici gefühlt kaum länger als für den dreisilbigen Jan Wellem. "Für ganz berühmte Personen gibt es auch eigene Gesten", erklärt Riesop. "Angela Merkel" zum Beispiel ist in der Gebärdensprache eine kurze, schneidende Bewegung mit der flachen Hand in Ohrenhöhe - eine Anspielung auf die markante Frisur, die Merkel ehemals trug.

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"Überall, wo Gehörlose sind, sind auch Dolmetscher", sagt Riesop. Dennoch sei es für gehörlose Menschen nach wie vor eine große Hürde, an kulturellen Veranstaltungen wie Museumsführungen und Theateraufführungen teilzunehmen. "Das ist besonders in den Bereichen so, die keinen Kostenträger für Dolmetscher haben", sagt Riesop.

Helmut Gerstner ist seit seiner Geburt taub. Der 78-Jährige nimmt an vielen kulturellen Angeboten für Gehörlose teil, von denen er vor allem über die Bildungsreihe des Stadtverbands für Gehörlose erfährt. "Es gibt nicht so viele Angebote. Ich könnte aber alles besuchen, solange es nur einen Dolmetscher gibt", sagt Gerstner. Zu der Führung im Stadtmuseum lockte ihn schon vor zehn Jahren sein Interesse an der Stadtgeschichte. "Gehörlose haben keine Probleme mit der Öffentlichkeit, sie müssen nur wissen, wo es welche Veranstaltungen gibt", sagt Riesop. Gerstner ist der einzige Besucher an diesem Tag, das führt Sabine Dusend allerdings nicht auf mangelnde Werbung zurück: "Wie viele Besucher kommen, hängt natürlich auch vom Interesse des Einzelnen am Thema ab."

Das Stadtmuseum (Berger Allee 2) bietet mehrmals im Jahr Führungen für Gehörlose an, die nächste am 4. Oktober um 13 Uhr. Führungen zu anderen Terminen sind ebenfalls möglich (Info unter Tel. 8996172). Für Blinde hat das Museum einen Führungskatalog, auf dem sich die Raumaufteilung der Ausstellung und die Exponate erfühlen lassen. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Oliver Burwig

(RP)