Lokalsport: Zwischen Hörsaal und Kickbox-Ring

Lokalsport : Zwischen Hörsaal und Kickbox-Ring

Das Leben der deutschen Meisterin in der Klasse bis 57,5 Kilo, Juliane Werner, ist von vorn bis hinten durchgetaktet. Die 33-Jährige muss Beruf, Studium und ihre Leidenschaft zum Kampfsport unter einen Hut bringen.

Juliane Werner sorgt schon dafür, dass ihr nicht langweilig wird. Die 33-Jährige machte in ihrer Heimat Sachsen eine Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten und startete eine Ausbildung zur Pflegekraft. "Ich habe aber früh entschieden, dass es das nicht gewesen sein kann und habe das Abitur nachgemacht", erzählt Werner. Kaum war das geschafft, bewarb sie sich auf einen Studienplatz für Forensik an der Universität Bonn und wurde für einen der nur 60 Studienplätze ausgewählt. Also packte Werner 2012 ihre Koffer und zog nach Düsseldorf, machte den Bachelor in Bonn und anschließend ihren Master in Toxikologie an der Uni Düsseldorf.

Jetzt arbeitet sie in Neuss in einem Chemikalienvertrieb, studiert gleichzeitig an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach Wirtschaftsrecht und sicherte sich mal eben den deutschen Meistertitel der Profis im Kickboxen in der Gewichtsklasse bis 57,5 Kilogramm. "Das geht alles. Morgens fahre ich zur Arbeit, bin dann gegen 17 Uhr in der Sportschule Alex zum Training und sitze so gegen 21, 21.30 Uhr am Schreibtisch", erklärt Werner. Zu ihrem Glück besteht ihre aktuelle Hochschulausbildung zu 70 Prozent aus Eigenstudien. "Ich habe nur alle zwei Wochenenden Präsenzzeiten in Mönchengladbach", berichtet sie. Ihr Leben ist also voll durchgetaktet, wie Werner zugeben muss: "Mein Urlaub geht für Studium und Wettkämpfe drauf. Aber ich brauche das. Als ich nach dem DM-Kampf eine Woche lang nichts gemacht habe, begann es zu kribbeln und ich fragte mich: Was macht du jetzt?"

Um ihren Job, ihr Studium und das Kickboxen unter einen Hut zu bekommen, legt die Neu-Düsseldorferin eine unheimliche Disziplin an den Tag. Dabei war sie früher eher unsportlich. "Ich habe mal 2007 mit Kickboxen begonnen und 2008 einen Kampf in Sachsen gemacht, aber das war alles nur so zum Spaß", erklärt die deutsche Meisterin. "Als ich in Bonn studiert habe, habe ich wieder angefangen, aber auch da eher, um mich auszupowern, den Kopf freizubekommen und um Leute zu treffen. Ich kannte ja keinen im Westen."

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In der Sportschule Alex erkannten sie und Kampfsport-Meister Alex Kamanis ihre Fähigkeit, sich zu quälen und sich den Hintern manchmal auch über die Schmerzgrenze hinaus aufzureißen. Regelmäßiges, intensives Training machte Juliane Werner bereits zur Amateur-Weltmeisterin. "Es hilft, Fachleute an der Seite zu haben, wie Meister Alex und Fitness-Coach Wasilio Palaska", berichtet Werner.

Dabei stand die deutsche Meisterschaft lange in den Sternen. Eine hartnäckige Armverletzung zwang sie, lange zu pausieren und setzte sie fast das komplette Jahr 2016 außer Gefecht. Gerade genesen, setzte wieder ihre Zielorientierung und Disziplin ein und brachte sie zur Profimeisterschaft, die ihr die satte Siegprämie von null Euro einbrachte. Jetzt, als Titelträgerin, kann sie aber für künftige Titelverteidigungen ganz bescheidene Forderungen stellen. Das und mögliche Kämpfe um Europa- oder Weltmeisterschaften werden aber noch ein bisschen auf sich warten lassen müssen. Aktuell fokussiert sie sich nämlich etwas weniger auf Sport und dafür etwas mehr auf ihre Abschlussprüfungen in Wirtschaftsrecht. Sobald das geschafft ist, fällt Juliane Werner aber bestimmt etwas ein, damit ihr nicht langweilig wird.

(RP)
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