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Serie Leben In Der Paulsmühle (teil 3): Stadt will Boxer Max Schmeling ehren

Serie Leben In Der Paulsmühle (teil 3) : Stadt will Boxer Max Schmeling ehren

Zum 100. Geburtstag wollte das Benrather Heimatarchiv um ihren Leiter Wolfgang D. Sauer Boxlegende Max Schmeling ein Glückwunschschreiben schicken. Im Hinterkopf hatte der Historiker, dass er sicherlich einen Dankesbrief erhält, der sich prima im Heimatarchiv gemacht hätte.

Warum aber das Heimatarchiv so gerne einen Brief des deutschen Ausnahme-Boxers erhalten hätte, liegt daran, dass Schmelings Talent in Benrath - besser gesagt in der Paulsmühle - entdeckt wurde.

Und was liegt da näher, als Deutschlands größtem Boxer dort, wo gerade an allen Ecken und Ende gebaut wird, ein Denkmal mit einem Straßennamen zu setzen? Auch die Stadtverwaltung hat dieses bereits ins Auge gefasst. Und weil es in Düsseldorf aktuell zu wenig Straßen gibt, die nach Frauen benannt wurden, kann sich das Rathaus vorstellen, im gleichen Schwange Schmelings Ehefrau, die Schauspielerin Anny Ondra, zu ehren. Zwei neue Straßen werden im neuen Wohnquartier Mühlenviertel auf der heutigen BEA-Brache entstehen. Zudem ein Platz vor dem Albrecht-Dürer-Berufskolleg, der endlich wieder eine vernünftige Verbindung zwischen der Paulsmühle und Benrath schaffen wird.

Deshalb würde sich vor allem dieser gut als Max-Schmeling-Platz machen. Vielleicht würden sich ja Schüler des Berufskollegs bereiterklären, eine Skulptur oder so zu gestalten. Unter anderem gibt es am Dürer-Kolleg eine Steinmetzklasse. Die Berufsschule wird als Erstes der drei Großprojekte fertig. Nach den Sommerferien 2018 geht es sie den Betrieb. Die Namensgebung würde die dafür zuständige Bezirksvertretung 9 beschließen.

Aber zurück zu Schmeling: Sein Entdecker war Klaus Klein. Der hatte wohl nichts zu tun mit Heinrich Klein, der Miteigentümer der Stahl-Firma Capito&Klein war, die an der Telleringstraße 1876 ein Kaltwalzwerk bauten. Auf deren Gelände wurde 1920 ein Brunnen gebaut. Beschäftigt bei diesem Unternehmen war ein junger, kräftiger Arbeiter, der anzupacken verstand, erzählte Karl Klein im Mai 1960 in einem Interview mit dem Benrather Tageblatt. Klein kam mit dem 17-Jährigen ins Gespräch. Der hieß Max Schmeling und war wegen seiner Leidenschaft zum Boxen von Hamburg ins Rheinland gekommen. Nicht, dass er bis dato selber mal geboxt hatte; er sah in einem Hamburger Kino den Weltmeisterschaftskampf zwischen Jack Dempsey und Georgies Carpentier und war von da an vom Box-Virus infiziert.

Schnell ließ sich Schmeling von Klein überzeugen, in dessen frisch gegründeten "Ring- und Stemmclub Gleichheit" einzutreten. Arbeitsplatz, Trainingsstätte und Wohnort - als Kostgänger bei der Witwe Schlösser - lagen nah beieinander - praktisch für einen jungen, aufstrebenden Sportler. Die rund zehn Athleten - eine verschworene Gemeinschaft, wie es in dem BT-Artikel von 1960 heißt - trainierten im "Wegeners Saal" in der Gaststätte an der Ecke Paulsmühlenstraße/Telleringstraße (Haus Wagner). Dort trug Schmeling seine ersten Kämpfe aus.

Wenn die gemeinsamen Pflichtübungen beim Training beendet waren, arbeitete Max Schmeling unermüdlich an seiner Fitness weiter, hieß es in dem BT-Artikel vom 20. Mai 1960: "Max Schmeling wollte etwas werden, er trank nicht und fasste keine Zigarette an", wird sein Entdecker Karl Klein dort zitiert. Seine Technik, sein schnelles Auge und seine elegante Beinarbeit fielen schon damals auf.

Verständlich, dass er aus seinem ersten Club hinauswuchs. Klein vermittelte Schmeling 1924 zu einem größeren Boxclub nach Köln-Mühlheim. Seinen ersten großen Kampf als Profi focht er jedoch Düsseldorf aus, am 2. August 1924 in der damaligen Tonhalle an der Schadowstraße - gegen Hans Czapp. Schmeling gewann durch technisches k. o. Der erste Sieg als Profiboxer von vielen. Unvergessenen ist sein Sieg gegen Joe Louis 1936. Aber auch wenn Schmeling die ganze Welt bereiste - die Jahren in Benrath haben ihn bodenständig bleiben lassen.

(rö)