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Interview: Frank Maas: "Stadt braucht mehr Einfamilienhäuser"

Interview: Frank Maas : "Stadt braucht mehr Einfamilienhäuser"

Der Chef des Projektentwicklers Wilma Immobilien AG, spricht über die Umnutzung von Industrie- und Ackerflächen.

Wie bedeutend ist der Standort Düsseldorf für Ihr Unternehmen?

Maas Düsseldorf ist ein zentrales Standbein. Wir sind Marktführer für Wohnungsbauten in der NRW-Landeshauptstadt - seit 2009 unangefochten. Erst kürzlich konnte das Neubauprojekt in Himmelgeist abgeschlossen werden. Dort gibt es jetzt 120 Einfamilienhäuser, Reihenhäuser und Doppelhaushälften, dazu 50 Wohnungen, eine Kita, einen Supermarkt. Zurzeit ist die Gartenstadt Reitzenstein unser größtes Vorhaben, dort vermarkten wir 60 Prozent der Fläche.

Was kommt als nächstes?

Maas An der Ecke Hennekamp/Witzelstraße in Bilk schaffen wir zwischen 350 und 500 Wohneinheiten. In den kommenden Jahren wollen wir 100 000 Quadratmeter Wohnraum in Düsseldorf schaffen.

Wie sehr macht Ihnen die flexible Quote für sozialen Wohnungsbau zu schaffen?

Maas Unsere bisherigen Bauvorhaben sind davon nicht betroffen, weil sie vor Einführung des Handlungskonzeptes Wohnen geplant worden waren. Fast alle Städte geben sich solche Auflagen. Da müssen wir wohl mit leben.

Was halten Sie von einer festen Quote, die keinerlei Ausnahmen kennen würde?

Maas Wir kennen die fixe Quote aus Belgien. Die Deckelung bei der willkürlichen Zahl von 100 Einheiten, wie sie ursprünglich geplant war, wäre durchaus problematisch. Besser ist eine feste Regelung für alle, eine fixe Quote auch für kleinere Bauvorhaben. Denn dann gäbe es für keinen Investoren die Möglichkeit, diese Regelungen zu umgehen. Das wäre eine gerechtere Lösung.

Teilen Sie die Befürchtung, dass solche Auflagen Investoren wie Sie generell von Bauten in Düsseldorf abschrecken?

Maas Wir sind jetzt seit 75 Jahren im Geschäft. Wir kennen die Regelungen, das Auf und Ab, nur zu gut. Ich habe Verständnis. Wir müssen damit leben. Der Markt reguliert das. Wenn es in Düsseldorf bei Neubauten zu viele Regelungen gibt, dann wird es für Investoren interessanter, im Umland zu investieren. So pendelt sich das im Lauf der Jahre ein.

Was fehlt im Immobilienangebot in Düsseldorf?

Maas Definitiv werden zu wenige Flächen für Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften und Reihenhäuser ausgewiesen. Eine echte Unterversorgung. Da muss sich etwas tun, denn die Nachfrage ist enorm. Und es gibt kein entsprechendes Angebot für Menschen, die nun einmal lieber in einem Haus wohnen wollen.

Aber durch Geschosswohnungsbau können mehr Wohneinheiten als in Einfamilienhäusern auf gleicher Fläche geschaffen werden...

Maas Ja, das ist richtig. Aber es gibt nun einmal eine riesige Nachfrage nach diesen Immobilien.

Wo könnte so etwas entstehen?

Maas Es gibt immer noch Industrieflächen, die bei einer Umwidmung Wohngebiete werden könnten.

Damit bahnt sich aber ein Konflikt mit der Industrie an?

Maas Nicht unbedingt. Es gibt Standorte, bei denen man heute eine unzumutbare Belastung der Anwohner durch Industrie und Lkw-Verkehr hätte.

Würden Sie auch Ackerland zu Wohnland machen wollen?

Maas Wir wollen nicht alles zubauen, aber es gibt schwer zu bewirtschaftende Ackerflächen in der Stadt. Da macht das durchaus Sinn.

THORSTEN BREITKOPF FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)