Sturmschäden in Düsseldorf: Stadt verbietet Cafébetrieb, will aber Miete

Sturmschäden in Düsseldorf: Stadt verbietet Cafébetrieb, will aber Miete

Matthias Böttger würde gern sein Café Sternwarte am Wasserspielplatz in Bilk wieder öffnen - aber der Park ist wegen der Sturmschäden für ungewisse Zeit gesperrt. Trotzdem verlangt die Stadt, dass der Gastronom weiter zahlt.

An einem schönen Sommertag wie gestern würde Matthias Böttger eigentlich viele Kaffees, Waffeln und Pizzen verkaufen, denn sein Café Sternwarte neben dem Wasserspielplatz in Bilk ist ein beliebter Treffpunkt von Eltern. Aber Böttger darf nicht. Die Stadt hat den Park auf dem Alten Bilker Friedhof, in dem sich das Café befindet, wegen der Sturmschäden gesperrt. Wie lange es zur Wiedereröffnung dauert, ist ungewiss.

Was dem 44-Jährigen besondere Sorgen bereitet: Die Miete für das kleine Cafégebäude im ehemaligen Wärterhaus soll er weiter an die Stadt zahlen, auch wenn diese den Betrieb untersagt hat. Der Gastronomen hat nun Angst um seine Zukunft. "Ich kann ohne Einnahmen die Miete nicht zahlen."

Böttger hat sich mit seinen familienfreundlichen Cafés im Grünen in den vergangenen Jahren einen guten Ruf erarbeitet. Seit 2008 betreibt er die Florabar im Florapark, seit drei Jahren zusätzlich die Sternwarte. Dort verkauft er Speisen in Bio-Qualität und trifft damit den Nerv der Anwohner - im Sommer ist die Terrasse rappelvoll. Böttger meint, dass durch die Sternwarte auch der Wasserspielplatz schöner geworden sei. Früher hätten dort ständig Scherben gelegen, durch das Café gebe es das nicht mehr.

Der Orkan hat beide Cafés schwer getroffen. Die zwei Bäume vor der Sternwarte, die den Besuchern Schatten gespendet hatten, stürzten um, einer traf den Schornstein des Pizzaofens. Herabfallende Äste zerstörten Scheiben, Tische und Bänke in der Florabar. Böttger erlebte das Unwetter dort hautnah mit. Auch Hundebesitzer vom benachbarten Auslaufgebiet und Touristen hatten sich in das Café gerettet.

Nach dem Unwetter begannen er und seine Mitarbeiter sofort, die Schäden zu beseitigen. Über den Nachbarschafts-Blog Bilkorama fanden sich freiwillige Mitstreiter, die auch Teile der Parks und den Wasserspielplatz räumten. Die Florabar konnte wenige Tage später wieder öffnen.

Auch die Sturmschäden an der Sternwarte sind behoben. Die gesamte Anlage ist allerdings aus Sicherheitsgründen weiter gesperrt. Gitter versperren die Eingänge, eine Firma arbeitet im Auftrag der Stadt an der Räumung. Wann die Arbeiten abgeschlossen sind, konnte das Gartenamt nicht mitteilen. Böttger will gehört haben, dass der Park in diesem Jahr nicht mehr öffnen wird.

Der Gastronom weiß nicht, wie es weitergehen soll. Geplante Investitionen hat er gestrichen, genau wie seinen Urlaub. In Regalen und Kühlschränken lagern 50 Kilogramm Pizza-Käse, dazu Mehl, Tomaten und andere Waren - die nun zu verfallen drohen. Die Stadt hat ihm mitgeteilt, die Schließung durch das Unwetter sei sein "eigenes Risiko". Böttger fragt sich, wie er sich hätte absichern sollen. "Für höhere Gewalt gibt es keine Versicherung."

Von der Stadt waren gestern keine Informationen zu dem Vorgang zu erhalten. Das Gartenamt konnte lediglich mitteilen, man werde die Schäden am Wasserspielplatz neben der Sternwarte nicht reparieren, sondern gleich mit der ohnehin geplanten Komplettsanierung beginnen.

Böttger hofft, dass die Stadt ihm vorübergehend die Miete erlässt oder für eine schnelle Wiedereröffnung der Anlage sorgt. Er könnte sofort wieder Speisen und Getränke verkaufen - auch wenn der Sturm am vergangenen Wochenende ihn schon wieder erwischt hat: Ein Blitz schlug neben der Sternwarte ein, Steckdosen und eine Kühltruhe sind zerstört. "Das ist ein mieses Jahr", sagt Böttger.

(RP)
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