Haus Des Karnevals: Der Herr über die Orden

Haus Des Karnevals: Der Herr über die Orden

Wenn sich die Session auf ihren Höhepunkt zubewegt, dann kapiert selbst der deppertste Jeck, was es mit dem Begriff Ordensschlacht auf sich hat: Keine Sitzung ohne Orden, keine Feier ohne blinkende Plakette - meistens am Bande, ab und an auch als Anstecker oder Brosche, glänzende Augen gibt's bei der Vergabe, manchmal sogar ein Tränchen. Orden haben Gewicht, emotional, manchmal auch in Gramm-Zahlen gemessen.

Eine lieb gewonnene Tradition ist das auch in der Karnevalshochburg Düsseldorf, das Interesse in der heißen Phase scheint gewaltig. Das weiß auch Peter Weber (69), der im Haus des Karnevals der Hüter der Orden ist. Seit 25 Jahren lebt der ehemalige Kommunikationsexperte seine persönliche Leidenschaft aus - da fing er an, das Archiv zu pflegen, seit zwölf Jahren ist er fast rund um die Uhr zu Gange für das Narren-Museum. Jeck ist er von Hause aus. "Mit fünf Jahren sah ich zum ersten Mal den Veedelszoch in Eller, von da an bin ich immer mit dem Roller dorthin gefahren. Ich wollte dabei sein". 40 Jahre war er bei den Spießratzen, seit 2000 feiert er bei der Ehrengarde mit. Eine angenehme Besonnenheit strahlt der freundliche Peter Weber aus und beweist sich als wandelndes Lexikon.

Diesen Orden verliehen die Lange Jungens 1895. Foto: Endermann Andreas

8000 Orden sortierte er bereits fürs Haus des Karnevals - nach gut 70 Vereinen, die dem Comitee Düsseldorfer Karneval (CC) angeschlossen sind. "Viele sind im Karton, wenn ein Verein eine Ausstellung plant, dann haben wir die griffbereit." An 1000 Orden muss er noch ran. "Dann ist aber die Kapazität erschöpft. Jetzt nehmen wir nur noch historische Orden." Große Lust auf das Thema hat er immer noch: Wenn er zur Decke schaut im Museum, dann erblickt er auf einmal 1800 Orden. "Der Anblick lässt mein Herz noch immer höher schlagen." Manche Orden hütet er wie einen Schatz: Da ist zum Beispiel der Orden des Vereins Caffee Pöttche, heute Die Große, von 1894. "Ein seltenes Relikt", wie Weber weiß. Oder von 1895 das Schmuckstück der Lange Jungens. "Heute wissen wir kaum noch was über den Verein, nur, dass es wohl überall Soldaten-Kompanien gab mit sehr großen Männern über 1,80 Meter - auch in Düsseldorf. Das ist ihr Vermächtnis sozusagen." Besonders schön sei der Prinzenorden von 1955. Und überhaupt: "Seit dem Ende des Krieges haben wir alle lückenlos in der Vitrine." Der Karneval ist international, sogenannte Partnerschaftsorden sind auf Samt gebettet wie etwa Exemplare aus Kanada, Italien, den USA - und Südafrika. "In Namibia gibt es eine sehr lebhafte Karnevalsgesellschaft, weiß Weber.Bald steht wieder die Ordensprämierung an.

Ein Exemplar aus Chicago von der KG Rheinischer Verein Foto: Endermann Andreas

Ihr großer Höhepunkt ist weit nach Karneval, nämlich Ende März. Josef Hinkel, Ex-Prinz und Vorsitzender des Fördervereins Düsseldorfer Carneval, ruft kreative Karnevalisten aller Couleur auf, Originelles beizusteuern zur Karnevals-Ordensprämierung. Die Orden werden dann einer prominenten Jury vorgelegt. Auch da kennt sich Weber aus. "Viele Leute arbeiten mit dem Sessionsmotto, oder sie konzentrieren sich auf die Wahrzeichen der Stadt. Historische Bezüge machen sich gut." Bis Ostern sollten die Sessions-Orden im

Prinz Otto I. verlieh 1955 diese närrische Auszeichnung. Foto: Endermann Andreas
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Haus des Karnevals eingetroffen sein. Brigitte Pavetic (Text)

Die Londoner Funken Red White aus Kanada entwarfen diesen Orden. Foto: Endermann Andreas

Andreas Endermann (Fotos)

Peter Weber ist Archivar und Museumsbeauftragter des CC. Foto: Endermann Andreas
(RP)