Heerdt : Der Vorgarten Düsseldorfs

Heerdt ist der westlichste Teil der Landeshauptstadt und begrüßt die Besucher mit einem weitgehend unbekannten grünen Ring sowie vielen guten Gründen, auch die Konkurrenz mit dem Nobel-Nachbarn Oberkassel nicht zu scheuen.

Sollte es einen Wettbewerb geben für den Ort mit dem schönsten Sonnenuntergang von Düsseldorf, heißt der Geheimfavorit und wahrscheinliche Überraschungssieger Heerdt. Von den dortigen Rheinwiesen sehen Spaziergänger in den Abendstunden von links bis rechts einen herrlich gelb-roten Horizont, der die Bäume strahlen lässt, das Gras in ein saftiges tiefes Grün taucht und das perfekte Hintergrundlicht bietet für einen ungewöhnlichen Blick auf die Skyline der Landeshauptstadt. Da selbst in den Nachbar-Stadtteilen dieser schöne Standpunkt weitgehend unbekannt ist, genießen die Spaziergänge diesen Moment auch noch in herrlicher Ruhe.

Grün und besonderes Licht prägen Heerdt auch auf seinen übrigen 11 000 Hektar Fläche. Wer an der richtigen Stelle in den Stadtteil hinein kommt, kann ihn komplett im Grünen durchqueren. An der Grenze zwischen Heerdt und Oberkassel liegt der Albertussee. Einst baggerten dort die Mitarbeiter der Zementfabrik Reinartz. Als das Unternehmen schloss, ließ die Stadt Wege und Bänke bauen, die heute vor allem Familien und Angestellte des benachbarten Gewerbegebietes nutzen. Da der Albertussee einst bis zur Straße "Am Heerdter Hof" reichte, haben die Bewohner des Stadtteils den Park "Heerdterhof-Garten" genannt.

Den grünen Ring rund um Heerdt vollenden der neben dem See gelegene Friedhof mit seinen uralten deutschen und amerikanischen Eichen und das dahinter beheimatete Ökotop. Das als Vorbild für natürliches Bauen und Wohnen gepriesene Gebiet ist einem engagierten Kampf der Bürger zu verdanken. Anfang der 80er Jahre sah der Flächennutzungsplan vor, die Brachfläche zwischen Heerdt und Meerbusch in ein Gewerbegebiet zu verwandeln — zu einem Zeitpunkt, als die wirtschaftlich genutzte Fläche im Stadtteil schon 75 Prozent ausmachte und die Grünflächen nur zehn Prozent. Als Gegenentwurf entwickelten Bürger das Projekt Ökotop Heerdt. "Wir wollten den Gegensatz von Stadt und Natur überwinden" erinnert sich Gründungsmitglied Mattes Wallenfang. Das habe schließlich alle Parteien im Stadtrat überzeugt.

In der Mitte ihres grünen Rings liegen der Nikolaus-Knopp-Platz — trotz aller Geschäftswechsel immer noch das Zentrum mit allen wichtigen Angeboten für den täglichen Einkauf — und neuerdings zwei weitere, besondere Lichtquellen: die katholische und die evangelische Kirche. Heerdt profitiert als erster Stadtteil vom städtischen Lichtmasterplan II. Seit Ende August wird die Pfarrkirche St. Benediktus abends von 16 Scheinwerfern angestrahlt, der 65 Meter hohe Turm ist nun weithin sichtbar. Die Protestanten des Stadtteils machen im Paul-Gerhardt-Haus eine ähnlich schöne Erfahrung. Seit sie es für rund 850 000 Euro mit viel Glas umgebaut haben, können Passanten bis zum Altar gucken und abends das große beleuchtete Kreuz sehen, das deshalb wie ein Segel in der Kirche wirkt.

Trotz alledem leidet der Heerdter gerne am Oberkasseler. Dessen nobler Ruf führt soweit, dass das Kino an der Hansaallee zwar auf Heerdter Boden gebaut, aber "Forum Oberkassel" genannt wurde. Gründe zu Grämen gibt es dennoch nicht, denn in vielen Punkten liegt Heerdt an der linksrheinischen Spitze. Auf seiner Seite des Flusses besitzt es den größten Schützen-, den größten Turn- sowie gleich zwei Bürgervereine (Heerdt und Handweiser), darunter ist auch der größte im Linksrheinischen.

Dass die rund 500 Mitglieder sich gleichermaßen um Geschichte und Zukunft des Stadtteils kümmern, haben sie immer wieder mit großem Aufsehen bewiesen. Als 2003 die Nachricht auftauchte, das Dominikus-Krankenhaus solle geschlossen werden, sammelte der Bürgerverein 35 000 Unterschriften, die er an die NRW-Gesundheitsministerin übergab. So rang er der Landesregierung die Zusage ab, dass Dominikus blieb. Es ist heute unter anderem als HNO-Klinik und Gefäßzentrum bekannt. Mit ihrem Protest bestätigten die Heerdter ihre liebste Selbsteinschätzung: "Ihr seid hart, wir sind Heerdter."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Nikolaus-Knopp-Platz und seine Anwohner

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