Stadtteil-Serie: Golzheim: Spagat zwischen Business und Idylle

Stadtteil-Serie: Golzheim : Spagat zwischen Business und Idylle

Anfangs ist es nicht einfach, Golzheim richtig einzuordnen: Ist der Stadtteil nun ein gefragter Büro- und Verwaltungs-Standort? Oder doch mehr ein begehrtes Wohngebiet? Fragt man Unternehmer und Anwohner, kommt heraus: Beides trifft zu. Wie nur wenigen Stadtteilen, gelingt Golzheim der Spagat zwischen Anzugträgern und Vorgarten-Idylle. Zwischen Klever Straße, Rhein, Roßstraße und dem Beginn des Nordparks stehen Büro-Bauten oftmals in direkter Nachbarschaft zu repräsentativen Wohnhäusern. Auch an Wochenenden und Feiertagen ist der Stadtteil belebt.

Diese spezielle Mischung lässt sich wohl nirgendwo besser beobachten als auf der Kaiserswerther Straße. Dort, wo in der Nachkriegszeit Düsseldorfs Ruf als westdeutsche Modemetropole begründet wurde, sind auch ein halbes Jahrhundert später neben den markanten Backsteinhäusern aus den 20er Jahren die Showrooms und Mode-Labels zu Hause. Für Marco Rybinski ist die Straße seit 1998 seine berufliche Heimat. Gemeinsam mit Jörn Meier betreibt er die nach ihnen benannte Modeagentur in dem Bürogebäude Kennedy Park. ?Die Kaiserswerther Straße ist die Königsallee von Golzheim?, meint Rybinski. In der Modebranche sei die Straße einmalig. So müsse man in Paris, Mailand oder München umständlich mit dem Taxi quer durch die Stadt fahren, um die unterschiedlichen Showrooms zu erreichen. ?Wir fühlen uns sehr wohl in Golzheim. Als wir aber mal mit dem Gedanken gespielt haben, in den Hafen oder an die Rather Straße zu ziehen, haben sich unsere Kunden direkt dagegen ausgesprochen?, erzählt der 41-Jährige.

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Was ein Blick auf die Häuserfronten der Kaiserswerther Straße erahnen lässt, setzt sich auch im restlichen Stadtteil fort: Golzheim ist für Architekturbegeisterte ein interessantes Pflaster. 48 Eintragungen zählt die Denkmalliste für den Stadtteil. Neben der Cecilienallee wird besonders oft die Lützowstraße genannt. In der ruhigen Seitenstraße schmiegt sich eine historische Stadtvilla aus den 20er Jahren an die nächste.

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Hingucker sind aber auch moderne Gebäude, wie zum Beispiel das im vergangenen Jahr fertiggestellte Bürogebäude Four Elements an der Kaiserswerther Straße, Ecke Uerdinger Straße. Mit dem 89 Meter hohen Sky Office ist Golzheim seit September mit einem weiteren markanten Punkt in der Silhouette Düsseldorfs vertreten.

Dabei ist es stadtgeschichtlich noch nicht lange her, dass Golzheim dörfliche Strukturen besaß. Während andere innenstadtnahe Stadtteile in den 20er und 30er Jahren bereits sehr dicht bebaut waren, gab es auf Golzheimer Gebiet noch kleinere Bauernhöfe. Die Straße Am Bonneshof verweist mit ihrem Namen noch immer auf das gleichnamige Gehöft. Einen starken Entwicklungsschub gab es in den 50er und 60er Jahren, als der Kennedydamm zur Ausfallstraße ausgebaut und mit der Danziger Straße verlängert wurde. Die verbesserte Infrastruktur machte den Stadtteil als Verwaltungsstandort interessant. Neben dem Umweltministerium sind heute unter anderem das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik sowie das Landesarchiv dort beheimatet. Auch verschiedene Konsulate schmücken sich mit Golzheimer Adressen. An der Cecilienallee sind regelmäßig Besucher der Generalkonsulate Marokkos und der Türkei zu sehen, gleich nebenan an der Homberger Straße hat das spanische Konsulat seinen Sitz. Aufgrund von Fachhochschule und Robert Schumann Hochschule bevölkern viele junge Menschen die Straßen.

Die meisten Düsseldorfer kommen aber aus einem ganz anderen Grund nach Golzheim. Der Rheinpark ist es, der mit seiner großen Rasenfläche und dem alten Baumbestand Sonnenanbeter wie Picknicker bei höheren Temperaturen anzieht. Auch Hobby-Fußballer treten dort regelmäßig gegen den Ball. Eine besondere Attraktion ist das Open-Air-Kino: Im Sommer werden vier Wochen lang täglich mit dem Einbruch der Dunkelheit Filme gezeigt - Rheinblick inklusive. Den gibt es auch im Yachthafen nördlich der größten Grünanlage des Stadtteils hinter der Theodor-Heuss-Brücke an der Rotterdamer Straße. Besonders diese Nähe zum Wasser wissen die Golzheimer sehr zu schätzen.

Auch Künstler fühlen sich im Stadtteil wohl. In der Weißen Siedlung rund um die Franz-Jürgens-Straße leben und arbeiten 20 Kreative in denkmalgeschützten, kleinen Häuschen aus den 30er Jahren. Zu ihnen zählen unter anderem Lichtkünstler Stefan Sous, Fotograf Kris Scholz und Bildhauerin Hede Bühl, die in der Abgeschiedenheit des Viertels an ihren Werken arbeiten. Ab und an kommen auch Künstler ganz anderer Art ins Viertel. Die Ballartisten der deutschen Fußballnationalmannschaft um Joachim Löw beziehen häufig mit einem Tross von Betreuern, Ärzten und Physiotherapeuten Quartier im Hilton an der Georg-Glock-Straße. Seit Jahren sind Ballack und Co dort Stammgäste, ihre Aufenthalte sind stets verknüpft mit Länderspielen oder Fitnesstests. Zum vorläufig letzten Mal wohnte die Elf im November in dem Fünf-Sterne-Hotel, als sie in Gelsenkirchen 2:2 gegen die Elfenbeinküste spielte.

Trotz der immensen Vielfalt auf engem Raum gibt es Dinge, die auch alteingesessenen Golzheimern fehlen. So gibt es kein Stadtteilzentrum, auch Supermärkte sind rar. Wer Besorgungen machen möchte, muss zum Beispiel zur Nordstraße fahren. Auch der Verkehrslärm von Kennedydamm, Fischer- und Klever Straße strapaziert die Geduld von so manchem Anwohner. Doch ein Spaziergang am Rhein macht das schnell vergessen.

(RP)
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