Oberkassel: Das feine Dorf auf der anderen Rheinseite

Oberkassel : Das feine Dorf auf der anderen Rheinseite

Wie eine Halbinsel liegt Oberkassel am Rhein und zählt nicht zuletzt wegen seiner schönen Lage und seiner Gründerzeithäuser zu den noblen Stadtteilen Düsseldorfs. Oberkassel wird oft zu Unrecht als Schicki-Micki-Viertel bezeichnet. Es ist auch ein gemütlicher Ort, in dem es alles fürs tägliche Leben gibt. Es ist auch der Lieblingsstadtteil vieler Japaner.

Wie eine Halbinsel liegt Oberkassel am Rhein und zählt nicht zuletzt wegen seiner schönen Lage und seiner Gründerzeithäuser zu den noblen Stadtteilen Düsseldorfs. Oberkassel wird oft zu Unrecht als Schicki-Micki-Viertel bezeichnet. Es ist auch ein gemütlicher Ort, in dem es alles fürs tägliche Leben gibt. Es ist auch der Lieblingsstadtteil vieler Japaner.

Willkommen in Yuppiehausen. Der Schicki-Micki-Stadtteil schlechthin. So wird Oberkassel gerne bezeichnet - von Leuten, die nicht in Oberkassel wohnen. Zum Teil haben sie ja Recht. Aber wer im Linksrheinischen lebt oder gar aufgewachsen ist, sieht seinen Stadtteil ganz anders: als Dorf.

Hier kennt jeder jeden - oder fast jeden. Spätestens beim samstäglichen Einkauf stellt man das immer wieder fest, wenn man einfach nicht von der Stelle kommt, hier und dort grüßt und das eine oder andere Pläuschchen hält. Treffpunkt der Bewohner ist immer wieder die Haupteinkaufsstraße, an der es einfach alles gibt: die Luegallee - im Sprachgebrauch auch einfach kurz Lüg genannt. Dabei ist es die Platanenallee, die Oberkassel in zwei Teile teilt.

Wer im Süden wohnt (also zur Düsseldorfer Straße hin), überquert nur selten die Allee - es sei denn, er muss zur Post. Ansonsten muss er nicht auf die andere Seite. Denn alles, was der Oberkasseler zum täglichen Leben benötigt, bekommt er er auf seiner jeweiligen Straßenseite. Da muss niemand in die Stadt fahren. Wenn auch die Verbindung zur anderen Rheinseite optimal ist, wenn es über die Oberkasseler Brücke geht.

Die Rheinbahn ließ sie 1897 bauen, um Düsseldorf und Krefeld zu verbinden - mit der ersten elektrischen Schnellbahn Europas. Zwischen der Oberkasseler- und der Rheinkniebrücke liegt der damals durch die Rheinbahn schnell wachsende Stadtteil heute wie eine Halbinsel. Und Fremden muss der Oberkasseler immer wieder erklären, dass der Rhein einmal ums Dorf fließt, weil der Strom eine Kurve macht. Der Rhein mit seinen Wiesen ist es auch, den viele als Naherholungsort suchen. Ob Spaziergänger, Jogger, Radfahrer, Hobby-Fußballmannschaften oder Inline-Skater - sie alle begegnen sich am Fluss. Oberkassel, das ist eine Oase. Auch eine grüne. Denn hinter den wunderschönen Häusern der Gründerzeit, von denen viele unter Denkmalschutz stehen, gibt es regelrechte kleine Parkanlagen - dank der alten Baumsubstanz.

Im Sommer hat man einen wunderschönen Blick ins Grüne. Ob Eichelhäher, Rotkehlchen, Meisen oder Finken, sie alle sind mitten in der Stadt zuhause. Ornithologen haben ihre Freude. Vor allem im alten, im südlichen Stadtteil, der im Zweiten Weltkrieg nicht von Bomben zerstört wurde, gibt es noch Gaslaternen und Kopfsteinpflaster. Eigentlich eine ideale Filmkulisse, stünden nicht überall die Autos kreuz und quer - vor allem Minis und Geländewagen. Denn die Parkplatzsituation ist katastrophal. Jeden Abend der gleiche Kampf zwischen Anwohnern und Kneipengästen. Durch die Dominikanerstraße heißt es Slalomfahren. Denn dort gibt es gleich mehrere Treffpunkte. Zum einen das Café Muggel, ein Szenetreff mit Souterrain-Kino, und Saitta Vini. Dort ist auch schon mal die Haute Volaute zu Gast, deren Ferraris, Bentleys und andere Luxusdroschken selbstverständlich in zweiter Reihe stehen.

Überhaupt wird Oberkassel - gastronomisch - von Italienern regiert. Zwischen Belsen- und Luegplatz gibt es ein gutes Dutzend italienische Restaurants. Und jedes für sich fast immer voll. Offenbar belebt Konkurrenz das Geschäft. Das gilt zudem für die Blumenläden, Apotheken und Bäckereien. Und auch für die Telefonläden und die Immobilienhändler, die in Traditionshäuser eingezogen sind und durch ihre Werbeschilder auffallen.

Doch glücklicherweise gibt es sie noch, die kleinen Handwerksläden wie den Uhrmacher Schwab an der Dominikanerstraße, der fast jeden alten Zeitmesser wieder ans Laufen bringt. Und da sind die Schuster, die so gut wie alles reparieren können, sogar noch Maßschuhe anfertigen und fast jeden ihrer Kunden beim Namen kennen. Da ist es dann wieder, das alte Oberkassel, an das sich die Alteingesessenen so gerne erinnern. Wie der heute 47-jährige Dirk Fröhlich, der Ende der 70er Jahre am Drakeplatz Fußball spielte. Der Mann mit der Weste und dem Hut hat ihm und seinen Freunden oft den Ball zugespielt. Seine Witwe, Eva Beuys, wohnt heute noch schräg gegenüber an der Wildenbruchstraße.

Und zur Metzgerei Morgenstern an der Brend'amourstraße kam regelmäßig Thomas Gottschalk, um belegte Brötchen zu kaufen. Der Entertainer arbeitete bei RTL. Das Radio-Studio war damals am Kaiser-Wilhelm-Ring beheimatet. Dieser und der Kaiser-Friedrich-Ring - mit horrenden Mieten und Immobilienpreisen- sind mit die schönsten Ansichten der Stadt. Von der Altstadt aus gesehen sind die Jugendstilhäuser eine wunderbare Kulisse.

Aufsehen erregte 1976 das Verschieben der Oberkasseler Brücke. Die Millimeterarbeit war für eine Großbrücke eine Weltpremiere. Bekannt ist der linksrheinische Stadtteil auch durch seine japanische Kolonie. Die meisten der 5000 in Düsseldorf lebenden Japaner wohnen in Ober- und in Niederkassel. Deshalb gibt es in den Supermärkten japanische Spezialitäten, und bei Rewe an der Arnulfstraße sind die Schilder auf Japanisch meist größer als die auf Deutsch. Es gibt den japanischen Friseur, Ärzte holen sich japanische Kollegen in ihre Sprechstunde - und nicht zu vergessen ist die japanische Internationale Schule.

Doch neben dem schönen Oberkassel gibt es auch das industrielle an der Hansaallee. Denn nicht nur die Schönen und Reichen wohnen im linksrheinischen Stadtteil. Er ist ein Dorf, das sich immer noch selbständig fühlt. Auch nach mehr als 100 Jahren Eingemeindung. Vielleicht ein Grund, warum Oberkassel in Düsseldorfer Geschichtsbüchern stiefmütterlich behandelt wird. Allerdings ist es in aller Munde, wenn im Juli der St. Sebastianus Schützenverein von 1316 die Größte Kirmes am Rhein präsentiert.

(RP)
Mehr von RP ONLINE