Stadtmitte: Zwischen Eleganz und Tradition

Stadtmitte : Zwischen Eleganz und Tradition

Die Stadtmitte ist für die meisten Düsseldorfer und Besucher vor allem eine beliebte Anlaufstelle zum Shoppen, Durchgangsstation auf dem Weg ins Büro oder zum Feiern in die Altstadt. Für fast 13.000 Einwohner ist dieser Stadtteil jedoch ein Zuhause. Ob das japanische Zentrum rund umdie Immermannstraße, die Oststraße mit ihren Traditionsgeschäften, die zentrale Lage in der Nähe des Bahnhofs oder die Eleganz der Königsallee - die Vielfalt macht dieses Viertel so lebenswert.

Unverständnis — das ist meist die erste Reaktion, wenn man Stadtmitte als Wohnort angibt. Aus einer gemütlichen Vorstadt-Idylle heraus betrachtet ist das sogar nachvollziehbar. Ja, in dem zentralsten Viertel Düsseldorfs ist es laut und oft auch dreckig. Es gibt viele Autos und Baustellen, auch die in Hauptbahnhofs-Nähe übliche Drogen-Szene. Aber dennoch: Die Stadtmitte ist lebenswert, denn sie spiegelt das ganze Leben.

Der Stadtteil Stadtmitte (Klicken Sie zum Vergrößern auf die. Foto: Grafik

Es gibt wohl kaum einen Stadtteil der kontrastreicher ist: Der Hauptbahnhof mit erwähntem Umfeld gehört zur Stadtmitte, aber auch die Königsallee, die zu den reichsten Boulevards der Welt zählt. Da ist Klein-Nippon rund um die Immermannstraße, was nicht nur Farbe in das Viertel bringt, sondern auch den großen Vorteil, in den diversen Asia-Märkten jederzeit auch die exotischsten Zutaten zu bekommen.

Es gibt Koreaner, Chinesen und Griechen rund um die Bismarckstraße, an der Kölner Straße und Am Wehrhahn leben noch viele alteingesessene Düsseldorfer. Stadtmitte ist schick am Westende der Graf-Adolf-Straße, nicht so sehr Richtung Osten. Das Viertel wird begrenzt durch zwei der markantesten Hochhäuser der Stadt: das Dreischeibenhaus am Hofgarten und das moderne GAP 15 am Graf-Adolf-Platz. Die Schadowstraße, die derzeit durch die Bauarbeiten zur Wehrhahn-Linie beeinträchtigt ist, zählt zu den umsatzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands. Nur wenige hundert Meter entfernt gibt es Nachtschlafstellen für Obdachlose und die Armenspeisung des Franziskanerkloster. Licht und Schatten liegen nah beieinander.

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Zum Stadtteil gehören mit Worringer Platz, Graf-Adolf-Straße und Berliner Allee wichtige Verkehrs-Trassen. Auch die Hochstraße Tausendfüßler, die Anfang der 60er Jahre als Symbol für die autogerechte Stadt erbaut wurde. Sie soll im Rahmen des Projekts Kö-Bogen abgerissen werden, wogegen ihre Anhänger leidenschaftlich protestieren. "Durch den Kö-Bogen wird dieser Teil der Stadt aufgewertet", ist sich hingegen Udo Siepmann sicher. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) hat von seinem Büro an der Berliner Allee aus einen guten Ausblick auf den Tausendfüßler, der durch hochwertige Architektur und viel Grün ersetzt werden soll, wenn der Autoverkehr in einigen Jahren durch Tunnel fließt.

Siepmann genießt es, in Stadtmitte zu arbeiten, erkundet das Viertel oft, wenn er zu Fuß zu Terminen geht, und erkennt viel Potenzial. Die zentrale Lage mit der Nähe zum Hauptbahnhof und guter ÖPNV-Anbindung sei ein klarer Standortvorteil für die IHK, die eine Dependance an der Karlstraße hat. "Schließlich kommen jedes Jahr Tausende Prüflinge zu uns."

Die Lebensader des Viertels ist die Oststraße mit ihren vielen Traditionsgeschäften. Da wären zum Beispiel die Weißwürste der seit mehr als 100 Jahren bestehenden Metzgerei Schlösser, die sogar Bayern im Exil zum Schwärmen bringen. Sollten Sie mal einen ausgefallenen Keilriemen oder Schlauch brauchen: An der Oststraße gibt es ein kleines Fachgeschäft namens "Laux". Ein paar Häuser weiter wird bei "la porcelaine blanche" rein weißes Geschirr verkauft, gegenüber werden gebrauchte Fotoapparate verkauft und repariert. Zwischendurch halten Nachbarn auf dem Bürgersteig ein Pläuschchen.

Mittendrin: die Brauerei Schumacher, die der Kabarettist Manes Meckenstock gerne als den "Altbier-Tempel Düsseldorfs" bezeichnet. 1871 zog die Brauerei von der Citadell- an die Oststraße, die damals noch die östliche Grenze der Stadt war. Seit 1991 führt Gertrud Schnitzler-Ungermann die Brauerei. Ihre Eltern hatten noch über der Gaststätte gewohnt und sie selbst ist dort aufgewachsen. In die Marienkirche, deren beide Türme man vom Schumacher aus sieht, ist die 54-Jährige zur Kommunion gegangen. "Und im Innenhof, wo jetzt unser Biergarten ist, sind wir mit den Nachbarskindern Rollschuh gefahren und haben dazu Platten von Beach Boys und Beatles gehört."

Der frühere Ministerpräsident Johannes Rau feierte im Schumacher seine Wahlparty und verfolgte im Wohnzimmer ihrer Mutter, Thea Schnitzler, die Wahlergebnisse im Fernsehen. "Ist ja schön, dass Sie hier feiern, ich wähle trotzdem nicht SPD", hat die alte Dame zu ihm gesagt. Ihre Tochter fühlt sich im Stadtteil noch immer zu Hause, obwohl sie dort nicht mehr wohnt. "Aber hier habe ich Kontakt zu den Nachbarn, hier verbringe ich die meiste Zeit", sagt Schnitzler-Ungermann.

René Heinersdorff, Schauspieler, Regisseur und Leiter des Theaters an der Kö in den Schadow Arkaden, beobachtet die Entwicklung des Stadtteils mit gemischten Gefühlen: "Für mich ist dieser zentrale Standort extrem wichtig." Sein Haus gehöre zu den wenigen Theatern, für die Laufkundschaft eine Rolle spiele. "Ich beobachte aber einen großen Verlust der Individualität, wie man sie vielleicht noch an der Oststraße findet", sagt Heinersdorff. Vieles sei "den Gesetzen des Kapitalismus" zum Opfer gefallen. Inhaber-geführte Geschäfte verschwinden — "das hat auch was mit zu hohen Mieten zu tun".

Susanne Asbrand-Eickhoff hingegen führt mit ihrem Mann solch ein Geschäft. Seit 1981 steht das von Albert Eickhoff gegründete Modehaus auf der Königsallee für Trends "in großer Bandbreite in allen Preislagen, vor allem aber im gehobenen Segment — von Dior über Miu Miu und McQueen bis Brunello Cucinelli. "Die Kö ist die schönste, interessanteste und internationalste Straße Deutschlands", sagt Asbrand-Eickhoff. "Die Bäume geben ihr etwas Parkähnliches. Das macht sie charmant und elegant."

(RP)
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