Besondere Messe : Der koptische Papst zu Besuch in Düsseldorf

Tawadros II., koptischer Patriarch von Alexandrien und Papst des Stuhls des heiligen Markus, kam nach Düsseldorf und weihte die Bunkerkirche für die St.Maria-Gemeinde in einer feierlichen Zeremonie ein. Damit ist sie nun an die koptisch-orthodoxe Gemeinde übergeben.

Einst ist das Gebäude am Pastor-Klinkhammer-Platz erbaut worden, um der Heerdter Bevölkerung Schutz vor den Luftangriffen des Zweiten Weltkriegs zu bieten. Dem engagierten Namensgeber des Platzes, Carl Klinkhammer, war es zu verdanken, dass der alte Luftschutzbunker zu einer katholischen Kirche umgebaut werden konnte. 2015 wurde das Gebäude wieder zur Zufluchtsstätte vieler Menschen, als die ehemalige Kirche St. Sakrament von Kardinal Rainer Maria Woelki der wachsenden koptisch-orthodoxen Gemeinde übergeben wurde. Nach dem gestrigen Sonntag ist die bewegte Geschichte der Bunkerkiche um ein weiteres Kapitel reicher.

Michael Dederichs, Jochen Lüdicke und Friedrich G. Conzen (v.l.) mit der St. Markusmedaille, verliehen durch den koptischen Papst Tawadros II. (2.v.r.). Foto: Anne Orthen (ort)

Tawadros II., koptischer Patriarch von Alexandrien und Papst des Stuhls des heiligen Markus, weihte die Kirche für die St. Maria-Gemeinde in einer feierlichen Zeremonie. „Ein wunderschönes Gefühl und eines der höchsten Ehren, die der Papst uns zuteil werden ließ“, sagt Gemeindemitglied Yustina Soliman. „Aber auch eine gewisse Erleichterung, dass es nun endlich geklappt hat“, ergänzt ihre Schwester Marina Merkel. „Es war das letzte Bisschen, was noch gefehlt hat, um unsere Gemeinde zu vervollständigen.“ Ursprünglich war die Einweihung der Bunkerkirche bereits im Herbst 2017 vorgesehen gewesen, doch der Papst musste damals seinen Besuch kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen absagen. Entsprechend bezeichneten Merkel und Soliman die Vorbereitungen auf diesen besonderen Tag bereits als „routiniert“.

Hunderte Mitglieder und Gäste der auf 4000 Angehörige angewachsenen Gemeinde waren zusammengekommen. In einem ersten Akt weihte der koptische Papst Altar und Taufbecken mit Chrisamöl, ehe er die neugeborenen Mitglieder der Gemeinde taufte. Stellvertretend als Dank für das Entgegenkommen der katholischen Kirche überreichte Tawadros dem Kölner Weihbischof Rolf Steinhäuser eine Ikone als Geschenk und klärte ihn über die Bedeutung der fünfstündigen Liturgie auf. „Die Länge des Gottesdienstes symbolisiert die Beziehung des Menschen zu Gott, die eine sehr lange und innige ist“, sagte der Papst in seiner per Dolmetscher ins Deutsche übersetzten Rede und erklärte den 11. Mai zum jährlichen Festtag der koptischen Gemeinde. Während seiner Predigt schloss er die orthodoxen Glaubensgenossen, die insbesondere im koptischen Ursprungsland Ägypten zunehmend Repressalien ausgesetzt werden, in seine Gebete ein. Christian Gerges betonte noch einmal den „großen Akt der Nächstenliebe und Brüderlichkeit“, den die Katholiken mit der Schenkung der Bunkerkirche vollzogen hatten.

„Besonders Pfarrer Michael Dederichs hat nicht gezögert, uns zur Hilfe zu eilen, als die Zustände am Pöhlenweg immer beengter wurden“, sagt der Diakon und Sprecher der Düsseldorfer Kopten. Dabei haben die Orthodoxen bewusst einen Teil der katholischen Vergangenheit der Kirche belassen. Manch ein Überbleibsel wie das große, handgefertigte Kreuz hinter dem Altar ist zum Beispiel in der Kirche verblieben. Unter dem neuen Altar selbst verbirgt sich nämlich nach wie vor der alte katholische. „Größere Zeichen zur Ökumene kann es kaum geben“, sagt Gerges. Einmal im Jahr soll zudem ein ökumenischer Gottesdienst diese Verbundenheit feiern. Den Umzug von Gerresheim nach Heerdt komplettieren wird das noch zu bauende neue Gemeindezentrum, dessen Bauantrag (es soll in der Nähe der Kirche stehen) bereits gestellt wurde. Christopher Trinks

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