Reportage: Champagner-Hopping auf der Königsallee

Reportage : Champagner-Hopping auf der Königsallee

Welches Getränk passt besser auf die Königsallee als Champagner? Und wer weiß mehr darüber als ein Franzose? Genau darum lag es Pierre Korzilius, dem Leiter des Institut Français, auch ganz besonders am Herzen, einer Düsseldorferin etwas über das prestigeträchtige Nationalgetränk seiner Landsleute zu erzählen.

Welches Getränk passt besser auf die Königsallee als Champagner? Und wer weiß mehr darüber als ein Franzose? Genau darum lag es Pierre Korzilius, dem Leiter des Institut Français, auch ganz besonders am Herzen, einer Düsseldorferin etwas über das prestigeträchtige Nationalgetränk seiner Landsleute zu erzählen.

Er nahm Daniela Antonin, stellvertretende Leiterin des Hetjens-Museums, mit auf eine Champagnertour über die Kö. Die Stationen: das Steigenberger Parkhotel, der Breidenbacher Hof und das Interconti mit der Bar "FiftyNine". Das Ergebnis: Überall wird reichlich Champagner angeboten, in einigen Häusern aber zu wenig offen. Nirgendwo war der Champagner zu kalt. Überall gab es salziges Gebäck oder Obst als Snack dazu — und das passt nach Meinung des Experten überhaupt nicht zum Getränk. In allen drei Häusern war aber der Service ausgesprochen gut.

Steigenberger Eck Dort stehen 58 Champagner auf der Karte, acht davon offen. Die Test-Trinker nehmen drei Sorten zum Verkosten: Bollinger (14,50 Euro), Veuve Cliquot (14,50) und Laurent Perrier (12). Sie merken schnell einen Unterschied — in der Perlage, in der Farbe, im Aroma. Und der Geschmack? Korzilius runzelt die Stirn: "Vom Trinken sind wir noch weit entfernt." Erst einmal holt er sein privates Thermometer heraus und prüft die Temperatur des edlen Getränks. Julia Parimski, die Servicekraft, guckt irritiert, wird aber schnell informiert. "Alles nur ein Test." Der gut ausgeht: "Neun Grad sind genau richtig." Antonin findet vor allem den Perlkranz in ihrem Glas so nett. Beide schwenken ihre Gläser. Ist das denn erlaubt? "Natürlich, so geht die Kohlensäure ein wenig raus." Jetzt endlich wird getrunken. Korzilius zurückhaltend: "Das ist schon sehr schön." Aber eben noch nicht perfekt. Damit ist er an einem Punkt, der in allen drei Hotels Störfaktor sein wird: die Gläser. Zu schlank, zu hoch und vor allem: immer zu voll. "So klingt es nicht beim Anstoßen." Der gebürtige Pariser packt plötzlich zwei Bleikristall-Gläser aus, füllt den Champagner aus den Hotel-Gläsern in seine privaten aus den 50er Jahren — und ist glücklich. Die Perlage verändert sich, das Aroma sowieso — und wie er meint, auch der Geschmack. Und vor allem der Klang beim Anstoßen. Die Gläser sind leer, das Duo zieht weiter.

Breidenbacher Hof 36 Champagnersorten stehen in der Capella-Bar auf der Karte, überraschend viele Jahrgangs-Champagner. Die haben ihren Preis — zwischen 195 und 940 Euro. Der stellvertretende Barchef Philipp Rehfeld begrüßt die Test-Trinker höflich, nimmt ihnen die Mäntel ab und weist einen Platz zu. Seine erste Frage "Möchten Sie ein vorgekühltes Glas?" beeindruckt den Leiter des Institut Français, gleichwohl: Er lehnt ab. Die beiden bestellen einen offenen Taittinger und einen Cattier Brut, das Glas jeweils für 19 Euro. Das selbe Spiel: Es wird gerochen, geschwenkt, die Temperatur gemessen, in die Bleikristallgläser umgefüllt und am Ende genussvoll getrunken. "Sehr gut", kommentieren beide. Philipp Rehfeld stellt Nüsse und ein Schälchen Erdbeeren dazu. Korzilius schüttelt mit dem Kopf: "Nein danke, Nüsse passen nicht, höchstens Cracker. Und Obst ist immer zu säurehaltig."

Interconti Die gleiche Antwort bekommt auch Jennifer Heinrichs in der Bar "FiftyNine". Sie reagiert und bringt sofort Cracker und getrocknete Früchte. Der Franzose strahlt: "Perfekt." Und genau so schmeckt auch der Champagner, den er hier aussucht: einen Ruinart, die Flasche zu stolzen 135 Euro. Den Test-Trinkern gefällt vor allem der Umgang des Personals mit dem Getränk: Zuerst kommen für ein paar Minuten Eiswürfel in die Gläser, dann wird der Korken zur "Geruchsprobe" vorgelegt, anschließend dem Herrn zuerst zum Verkosten, erst danach auch der Dame eingeschenkt. "Sehr stilvoll", so die beiden. Aber: Das Getränk ist drei Grad zu warm, und auch hier passen die Gläser nicht. Wie gut, dass Korzilius seine beiden Bleikristallgläser immer noch dabei hat.

Das Fazit der Tour fällt trotzdem positiv aus: Der Champagner passt zu Düsseldorf und gehört auf die Königsallee.

(RP)