Düsseldorf-Heerdt: Stadt will, dass Rentner sein Haus abreißt

Düsseldorf-Heerdt : Stadt will, dass Rentner sein Haus abreißt

Nach dem Krieg hat Fritz Sommer im Düsseldorfer Stadtteil Heerdt sein Haus gebaut. Das Grundstück ist inzwischen im Besitz der Stadt, die dort eine öffentliche Grünfläche schaffen will. Dafür soll das Haus von Fritz Sommer weichen.

Dutzende Fotos hängen noch an den Wänden der Veranda, Bilder von Mohn- und Sonnenblumen. "Das war ein richtiges Paradies hier", sagt Fritz Sommer, der die Fotos geschossen hat von seinem Garten. Ein paar Zeitungsartikel hat der 88-Jährige auch gerahmt, einmal hat er eine Auszeichnung für eine vier Meter hohe Sonnenblume bekommen. Wohnen darf Fritz Sommer in seinem Haus an der Büttgenbachstraße, das er 1948 gebaut hat, allerdings nicht mehr.

Weil er seine Lebensgefährtin pflegt, die seit einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzt und rund um die Uhr versorgt werden muss, verbringt Sommer die meiste Zeit bei ihr in der Wohnung. "2013 bekam ich von der Stadt einen Brief, dass ich mich ummelden muss", erzählt der Rentner. Dreimal wurde er dazu aufgefordert, "beim vierten Mal hat man mir sogar eine Strafe angedroht". "Wenn vermutet wird, dass ein Eintrag im Melderegister die tatsächlichen Wohnverhältnisse nicht mehr widerspiegelt, ist das Amt für Einwohnerwesen gesetzlich verpflichtet, dem nachzugehen", sagt Valentina Meissner von der Stadt.

Jeder Stein ist von Sommer handgemacht

Jetzt soll Fritz Sommer sein Haus in Heerdt abreißen lassen. Das will die Stadt so - der Bebauungsplan sieht eine öffentliche Grünfläche vor. "Bislang hat die Stadt davon abgesehen, den Abbau ordnungsbehördlich zu verlangen, sondern sich als gleichzeitige Grundstückseigentümerin darauf beschränkt, privatrechtlich vorzugehen und die bestehenden Pachtverträge sozialverträglich ,auslaufen' zu lassen", sagt Meissner. Im Juli 2015 wurde Sommer die Nutzungsvereinbarung gekündigt, "sollten Sie der Rückbau- und Räumungsverpflichtung nicht nachkommen, wird die Stadt Düsseldorf die Arbeiten durchführen lassen und Ihnen in Rechnung stellen", heißt es in dem Schreiben. "Aber warum muss nur mein Haus weg?", fragt sich der Rentner.

Nach dem Krieg ist Fritz Sommer nach Heerdt gezogen. Dort gab es Land, das von den Erben Brauer verpachtet wurde. Jeder Stein ist von Sommer handgemacht, aus Asche, Sand und Zement. Fünf Kinder hat er in dem Haus großgezogen, zehn Jahre lang seine Frau gepflegt.

Ende der 50er verkaufte die Erbengemeinschaft die Parzellen, Sommer hatte großes Interesse. "Der Notar stellte aber fest, dass die Stadt eine Option auf Friedhofserweiterungsland auf das ganze Gelände hat", sagt er. "Ich habe viel für die Stadt getan, mich für die Umwelt eingesetzt, Schulklassen in meinen Garten eingeladen. Und das ist der Dank dafür?"

Mit großer Sorge blickt er in die Zukunft. Wenn seine Lebensgefährtin mal nicht mehr ist, weiß Fritz Sommer nicht, wo er hin soll. "Ich habe keinen Anspruch auf ihre Wohnung. Zum Umzug bin ich ja gezwungen worden." Ein Freund kommt einmal in der Woche zum Haus, schaut nach dem rechten, gießt die wenigen Blumenkübel, die noch auf der Veranda stehen. "Wenn ich Zeit habe, schaue ich auch mal vorbei", sagt Sommer. Gerne hätte er noch ein bisschen am Haus gearbeitet, renoviert.

Einen Anwalt hat Fritz Sommer eingeschaltet, rechtlich hat er aber wenig Chancen. Seine Kinder sagen ihm, er solle das Haus abreißen lassen, "aber mein Herz hängt daran".

(RP)
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