Holthausen: Seit 100 Jahren vom Werk geprägt

Holthausen : Seit 100 Jahren vom Werk geprägt

Viele Siedlungen sind dadurch entstanden, dass die steigende Zahl an Henkel-Arbeitern immer mehr Wohnraum beanspruchte. Holthausener schätzen ihren Stadtteil wegen der vielen Geschäfte und der optimalen Vekehrsanbindung - und Grünanlagen gibt es außerdem.

Spielende Kinder im Grünen, ein Wanderweg durch den Wald, Reiter auf den Pfaden ­ das soll der Stadtteil sein, der wie kaum ein anderer im Düsseldorfer Süden von der Industrie geprägt wurde? Dass Niederheid inklusive seines Freizeitparks und des Gutshofs zu Holthausen gehört, wissen außerhalb Holthausens nur wenige. Trotz dieses idyllischen Bildes zu Beginn eines Spaziergangs durch den Stadtteil kann man dort, im Gegensatz zu den Nachbarn Benrath oder Itter, heute kaum noch von einem Dorf sprechen.

Einfluss der Industrie

Zu stark hat die Industrie Einfluss auf die Bebauung und Bevölkerung genommen. Vor allem in Form des riesigen Henkel-Werks, das nahezu die Hälfte der Fläche des Stadtteils ausmacht. Entfernt man sich vom großen, grünen Freizeitpark im Südosten, sieht man sie schon: die hohen Schornsteine, die seit vielen Jahrzehnten über den Stadtteil ragen. Henkel machte aus der Siedlung, die im 18. und 19. Jahrhundert unter dem Namen "Langeweyer” bekannt war, eine kleine Stadt vor den Toren Düsseldorfs. Die Fabrik lockte zahlreiche neue Bewohner an und ließ die Bevölkerung des kleinen Fleckens, der Ende des 18. Jahrhunderts gerade einmal aus 24 Häusern bestand und Ende des 19. Jahrhunderts 589 Einwohner in 39 Gebäuden zählte, im Jahr 1969 auf rund 15.000 Einwohner anwachsen. Heute sind die Zahlen wieder zurückgegangen: Knapp 12.000 Menschen leben in Holthausen.

Beim Spaziergang von Niederheid zum Kamper Acker, dem Zentrum, lässt man noch eine weitere Spur der Industrialisierung "links liegen”. Denn im Süden liegt das, was Außenstehende als den "Reisholzer Hafen” kennen. "Kaum jemand weiß, dass der Reisholzer Hafen in Holthausen liegt”, sagt Bernd Teitscheid, Vorsitzender des Heimatvereins Holthausen-Itter-Himmelgeist. Den Namen bekam der Hafen nur aus einem Grund: Weil beim Bau der Bahnhof Reisholz, der an einer wichtigen Strecke lag, weitaus bekannter war als der nahezu unbekannte Flecken "Langeweyer”. Dieser Name hatte übrigens mit dem Itterbach zu tun, der früher durch Holthausen ins benachbarte Itter floss. Denn in Holthausen staute sich der Bach, ein langgezogener Weiher war die Folge. Mit der Umleitung der Itter nach Benrath im 18. Jahrhundert war es damit vorbei. Aus dem langen Weiher wurde der Kamper Acker, benannt nach einem Hof, der am Südufer des Weihers gelegen hatte. Und aus dem Kamper Acker wurde das Zentrum des Stadtteils. Heute reihen sich viele Geschäfte und Läden um den Platz im Zentrum, der in den vergangenen Jahren sein Erscheinungsbild komplett gewandelt hat. Es ist jetzt ein offener Platz, auf dem auch der Wochenmarkt mittwochs und freitags stattfindet.

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Geht man vom Kamper Acker über die Straße Am Langen Weiher nach Norden, kommt man nach wenigen Minuten zu Holthausens ältester Kirche. St. Joseph wurde um 1905 erbaut. Denn seelsorgerisch war der Stadtteil lange Zeit vom heute viel kleineren Itter abhängig. Geändert hat sich das erst ab 1908. Da Holthausen vorher weniger Einwohner hatte, mussten die Bewohner nicht nur für den Kirchgang, sondern auch zum Einkaufen nach Itter gehen. "Das ist heute umgekehrt”, freut sich Bernd Teitscheid. "Hier kann man alles kaufen, was man für das alltägliche Leben braucht.” Dafür mussten allerdings auch alte Gebäude weichen. So wurde zum Beispiel in den 70er Jahren die Gaststätte "Zum Langenweiher”, in der auch eine alte Fuhrwerkswaage stand, für das Holthausen-Center mit Geschäften und Arztpraxen abgerissen.

Henkel-Siedlungen

Von der Kirche St. Joseph geht es über Hügel-, Nosthoffen- und Elbruchstraße wieder in den süd-westlichen Bereich des Stadtteils. Die Kölner Landstraße, die dabei überquert wird, teilt zusammen mit der Bonner Straße Holthausen in zwei Hälften. Im Nordosten befinden sich der Hauptteil des Henkel-Werks und kleinere Wohnsiedlungen. Die meisten Holthausener wohnen aber jenseits der Hauptstraßen, über die auch Straßen- und U-Bahnen fahren ­ viele von ihnen in Wohnungen, die ehemals von Henkel für Mitarbeiter geschaffen wurden. Eine dieser ehemaligen Henkel-Siedlungen befindet sich an der Straße Am Falder. Mittlerweile ist mitten in der alten Siedlung eine neue mit zahlreichen Einfamilienhäusern entstanden.

Deren Lage hat neben guten Verkehrsanbindungen einen weiteren Vorteil: Direkt um die Ecke liegt der kleine Park mit dem Schloss Elbroich. Die Holthausener nennen diese Parkanlage auch "Heye-Park” und erinnern damit an den Kommerzienrat Hermann Heye, Sohn des Glashütten-Gründers Ferdinand Heye, in dessen Besitz das Schloss Elbroich ab Ende des 19. Jahrhunderts war. Heye hatte für den Düsseldorfer Süden große Bedeutung: 1895 kaufte er ein 370 Hektar großes Stück Land und ebnete so der Industrialisierung den Boden. 1898 wurde er zum Aufsichtsratsvorsitzenden der neu gegründeten Gesellschaft Industrieterrains Düsseldorf Reisholz (IDR).

Schloss Elbroich

Schloss Elbroich schenkte die Familie 1954 der Caritas, die dort bis 1972 ein Kinderheim unterhielt. Seit 1955 ist der Park im Besitz der Stadt und öffentlich. Lange Baumalleen, große Wiesen, eine Bühne für Konzerte und ein Spielplatz locken vor allem im Sommer viele Bürger an. Aber auch im Winter eignen sich die sanften Hügel hervorragend zum Rodeln. Und so endet der Spaziergang durch das städtische Holthausen trotz einer großen Fabrik, eines Industriehafens und Arbeitersiedlungen so, wie er in Niederheid begonnen hat: im Grünen.

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