Stadtteil-Serie: Unterbach: Im Zeichen des Esels

Stadtteil-Serie: Unterbach : Im Zeichen des Esels

Das Grautier bestimmt in Düsseldorfs fünftgrößtem Stadtteil nicht nur das Stadtwappen, sondern auch den Karneval. Die Unterbacher schätzen die Lage zwischen Bergischem Land und City, aber auch das Naherholungsgebiet um den See.

Am Zault muss jeder vorbei. Zumindest jeder, der durch Unterbach möchte. Das war schon vor Jahrhunderten so, weshalb das 1561 erstmals erwähnte Zollhaus (das bedeutet das Wort) lange als Mautstation diente. Heute bildet das gleichnamige Landhotel auf der Stadtgrenze noch immer das Nadelöhr zwischen Unterbach und Erkrath-Unterfeldhaus, das jeder Autofahrer passieren muss.

Denn aus allzu vielen Straßen besteht der flächenmäßig fünftgrößte Stadtteil Düsseldorfs nicht. Und selbst diejenigen Besucher, die Unterbach nicht bloß über den See definieren, nehmen es oft nur anhand der den Ort durchschneidenden Gerresheimer Landstraße wahr: da rein, da raus. Dabei verbirgt sich hinter dem knapp 7300 Einwohner großen Unterbach der wohl eigenwilligste aller Stadtteile. Das fängt damit an, dass die namensgebende Wasserburg Haus Unterbach seit der kommunalen Neugliederung 1975 auf Erkrather Gebiet liegt, ebenso der Sportplatz des SC Unterbach — das heutige Unterbach wurde seinerzeit recht rabiat von der Nachbarkommune abgetrennt und Düsseldorf zugeschlagen.

Überhaupt, die Geographie. Die Unterbacher fanden es schon immer herzallerliebst, auf halbem Weg zwischen Bergischem Land und Rhein zu siedeln. Nicht zuletzt deshalb, weil die Herzöge von Berg ihre Schlachten lieber anderswo schlugen und Unterbach im Laufe der Jahrhunderte weitestgehend intakt blieb. So besteht etwa das 1312 erstmals erwähnte Gut Rodeberg, dessen Gebäude im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen wurden, noch immer. Unterbach ist hügeliger als Rest-Düsseldorf, und es ist von der Innenstadt räumlich so abgetrennt wie kaum ein anderer Stadtteil — liegt es doch jenseits des Waldgürtels Eller Forst.

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  • Name und nachricht : Düsseldorf
  • Düsseldorf
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"Die Unterbacher brauchten weder Löwe noch Adler", sagt Martin Beier vom Karnevalsausschuss, mit Bezug auf das Wappen des Orts. Das zeigt einen Esel, der über den Eselsbach springt. Und statt der typischen Wappentiere Düsseldorfs oder Kölns steht im Ortszentrum, dem Breidenplatz, ein Bronzeesel. Nicht ohne Grund: Das störrische Grautier gilt dem Unterbacher seit jeher als Identifikationsfigur. Einst schleppten Esel den Sand, der bei der Auskiesung im Umland gewonnen wurde, gen Düsseldorf. Am Eselsbach gab es eine Tränke. Der Sandträgerweg, der durch Vennhausen führt, verweist nach wie vor auf diese Tradition. Von der Moornutzung wiederum zeugen Namen wie Vennstraße ("veen" bedeutet Moor) und Kleiner und Großer Torfbruch. Industrie hingegen ist in Unterbach Mangelware: Derzeit gibt es lediglich ein Rewe-Großlager, das im Herbst schließt.

Doch zurück zum Esel: Wer in Unterbach so bezeichnet wird, fasst dies nicht als Beleidigung, sondern als Auszeichnung auf. Wen wundert es da, dass Rest-Düsseldorf in der jecken Jahreszeit "Helau" ruft, die Unterbacher hingegen zu einem dreifachen "I-A" ansetzen? Und natürlich darf der Esel auch bei den Umzügen durch den Ort nicht fehlen. Denn auch beim Karneval hat Unterbach eine Sonderstellung bewahrt, mit eigenem Karnevalsausschuss und eigenem Prinzenpaar. "Bei der kommunalen Neugliederung war eine der Bedingungen, das auf alle Zeiten so festzuschreiben", sagt Beier. Schließlich gebe es Belege, dass es schon um 1870 eine ausgeprägte Karnevalsbewegung in Unterbach gab. Und: Zu Zeiten der Jacobe von Baden war mit Johann Wilhelm von Waldenburg der Hausherr von Haus Unterbach auch Hofmarschall am Düsseldorfer Hof. Er organisierte dort die Maskenbälle — somit könnten die Anfänge des Düsseldorfer Karnevals in Unterbach gelegen haben.

Brauchtum ist in Unterbach ohnehin wichtiger als anderswo. Das Vereinshaus Unterbach ist die erste Adresse für geselliges Beisammensein. Großer Beliebtheit erfreuen sich seit Jahren auch die Unterbacher Kulturtage und die Kunstmeile, die der 1998 von Bürgern gegründete Initiativkreis Unterbacher Kulturtage ins Leben rief.

Dass die Unterbacher auch dann kreativ sind, wenn es darum geht, sich nicht alles gefallen zu lassen, zeigten sie 1987. Damals wollte die Bundesbahn einen Rangierbahnhof für Gefahrgüter an den Rand des Unterbacher Sees bauen. Der frühere Ministerialrat Wolf Jenkner setzte sich an die Spitze des Protestes, das Projekt wurde gekippt. "Darauf sind wir noch heute stolz", sagt Jenkner. Aus dem Widerstand formierte sich der Bürgerverein "Rettet unser Naherholungsgebiet Unterbacher See/Eller Forst", der später im Verbund mit anderen Gruppen etwa eine Halbinsel am Elbsee vor dem Bagger rettete. Heute macht die Initiative unter anderem gegen die geplante Stadtautobahn L404 mobil. "Wir lösten uns nie auf, weil ein Freiraum wie dieser inmitten einer dicht besiedelten Fläche eine Lobby braucht", sagt Jenkner.

Ach ja, Unterbach und seine Seen: Ein Fünftel der Fläche ist von Wasser bedeckt. Das Naherholungsgebiet wurde just für fünf Millionen Euro aufgepäppelt. Und Kanadagänse an den Stränden hin oder her — dem Esel werden sie nie den Rang als Wappentier ablaufen. Darauf ein dreifaches "I-A"!

(RP)
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