Sprayer in Düsseldorf: Verfahren gegen Harald Naegeli eingestellt

Sprayer in Düsseldorf : Verfahren gegen Naegeli eingestellt

Der als Sprayer von Zürich bekannter Künstler Harald Naegeli musste sich in seiner Wahlheimat Düsseldorf vor Gericht verantworten. Er hatte Flamingos auf mehrere Wände gesprüht. Jetzt wurde das Verfahren eingestellt.

Wie das Gericht in Düsseldorf am Dienstagmorgen mitteilte, wurde das Verfahren gegen Zahlung Naegelis von 500 Euro an ein Kinderhospiz eingestellt.

Zur Beseitigung des von ihm an eine Wand der NRW-Akademie gesprühten Flamingos zahlt Naegeli 376,65 Euro, für die gleichen Arbeiten an einer Wand eines Privathauses an der Volmerswerther Straße 416,50 Euro.

Naegeli reagierte enttäuscht: „Ich wollte ein Kunstwerk an Stelle des Geldes geben, aber im Kapitalismus zählt halt nur das Geld“, sagte der Schweizer. Für die Kunststadt Düsseldorf sei die Entscheidung „eine Peinlichkeit“.

Aus seiner Sicht seien seine Werke keine Sachbeschädigung und nicht strafbar. Einen Strafbefehl in Höhe von 600 Euro hatte er nicht akzeptiert.

Die NRW-Akademie der Wissenschaft und Künste hatte eine Anzeige gegen den 79-jährigen Sprayer bereits am Freitag zurückgezogen.

„Der Anwalt von Herrn Naegeli hat uns mitgeteilt, dass sein Mandant bereit ist, die entstandenen Kosten für die Entfernung seines Graffitos an der Fassade der NRW-Akademie zu tragen“, sagte ein Sprecher unserer Redaktion.

Die rechtliche Situation hat sich für den Künstler durch das „Graffiti-Bekämpfungs-Gesetz“ von 2005 deutlich verschlechtert. Musste früher eine Beschädigung der Substanz nachgewiesen werden, was bei Farbe auf einer Mauer praktisch ausgeschlossen war, reicht nun die „Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes“.

Naegeli war in den 70ern zunächst anonym als „Sprayer von Zürich“ bekannt geworden. Viele Züricher fanden die Bilder lustig, die Polizei fahndete aber nach dem Mann, der ihrer Ansicht nach die Stadt verschandelte.

Sie schnappte ihn schließlich, aber Naegeli flüchtete vor der Verurteilung nach Deutschland. Dort wurde er als Künstler gefeiert. Er stellte sich der Polizei erst drei Jahre später, in Begleitung des deutschen Aktionskünstlers Joseph Beuys. Die mehrmonatige Haftstrafe saß er schließlich ab.

Auch die Stadt Zürich feierte ihren berühmten Sohn später: Sie ließ zum Beispiel eines seiner Werke, ein Wasserwesen am Gebäude des deutschen Seminars der Universität, restaurieren.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Prozess gegen Harald Naegeli wegen Flamingos in Düsseldorf

(csr)
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