Düsseldorf: Stadt will Stellen für die Betreuung von Flüchtlingen reduzieren

Düsseldorf : Stadt will Stellen für die Betreuung von Flüchtlingen reduzieren

Als in den Jahren 2015 und 2016 immer mehr Flüchtlinge in Deutschland Asyl beantragten, kamen die Wohlfahrtsverbände, die im Auftrag der Kommunen die Betreuung übernahmen, mit der Rekrutierung von Personal kaum hinterher.

Sozialarbeiter fehlten plötzlich auf dem Arbeitsmarkt. Doch das könnte sich in Düsseldorf bald wieder ändern: Die Stadt arbeitet an einer Umorganisation der "Sozialen Betreuung der Flüchtlingsunterkünfte". Bei den Trägern könnten dadurch über 16 Stellen wegfallen. Besonders betroffen wären davon die Diakonie, die 9,5 Stellen verlieren könnte, sowie das DRK mit einer Reduzierung von sechs Stellen. Bei der Diakonie verweist man darauf, dass man mit der Stadt in Gesprächen sei. "Die Wohlfahrtsverbände haben in einem Gespräch mit der Stadt am 20. September von den Plänen erfahren", sagt DRK-Vorstand Thomas Jeschkowski. Für ihn steht fest, dass, wenn es tatsächlich so kommt, das DRK seine überzähligen Mitarbeiter entlassen muss.

In Anbetracht der sinkenden Flüchtlingszahlen will die Verwaltung Kapazitäten abbauen - sowohl bei der Zahl der Unterkünfte als auch bei den finanzierten Stellen. Ende August waren in Düsseldorf 6471 Menschen in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, im Vergleich zum Jahresbeginn ein Minus von rund 1300. Künftig sollen Flüchtlinge in zwei Kategorien eingeteilt werden: Zum einen die, die sich im Asylverfahren befinden, in einer Sammelunterkunft leben und dort von Diakonie, Arbeiterwohlfahrt, Caritas oder DRK betreut werden. Zum anderen die, die bleiben dürfen. Sie haben Anspruch auf Hartz IV und können sich mit finanzieller Unterstützung des Staates eine Wohnung suchen. Weil das in Düsseldorf schwierig ist, spricht die Verwaltung hier von Flüchtlingen im Obdachlosenstatus. Dieser Personenkreis umfasst rund 3000 Menschen.

Die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch - die beste Aussichten hat, zum Jahresanfang die Leitung des neuen Amtes für Migration und Integration zu übernehmen - ist überzeugt davon, dass anerkannte Flüchtlinge nicht mehr den hohen sozialen Betreuungsschlüssel benötigen wie die Menschen, die gerade erst hergekommen sind: "Bei diesen ist es aus meiner Sicht wichtiger, dass sie etwa Unterstützung bei der Jobsuche bekommen."

Die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch. Foto: Andreas Bretz

Bei vier Flüchtlingsunterkünften wird derzeit geprüft, ob sie künftig als Obdachloseneinrichtung genutzt werden können. Deren Betreuung will die Stadt übernehmen. Bei weiteren zehn Einrichtungen hält sich die Stadt diese Option offen. Jeschkowski setzt darauf, dass die Politik vor einer Entscheidung mit den Wohlfahrtsverbänden ins Gespräch kommt: "Die Ampel hat mir ihre Bereitschaft signalisiert.

(rö)
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