Meine Stadtmitte: Der Stadtteil kommt zu uns ins Franziskanerkloster

Meine Stadtmitte : Der Stadtteil kommt zu uns ins Franziskanerkloster

Eigentlich bin ich Kölner, das darf man in Düsseldorf ja gar nicht laut sagen. Aber seit nunmehr 14 Jahren wohne ich im Franziskanerkloster in Stadtmitte. Ich bin nicht so oft im Stadtteil unterwegs.

Ich bin schon 80 und nicht mehr so gut zu Fuß. Aber der Stadtteil kommt ja zu uns — zur Firminus-Klause kommen die Armen und Obdachlosen in hellen Scharen, auch Frauen. Mehrmals pro Woche habe ich Beicht- und Gesprächsbereitschaft. Da kommen von rundherum Leute, die sich halt mal aussprechen wollen. Es sind viele, vielleicht, weil ich älter bin. Ich lasse mir viel Zeit für die Ratsuchenden, selbst wenn ich manchmal sagen möchte: Ach, fangen Sie doch nicht bei Bismarck an, sprechen Sie von hier und heute. Aber das geht natürlich nicht.

Es sind sehr liebenswerte Menschen hier in Stadtmitte. Vorher dachte ich immer, die Kölner seien die Besten, wurde aber in Düsseldorf eines Besseren belehrt. Man muss aber auch auf sie zugehen. Wenn ich beispielsweise unterwegs bin und treffe eine Türkin mit Kinderwagen, dann beuge ich mich tief hinunter und sage: "Ein schönes Kind, ganz der Papa." Dann strahlen die Leute.

Auf der Klosterstraße sind sämtliche Nationen vertreten. Eine Gastwirtschaft macht mir Sorge, weil es dort bis in die Nacht laut ist und ich nicht schlafen kann. Direkt gegenüber sind die Japaner. Die bewundere ich: Jeden Morgen werden die Fenster geputzt. Die Apotheke an der Immermannstraße, die Metzgerei Schmalzried und die Konditorei Schlüter — das sind ja unsere Lieferanten. Schlüter bringt immer Brötchen und Kuchen für die Armenspeisung. Und wir Klosterleute profitieren auch mal davon.

Pater Hubertus Hartmann lebt im Franziskanerkloster Immermannstraße

(RP)
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