Frank Breuers: Der Mann, der blinden Fans das Auge leiht

Frank Breuers : Der Mann, der blinden Fans das Auge leiht

Es war in den 70ern, Frank Breuers war zehn Jahre alt. Beim Familienurlaub in Bayern durfte er bei einem Freundschaftsspiel von Fortuna Düsseldorf (damals in der ersten Bundesliga) gegen Zwiesel zuschauen.

Es war in den 70ern, Frank Breuers war zehn Jahre alt. Beim Familienurlaub in Bayern durfte er bei einem Freundschaftsspiel von Fortuna Düsseldorf (damals in der ersten Bundesliga) gegen Zwiesel zuschauen.

Zurück in Düsseldorf übergab er wie verabredet Fotos an Josef "Sepp" Weikl, einen der Fortuna-Spieler, die er damals kennengelernt hatte. "Wir haben uns vor einem Spiel am Rheinstadion getroffen", erinnert sich Breuers, mittlerweile 47 Jahre alt. Als Weikl fragte, ob Frank und sein Freund schon Karten fürs Spiel hätten, gab er ihnen einfach zwei Tickets. "Und seitdem bin ich Fortuna-Fan", strahlt Breuers heute noch, wenn er sich an diese Anekdote erinnert. Seine Liebe zur Fortuna ("Ich war auch Fan in der vierten Liga") hat er vor vier Jahren in ehrenamtliches Engagement umgewandelt: Er kommentiert mit drei anderen Mitstreitern für alle blinden oder sehbehinderten Fans das Spiel live in der Arena. Initiator der Blindenmoderation ist der sehbehinderte Stefan Felix, mit dem Breuers auch zusammenarbeitet.

Anderthalb Stunden vor Anpfiff richtet sich Breuers seinen Moderationsplatz in Block 1 ein, die Sehbehinderten holen sich ihre Kopfhörer und Transponder, über die sie die Kommentare von Breuers verfolgen können. Ganz wichtig: "Wir müssen wirklich jedes Detail, das sich auf dem Platz abspielt, weitergeben", hat Breuers gelernt. Einfach nur zu sagen: "Müller hat den Ball, er schießt, Tor" reiche nicht mehr. Es komme vielmehr darauf an, die Entwicklung der Spielzüge nach zu erzählen und vorausschauend zu kommentieren.

Breuers Vorbild ist ein Fernsehprofi: Manfred "Manni" Breuckmann hat auch schon mal für die Sehbehinderten im Stadion moderiert. "Als ich ihn gehört habe, wusste ich, dass ich noch viel lernen muss", lacht Breuers. Breuckmann habe die Gabe, ein Spiel "zu lesen" und zu wissen, was in der nächsten Sekunde passiert. Breuers tritt am Rosenmontag in die Fußstapfen von Breuckmann: Der Radiomoderator hatte 2014 die Moderation des Zugs für die Sehbehinderten und Blinden auf der AOK-Tribüne am Graf-Adolf-Platz übernommen. Das macht in diesem Jahr Frank Breuers.

Er weiß, dass sich einer ganz besonders auf diesen Event freut: Jannis Witte ist blind, sitzt im Rollstuhl und ist mit seiner Mutter bereits Stammgast auf der Tribüne, die zum dritten Mal mit dem CC organisiert wird. "In den Jahren vorher mussten wir uns immer einen Platz am Zug erkämpfen, das war oft stressig", erzählt Jannis. Die AOK finanziert die Tribüne mit dem Erlös von Zahngoldspenden aus der Zahnklinik und kann so die 10 000 Euro für Tribüne, Toiletten, Security und Catering aufbringen. Anke Kronemeyer

(RP)
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