"Cirque du Soleil" in Düsseldorf: Die Schlangenfrau ist wieder dabei

Cirque Du Soleil in Düsseldorf : Die Schlangenfrau

Der Zirkus Cirque du Soleil gastiert wieder in Düsseldorf. Mit dabei ist eine faszinierende Artistin, die sich bewegen kann wie eine Schlange. Sie freut es, wenn die Zuschauer ihren Mund nicht mehr zu bekommen, weil sie denken, das sei doch alles gar nicht möglich. „Dann habe ich meinen Job erfüllt.“

Sie war sechs Jahre alt, als sie mit dem Training begann. Das lag irgendwie nahe, „obwohl meine Eltern und Geschwister eigentlich nichts mit Zirkus am Hut hatten. Aber alle sind ausgesprochen sportbegeistert“, erzählt die Mongolin Oyun-Erdene Senge.

Oyun-Erdene Senge schminkt sich auch selber für die Show, dafür braucht sie 45 Minuten. Foto: Justin Goff/GoffPhotos.com/Justin Goff/Goff Photos

Dabei erwies sich das junge Mädchen als ausgesprochen biegsam, sie konnte sich verdrehen, verrenken und winden, als ob ihre Knochen aus Gummi sind. Da meldeten die Eltern sie bei einem Kontorsionskurs an. „Das ist bei uns das Normalste der Welt, so wie Ballettstunden in Europa“, sagt Oyun-Erdene. Kontorsionisten nennt man hierzulande auch gerne Schlangenmenschen, weil ihre Form der Akrobatik für einen ungeübten Menschen unmöglich erscheint.

Mit der Show „Totem“ ist sie bald in Düsseldorf zu erleben – im Cirque du Soleil. Foto: Justin Goff/GoffPhotos.com/Justin Goff/Goff Photos

Nicht für Oyun-Erdene Senge, die mit zehn Jahren bei einem Casting des Cirque du Soleil zu überzeugen wusste und für die Show „Alegria“ engagiert wurde. „Der Vertrag wurde natürlich mit meinen Eltern abgeschlossen“, betont sie. Fortan tourte die Mongolin mit neun anderen Kindern um die Welt, ein Lehrer war immer dabei, der die jungen Artisten unterrichtete.

„Ich habe quasi meine gesamte Kindheit beim Cirque du Soleil verbracht, es war eine tolle Zeit. Ich möchte trotz des harten Trainings und der vielen Zeit in Hotels keine Minute missen und denke auch jetzt noch so. Ich sehe die ganze Welt, wer kann das schon von sich behaupten?“ Zehn Jahre blieb sie bei „Alegria“, machte währenddessen einen kanadischen Schulabschluss.

Jetzt, mit 26 Jahren, ist Oyun-Erdene fast schon so etwas wie ein alter Hase im Geschäft. Mit der Show „Totem“ (hier wirkt sie seit vier Jahren mit) kommen sie und 47 weitere Artisten nach Düsseldorf, im Glasmacherviertel in Gerresheim wird das Grand Chapiteau, das große weiße Zelt des Zirkus’ aus Kanada, aufgeschlagen. Die Crew kommt von einem Gastspiel in Den Haag. Am 19. Dezember ist die Premiere, mindestens bis Anfang Februar wird der Cirque du Soleil in der Stadt bleiben.

Oyun-Erdene Senge wird in der Vorstellung auf einem Podest in ihrem Gummianzug mit neonfarbenen Applikationen ihre Solo-Performance zeigen, während des Handstandes die Beine zwischen die Ohren klemmen oder hinter dem Kopf verschränken und dabei die Taille nach vorne falten.

Der Spagat gelingt in mehr als 180 Grad, und ihr Gesäß kann sie ebenfalls spielend bis zum Kopf nach vorne strecken. Das wird die Zuschauer faszinieren, und das gilt natürlich auch für die Vorführungen der anderen Artisten. So wie es eigentlich immer der Fall ist, wenn der Cirque du Soleil – dieses Mega-Unternehmen der Unterhaltungsindustrie mit 5000 Angestellten und 20 parallel stattfindenden Shows in der gesamten Welt (sieben allein in Las Vegas) – in der Stadt ist.

„Das geht natürlich nur mit hartem, fast täglichem Training, anderthalb Stunden mindestens, sechs Tage die Woche, plus den Shows natürlich“, sagt sie, die sich wie alle Künstler beim Cirque du Soleil vor jeder Vorstellung selbst schminkt, rund 45 Minuten benötigt sie dafür. Das erledigt sie meist schon am Vormittag, denn Schwitzen, das muss sie nicht. Schmerzen kennt sie auch nicht, „was ich mache, tut nicht weh, auch wenn das vielleicht für andere so aussieht. Aber das ist alles nur eine Frage des richtigen Trainings“, erklärt die Artistin.

Bis sie 35 ist, will Oyun-Erdene auf jeden Fall noch weitermachen, „dann ist wahrscheinlich Schluss, irgendwann macht der Körper solche Extrembelastungen auf diesem Niveau nicht mehr mit. Ich muss selbst erkennen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist“. Und dann? „Wahrscheinlich studiere ich, Organisation und Management von Events, so was in der Art, da bin ich ganz gut drin“, blickt die Mongolin in die Zukunft.

Jetzt genießt sie noch die restlichen Tage der zwei freien Wochen, die den Artisten zwischen zwei Gastspielen gewährt werden. Und dann geht es wieder los mit dem Verbiegen, Verrenken und Winden. Sie freut es, wenn die Zuschauer ihren Mund nicht mehr zu bekommen, weil sie denken, das sei doch alles gar nicht möglich. „Dann habe ich meinen Job erfüllt.“