Stadtteil-Serie: Düsseltal: Der Zoo gibt dem Viertel den Namen

Stadtteil-Serie: Düsseltal : Der Zoo gibt dem Viertel den Namen

Die meisten Menschen, die in Düsseltal leben, behaupten, im Zooviertel oder kurz: "Zoo" zu wohnen. Und das, obwohl es schon seit Jahrzehnten keinen Zoo mehr gibt. Der Düsseldorfer Tierpark wurde im Zweiten Weltkrieg 1943 bei Bombenangriffen zerstört und nicht mehr aufgebaut. Und doch ist der Zoo im Viertel heute noch allgegenwärtig: Der Zoopark ist eine der schönsten Parkanlagen der Stadt, viele Geschäfte haben sich den Beinamen "am Zoo" gegeben. Und selbst die S-Bahn-Haltestelle Zoo gibt es immer noch.

Bis weit in die 80er Jahre hinein ging es in Düsseltal auch nicht so ganz ohne Tiere. Immerhin befand sich bis zum Jahr 1987 das Aquarium, Basis für den heutigen Aquazoo, an der Brehmstraße. Gemeinsam mit dem Löbbecke-Museum war es im Bunker gleich gegenüber dem Eisstadion an der Brehmstraße untergebracht.

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Da sind wir auch schon beim zweiten wichtigen Bauwerk, das das Zooviertel - pardon, Düsseltal - prägt, und so manchen Anwohner rund um den Brehmplatz bis 2006 zur Verzweiflung brachte: die Spielstätte der DEG. Auch wenn die Metro Stars heute ein paar Kilometer weiter im ISS Dome in Rath ihre Eishockey-Ligaspiele austragen, Heimat ist und bleibt die Brehmstraße. Dort, wo einst "das beste Publikum der Welt" zu Hause war, wie es der damalige sowjetische Nationaltrainer Anatoli Tarassow am 24. September 1971 beim Länderspiel Deutschland gegen die UdSSR (Ergebnis 4:9) auf den Punkt brachte.

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Achtmal wurde der Eishockeyclub Deutscher Meister. Heute kaum vorstellbar: In den 90er Jahren war das zugige, unkomfortable Haus immer voll. Ausverkauft mit 10.500, später sogar 11.500 Zuschauern. Von denen kamen viele Fans mit dem Auto und parkten im Zooviertel so wild und so dreist, dass die Anwohner stöhnten. Doch die Bewohner bekamen auch mit, wenn die entscheidenden Tore fielen und das Stadion zum Tollhaus wurde. Das ist lange her.

Das altehrwürdige Eisstadion ist immer noch Trainingsort der Spieler, auch die Büros des Eishockeyclubs sind dort in dem Anbau untergebracht. Während der kühlen Jahreszeit ist das Stadion für große und kleine Kufenflitzer geöffnet, die auf dem Eis ihre Runden drehen. Generationen haben an der Brehmstraße Schlittschuh laufen gelernt.

Zurzeit wird das Stadion grundsaniert und bietet keinen schönen Anblick, und das Restaurant Kreutzer, früher beliebter Treffpunkt vor und nach den Spielen, verkommt immer mehr. Offenbar gibt es immer noch keinen neuen Pächter. Ein Schandfleck - und das mitten in Düsseldorfs nobler Wohngegend. Denn gleich hinter dem Stadion, nur einen Katzensprung entfernt, liegt die feine, die schönste Seite von Düsseltal.

Ob Zoopark, Platanenallee, Schillerplatz und Haniel-Park - Düsseltal hat viel Grün zu bieten. Dort liegen auch die attraktiven, nicht gerade günstigen Wohngegenden. In der Umgebung der Hans-Sachs-Straße gibt es viele villenartige Gebäude; auch prächtige Bürgerhäuser befinden sich dort.

Auf der anderen Seite des Zooparks gibt es die Hauptverkehrsstraßen wie die Lindemann- und die Brehmstraße, über die die Lastwagen donnern. Dort geht es dann nicht so nobel zu. Am Ende der Brehmstraße steht noch ein unübersehbares Wahrzeichen: das Arag-Haus. Sowohl die Matthäi- als auch Pauluskirche sind nicht nur für den Stadtteil Düsseltal architektonische Besonderheiten.

Das älteste Gebäude Düsseltals ist die Buscher Mühle an der Mulvanystraße. Sie wurde bereits zu Beginn des 14. Jahrhunderts erwähnt und ist heute eine der wenigen erhaltenen, früher recht zahlreichen Getreidemühlen längs der Düssel. Der Hungerturm an der Fritz-Wüst-Straße und der alte Klosterfriedhof an der Max-Planck-Straße erinnern an das alte Trappistenkloster und die dort bis 1902 beheimatete Graf-Recke-Stiftung.

Die Grafenberger Allee trennt das Zooviertel von Flingern, und die stark frequentierte Heinrichstraße führt direkt stadtauswärts Richtung Autobahn. Doch das Herz im Zooviertel schlägt auf der Rethelstraße. Beginnend und parallel zur Eisenbahnlinie laufend, ist manchem Gast der ruhige Teil durch die drei Etablissements bekannt, die er über die Eingänge mit den roten Teppichen erkennt.

Aber das wahre Leben der Rethelstraße beginnt am Brehmplatz. Dort knubbeln sich die Läden. Traditionshäuser, Banken, Restaurants - es gibt alles, was man zum Leben benötigt. Dort findet man auch die guten Seelen vom Zoo. In der Traditionsmetzgerei Waggershauser hat Veronika Küppers (s. Interview) das Kommando seit mehr als 25 Jahren.

Gleich nebenan treffen sich bei Rosanna Talamini ganze Generationen, nicht nur zum Eisschlecken. Das Eiscafé, das seit mehr als 40 Jahren in den Sommermonaten geöffnet hat, ist ein beliebter Treffpunkt. Morgens kommen die Rentner, setzen sich an die kleinen Tische und studieren die Zeitungen. Nachmittags treffen sich die Damen zum Kaffeeklatsch, da darf es statt eines Bechers Eis auch schon mal ein Piccolo sein. Großeltern mit Enkelkindern versorgen sich mit Eis.

Bei schönem Wetter können die Gäste draußen vor der Türe sitzen und das quirlige Treiben auf der Rethelstraße beobachten. Dabei geht es hoch her. Straßenbahnen fahren in kurzen Taktzeiten, Autofahrer parken ihre Wagen in zweiter Reihe, um schnell mal was einzukaufen. Nein, verkehrsberuhigt ist diese Straße nicht - das macht sie ja so reizvoll. Wer es ruhiger mag, für den gibt es noch donnerstags und samstags den Markt auf dem Ahnfeldplatz, und auch dort ist Zeit zum Klönen. Denn im Zoo kennt man sich.

(RP)
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