Stadt Düsseldorf will Gedenktafel für Pianisten Karlrobert Kreiten

Ehrung in Düsseldorf: Stadt will Gedenktafel für von Nazis ermordeten Pianisten

Karlrobert Kreiten wurde 1943 in Berlin hingerichtet. Der Pianist galt als Ausnahmetalent. Sein Familiengrab in Düsseldorf wird nicht mehr bewirtschaftet. Nun setzt sich eine Initiative für seine Ehrung ein – mit einem ersten Erfolg.

Claudio Arrau hatte viele berühmte Klavierschüler. Er selbst wurde bis zu seinem Tod im Jahr 1991 mit Ehrungen überschüttet. Um so schwerer wiegt, was er über Karlrobert Kreiten gesagt hat: Der Düsseldorfer sei „eines der größten Klaviertalente, die mir persönlich begegnet sind. Wäre er nicht durch das Nazi-Regime kurz vor Kriegsende hingerichtet worden, so hätte er ohne Zweifel seinen Platz als einer der größten deutschen Pianisten eingenommen.“

Bereits mit zehn Jahren trat Kreiten in der Tonhalle auf. Das Konzert wurde im Radio übertragen – 1927 wie heute eine große Sache. Seine Mutter war Mezzosopranistin, sein Vater Musiker und Komponist. Das legte den Grundstein für seine musikalische Laufbahn. Ausgebildet wurde er in Köln, Wien und Berlin – bei Claudia Arrau. Von ihm heißt es, er habe das klassische wie das moderne Repertoire beherrscht, technisch perfekt, musikalisch virtuos, fantasievoll.

Doch viele Ehrungen blieben Kreiten versagt, weil er in der NS-Zeit nicht schweigen wollte. Kurz nach der Niederlage in Stalingrad äußerte er einer Studienfreundin der Mutter gegenüber seine Kritik am Dritten Reich: Der Krieg sei verloren, das deutsche Volk einem Wahnsinnigen ausgeliefert, die Revolution stehe kurz bevor. Er wurde denunziert, verhaftet und nach einem Schnellgerichtsverfahren zum Tode verurteilt. Die Vorwürfe: Er habe versucht, „mitten im totalen Krieg“ eine „Volksgenossin“ zu „zersetzen“. „Dadurch ist er für immer ehrlos geworden.“ Die Nationalsozialisten hängten ihn am 7. September 1943. Er war 27 Jahre alt.

Bis 1996 erinnerte eine Gedenktafel auf dem Südfriedhof an Kreiten.

In großer Detailtreue zusammengetragen hat all diese Informationen die Germanistin Ariane Neuhaus-Koch, früher Leiterin des Frauenkulturarchivs an der Heinrich-Heine-Universität. Über ihre Beschäftigung mit der Schriftstellerin Hedda Eulenberg, in deren Haus Kreiten gelegentlich Konzerte gab, ist sie auf den Pianisten gestoßen. „Ich fand es wahnsinnig, dass in Düsseldorf am 7. September nichts zum Gedenken an Kreiten passiert“, sagt sie.

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1945 hatte es noch ein Gedenkkonzert im Opernhaus für Kreiten gegeben. 1949 wurde eine Straße in Mörsenbroich nach ihm benannt. 2018 sieht es aber tatsächlich nicht so aus, als hätten die Kulturinstitute der Stadt zum 75. Todestag des Pianisten etwas geplant. Neuhaus-Kochs Recherchen ergaben zudem, dass eine ehemalige Gedenkstätte für Karlrobert Kreiten nicht mehr existiert. Bis 1996 hatte auf dem Familiengrab der Kreitens auf dem Südfriedhof eine Grabplatte an den berühmten Sohn der Familie erinnert, der nach seiner Hinrichtung in Berlin in einem Massengrab bestattet worden war. Inzwischen ist die Platte zerstört. Die Nutzungsrechte für das Familiengrab sind 2016 ausgelaufen. Der Friedhof könnte es einebnen.

Heute erinnert auf dem Familiengrab der Kreitens nichts mehr an den berühmten Pianisten. Die Nutzungsrechte sind seit 2016 ausgelaufen. Foto: Endermann, Andreas (end)

Gemeinsam mit drei Professoren der Universität und mit Unterstützung verschiedener einflussreicher Düsseldorfer – wie beispielsweise Esther Betz, Vorsitzende der Anton-Betz-Stiftung der Rheinischen Post und Ehrensenatorin der Heinrich-Heine-Universität – hat sich Ariane Neuhaus-Koch mit der Idee an die Stadt gewandt, das Familiengrab in ein Ehrengrab für Kreiten umzuwandeln.

Daraus wird nichts – das ist mittlerweile klar. Voraussetzung für ein Ehrengrab wäre, dass Kreiten tatsächlich in Düsseldorf beerdigt ist. Stattdessen will sich Oberbürgermeister Thomas Geisel aber dafür einsetzen, dass Kreiten eine Gedenktafel bekommt. Ein entsprechender Antrag soll in den Kulturausschuss eingebracht werden, der Ende September das nächste Mal tagt. „Das wäre eine Ehrung, die Karlrobert Kreiten wirklich gebührt“, sagt Ariane Neuhaus-Koch. „Es wäre sehr in seinem Sinne.“

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