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Straßenkunst: 3D-Künstler täuscht die Sinne

Straßenkunst : 3D-Künstler täuscht die Sinne

Die Arbeit von Manfred Stader wird reglerecht mit Füßen getreten. Dort wo der 57-jährige Straßenkünstler arbeitet, tun sich plötzlich Abgründe im Boden auf, schwimmen Haie im Becken oder scheint ein Wasserfall den Betrachter mit sich in die Tiefe zu reißen. Und diese Werke darf und soll man sogar betreten - wenn auch nur auf Socken.

Die Arbeit von Manfred Stader wird reglerecht mit Füßen getreten. Dort wo der 57-jährige Straßenkünstler arbeitet, tun sich plötzlich Abgründe im Boden auf, schwimmen Haie im Becken oder scheint ein Wasserfall den Betrachter mit sich in die Tiefe zu reißen. Und diese Werke darf und soll man sogar betreten - wenn auch nur auf Socken.

Manfred Stader ist Illusionskünstler. Seine Werke aus Acryl erschafft er auf PVC-Untergrund. Die richtige Perspektive ist allerdings das Entscheidende: Denn so wird dem Betrachter ein dreidimensionales Bild vorgegaukelt. "Das ist alles nur Logik und Mathematik", erklärt der Schöpfer.

Seit Mitte der 1980er Jahre lebt Stader von der Straßenmalerei. Früher sei das in den Innenstädten populär gewesen. Heute nehme die Straßenkunst immer mehr ab. Maler wie er werden heutzutage hauptsächlich nur noch von Unternehmen oder Agenturen gebucht, erklärt der in Koblenz lebende Künstler.

In der Landeshauptstadt wird er von den Düsseldorf Bilk Arcaden engagiert. Dort können Besucher des Einkaufszentrums am vergangenen Wochenende beobachten, wie er einen Hai malt, der mit offenem Maul aus dem Wasser schnellt. Nachdem das Bild auf dem Untergrund vorgezeichnet ist, beginnt Stader die einzelnen Elemente mit Acrylfarbe auszumalen. Da bei Bildern in einer Größe von 3 mal 4 Metern die Farbe teilweise trocknen muss bis er weiter arbeiten kann, ist das Hai-Bild erst nach anderthalb Tagen fertig. Für sein bislang größtes Werk, ein 10 mal 20 Meter großer Wasserfall, benötigte Stader sogar fünf Tage.

Sobald er mit dem Malen fertig ist, wird die übriggebliebene Freifläche des PVC-Untergrunds weggeschnitten. Damit wirkt das Haifischbecken mit dem Boden verankert. Was dann nur noch fehlt, ist der richtige Standpunkt, von dem aus das Werk dem Betrachter die Sinne täuscht. In den Düsseldorf Bilk Arcaden ist der mit einem roten Punkt auf dem Boden markiert. So kann die Mutter der zehnjährigen Amelia fotografieren, wie ihre Tochter auf einem Baumstamm über den Abgrund balanciert. "Das Foto hinterher ist das eigentliche Produkt", erklärt Stader.

Insgesamt fünf solcher 3D-Malerei sind bis zum 16. Mai auf drei Ebenen in dem Einkaufszentrum zu erleben. Die meisten Motive des Straßenkünstlers wirken aktiv und rasant: So kann man sich beispielsweise in einem aufgewühlten Meer auf Wasserskiern fotografieren lassen oder in einem Schlauchboot, das auf einen Wasserfall zurast. Das ruhigste Motiv ist ein Liegestuhl im Strand. Sobald sich ein Besucher allerdings auf den Boden setzt, wirkt es, als säße er auf dem Liegestuhl.

Viele seiner Werke reisen seit kurzem von Einkaufszentrum zu Einkaufszentrum - und Stader reist mit.

(isf)