Stadtteilserie : Vennhausen

Als Vennhausen noch aus klassischen Arbeitersiedlungen bestand und moderne Fortbewegungsmittel eher die Ausnahme denn die Regel waren, war es ein bisschen mühsamer, ins Düsseldorfer Zentrum zu kommen.

"Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts marschierten die Männer morgens zu Fuß Richtung Stadt", erinnert sich Rolf Schulte, Ratsherr für den östlichen Düsseldorfer Stadtteil, an Erzählungen seines Großvaters. Die kleine Belohnung für die Strapazen gab es abends auf dem Nachhauseweg. Der Wirt der Traditionsgaststätte "Haus Querling" stellte immer Schnäpse für die Durchreisenden aufs Fensterbrett. Am Wochenende traf man sich dann dort, die Zeche musste schließlich bezahlt werden.

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Heute haben's die Vennhauser da schon bequemer. Und das ist es wohl auch, was sie an ihrem Stadtteil so lieben. "Wir leben hier im Grünen, man kennt sich, es ist nicht so unpersönlich — und doch ist man in 20 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln an der Kö, wenn man will", erzählt Anja Wage, ein echtes Vennhauser Gewächs. Vor 38 Jahren hier geboren, lebte sie mit ihren Eltern zunächst auf der östlichen Seite der Vennhauser Allee, wechselte dann auf die andere Straßenseite und ist jetzt mit ihrer eigenen Familie eine Siedlung weitergezogen — in den Tannenhof.

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Das ist auch typisch für den jungen Stadtteil: Vennhausen ist durch und durch ein Wohngebiet. Eines, das in den vergangenen Jahren vor allem mit seinem hohen Erholungswert lockt. Das ausgedehnte Gebiet des Eller Forstes grenzt an die idyllische Gartenstadtsiedlung "Freiheit", die in den 1920er Jahren errichtet wurde.

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Dort haben sich nach der Privatisierung der ehemaligen Genossenschaftsbestände viele Familien niedergelassen, die schönen Häuschen nochmal neu weiß getüncht, die alten hölzernen Fensterläden ausgebessert und ausgetauscht, die Wohnräume modernisiert. Es blühen Forsythien neben japanischen Kirschblüten, hier werden die Vorgärten gehegt und gepflegt, hier zwitschern die Vögel, hier lässt sich's leben.

Auch Rolf Schultes Elternhaus liegt in der ältesten Vennhauser Siedlung. Nach wie vor schwärmt er davon, wie unbeschwert Kinder hier aufwachsen konnten.

Auch in den anderen Wohnsiedlungen des Stadtteils ist das so. Wie zum Beweis führt er entlang des Reichenbacher Wegs durch die Siedlungsidylle. Dort spielen die Kinder des Viertels Straßenhockey, man kann mit seinen Inline-Skatern über den Straßenasphalt flitzen. "Es ist absolut ruhig bei uns, perfekt für Menschen, die reines Wohnen mit gutem Leben verbinden wollen", sagt Schulte.

Und damit das auch in Zukunft so bleibt, sorgt er mit dafür, dass der Stadtteil nichts an Lebensqualität einbüßen muss. Vor allem im Bereich der Tannenhof-Siedlung, die einige Zeit etwas in Verruf geraten war, hat sich in den vergangenen Jahren viel getan: Viele der Mehrfamilienhäuser haben moderne Balkone erhalten. Für die Jugend wurde richtig geklotzt: Eine hochmoderne Sportanlage mit Kunstrasen für den FC Tannenhof, eine neue Turnhalle mit angrenzender Gymnastikwiese für die Schüler der neu gebauten städtischen Realschule und der sanierten Franz-Boehm-Grundschule, ein attraktiver Wasserspielplatz am Rande der Düssel, der so in Düsseldorf einmalig ist — diese Maßnahmen hat Vennhausen engagierten Bürgern und Stadtteilpolitikern, aber natürlich auch der soliden Finanzlage der Stadt zu verdanken.

Dennoch bleibt einiges zu tun. Hinter der Vennhauser Allee soll die nächste, aber wohl auch letzte mögliche große Wohnsiedlung entstehen: der Veenpark. Auf dem Jahrzehnte brach liegenden, vier Hektar umfassenden Industriegelände entstehen moderne Wohneinheiten, gepaart mit Reihenhäusern und Doppelhaushäusern, dazu ein großer Platz für Freizeitaktivitäten und ein Spielplatz. Ein neues Dorf im Dorf, das nicht nur junge Bevölkerungsschichten anspricht. Hier hat sich auch eine der ersten Senioren-WGs Düsseldorfs niedergelassen. "Leben in Gemeinschaft im Veenpark" heißt das Motto der Initiatorin Gertrud Zovkic. Senioren mieten oder kaufen Wohnungen, leben dort allein, können sich aber bei der Gestaltung ihres Lebensabends auf die Unterstützung der anderen Bewohner verlassen.

Und noch ein Projekt soll den Standort Vennhausen künftig stärken. "Ich setze mich für die Renaturierung der südlichen Düssel ein", erzählt Rolf Schulte beim Rundgang. "Sie muss wieder verschwenkt werden, damit Fische darin leben können, an ihren Ufern müssen neue Gehölze gepflanzt werden, Erlen, Weiden, wasserspezifische Pflanzen, damit eine natürliche Vielfalt ensteht."

Freizeitgestaltung in Vennhausen bedeutet in erster Linie, möglichst viel Zeit an der frischen Luft zu sein. Der Eller Forst lädt zum Wandern, Reiten, Laufen und Spazierengehen ein, der benachbarte Lüdersberg — ein Ausläufer des Bergischen — lockt Kinder und Jugendliche im Winter in Scharen zum Schlittenfahren.

Wer wirklich einmal drinnen aktiv sein will, kann sich im renommierten Boston-Tanz-Club anmelden oder eines der Restaurants an der Vennhauser Allee anpeilen. Obwohl es die Menschen trotz der Lautstärke der Verkehrsachse auch dort eigentlich immer wieder nach draußen auf die Restaurant-Terrassen zieht. Wo immer das konzessions-technisch nicht geht, haben die Gastronomen wenigstens einen Wintergarten angebaut.

Wie der Name der berühmtesten Vennhauser Siedlung es vorgibt: Das Gefühl von Freiheit muss einfach sein.