Bille Vanille aus Düsseldorf: Neues Leben für Omas altes Porzellan

Sybille Werthner alias „Bille Vanille“ : Neues Leben für Omas altes Porzellan

Lampen aus Kaffeetassen und Etagere aus Tellern – Sybille Werthner haucht alten Porzellanstücken mit ihren kreativen Ideen neues Leben ein.

Niemals könnte es Sybille Werthner übers Herz bringen, altes Porzellan wegzuwerfen. Stattdessen fertigt sie unter dem Künstlernamen Bille Vanille aus Tassen und Tellern neue Objekte wie Lampen oder Etageren.

Seit vielen Jahren schlendert die 38-Jährige gerne über Flohmärkte, denn für Gegenstände aus Omas Zeiten schlägt ihr Herz. In ihrer Altbau-Wohnung stehen Möbel aus verschiedenen Jahrzehnten. Einige davon hat sie selbst aufgearbeitet. „Auf den Trödelmärkten entdeckte ich auch meine Leidenschaft für Sammeltassen.“ Erst fing sie an, die edlen Sets aus Porzellan privat zu sammeln. Dann kam Werthner die Idee, sie zu bearbeiten. „Das alte Geschirr steht bei den Menschen oft im Keller, auf dem Dachboden oder unbeachtet im Schrank. Ich möchte, dass es wieder zur Geltung kommt und ein zweites Leben bekommt.“

Seit eineinhalb Jahren wohnt die Nürnbergerin in Düsseldorf und fühlt sich hier sehr wohl. „Ich bin froh, hierher gezogen zu sein. Die Düsseldorfer sind so offen.“ In ihrer Wohnung in Pempelfort hat sie sich im untersten Geschoss ein Atelier eingerichtet. „Hier störe ich die Nachbarn nicht. Der Tischbohrer ist schon sehr laut und macht ein unangenehmes Geräusch.“ Auf ihrem Arbeitstisch entstehen zwei- oder dreistöckige Etageren, meist aus Sammeltassen, denn die sind oft aus besonders feinem Porzellan. „Die Etageren sind nicht nur für Pralinen oder Gebäck schön. Man kann dort auch seinen Schmuck aufbewahren oder hübschen Krimskrams.“ Aus einzelnen Tassen fertigt sie dimmbare Tischlampen. „Die sind gerade jetzt in der dunkleren Jahreszeit besonders schön, da sie ein warmes Licht abgeben“, findet Werthner. Einige Tassen werden auch erst durch das Licht richtig lebendig, denn die Helligkeit macht ihre versteckten Strukturen sichtbar. Auch Hängelampen stellt Bille Vanille her. Diese sind, da sie etwas größer sein sollen, aus Saucieren und ihren Untertassen. Die Hängelampen tragen alle Namen von Sternen. „Das liegt doch nahe, oder“, fragt die 38-Jährige lächelnd.

Ihr Material findet Werthner meist auf Trödelmärkten. „Letztens war ich auf dem Radschläger-Markt. Das war fantastisch. Ich habe richtig viel mit nach Hause genommen.“ Das sei aber nicht immer so. Es gebe auch Tage, da gehe sie ohne Beute nach Hause. „Die Marke des Porzellans spielt bei mir überhaupt keine Rolle. Viel wichtiger sind mir interessante Muster oder die Farbe. Und der Zustand des Geschirrs muss gut sein. Meine Kunden sagen immer, dass es aussieht wie neu.“ Vintage ist natürlich ein Muss. Viele Stücke kommen aus den 1940er bis 1970er Jahren. „Ich hatte aber auch schon Porzellan, das Ende des 19. Jahrhunderts entstand.“

Werthner übernimmt auch Aufträge. Sie verwandelt die Sammeltassen oder das Kaffeeservice ihrer Kunden in Etageren, die durch ihre Herkunft manchmal eine ganz eigene und berührende Geschichte haben. „Eine Kundin hat mir erzählt, wie sie nach dem 2. Weltkrieg Teile ihres Geschirrs aus den Trümmern ihres Hauses geborgen hat. Aus den Einzelteilen wollte sie jetzt fünf Etageren machen lassen, für jede ihrer Töchter eine.“

Viel verkauft Bille Vanille über ihren Online-Shop (billevanille.de). Lieber stellt sie ihre Produkte aber auf Märkten wie beispielsweise im Boui Boui oder dem „Designerkram“ in Neuss aus. „Dort bekommt man ein direktes Feedback. Wenn jemand vorbeikommt und ruft, ‚Schau mal, das Geschirr hatte meine Mutter im Schrank‘, freue ich mich, weil ich schöne Erinnerungen wecke.“

Für die gelernte Damenschneiderin ist es das Schönste, ihr eigener Chef zu sein. „Es macht einen großen Unterschied, ob man etwas machen will oder muss.“ Und nach einem anstrengenden Arbeitstag geht sie liebend gerne an den Rhein und lässt die Seele baumeln. Nicole Esch