Handball: Unterrather Handballer stiften Netze für Kenia

Handball : Unterrather Handballer stiften Netze für Kenia

Ein Mittel im modernen Handball ist die "schnelle Mitte". Dabei holt der Torwart nach einem Treffer des Gegners den Ball so schnell es geht aus dem Netz und wirft ihn direkt zur Mittellinie, um den Gegenangriff einzuleiten. Ein gutes Mittel – sofern die Tore auch Netze haben.

Ein Mittel im modernen Handball ist die "schnelle Mitte". Dabei holt der Torwart nach einem Treffer des Gegners den Ball so schnell es geht aus dem Netz und wirft ihn direkt zur Mittellinie, um den Gegenangriff einzuleiten. Ein gutes Mittel — sofern die Tore auch Netze haben.

Doch genau da lag das Problem, das Moritz Epke in Kenia erblickte — die Tore des örtlichen Mädchen-Handballteams hatten keine Netze. "Nach jedem Treffer musste erstmal der Ball geholt werden", berichtet Epke. Das Problem löste er.

Der 21-Jährige absolvierte sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Dorf Sega der Provinz Nyanza nahe des Victoriasees. An der örtlichen St. Anne-Schule gab es zwar ein Mädchen-Handballteam, das aber für europäische Verhältnisse ärmlich ausgerüstet war. "Die meisten spielen barfuß, weil sie nur ein Paar Schuhe haben, das sie zum Sport nicht anziehen, weil sie es schonen wollen", erklärt Epke. "Das Spielfeld ist ein festgetretener Lehmplatz mit ein bisschen Rasen drauf. An einem Tag stand da eine Kuh auf dem Feld und wir mussten drumherum laufen, weil die sich nicht wegbewegt hat." Und Tornetze gab es eben auch nicht.

Dieser Umstand störte den Handballer Epke naturgemäß, also nutzte er seine Kontakte in die Heimat. Beim TV Tiefenbroich hatte der Rückraumspieler unter Burkhard Räker trainiert, der inzwischen Coach des Bezirksligisten SG Unterrath ist. "Er hat mir das mit den Toren ohne Netze erzählt", erinnert sich Räker, und für den Leiter der Filialen Kaiserswerth und Wittlaer der Volksbank Düsseldorf-Neuss stand sofort fest: "Da müssen wir was machen." Die Handballer der SG Unterrath fanden ausrangierte Tornetze und brachten sie zu Moritz Epkes Familie, die sie nach Kenia schickten.

Zwar kamen die Netze erst nach der Schul-Meisterschaft — in der das Team der St. Anne-Schule unter die besten neun Mannschaften Kenias gekommen war — an, doch im Dorf Sega war die Begeisterung riesig. "Das waren für uns ja ausrangierte Teile, aber die Kenianer haben mich gefragt, warum wir so etwas Gutes weggeben", erzählt Epke und ergänzt: "Man spielt in Kenia Turniere, erst auf der Ebene des districts, dann der Provinz und dann auf Landesebene. Grundsätzlich gibt es erst ab den Provinzleveln überhaupt Tornetze und da auch nicht überall. Unsere Netze waren von der Qualität her aber sogar noch besser als das, was die da auf nationaler Ebene hatten." Und es waren die einzigen in der Provinz Nyanza. "Die wurden dann nach jedem Training abgehängt und weggeschlossen", sagt Epke und unterstreicht damit den Wert des Geschenks.

Die Sega-Handballerinnen bedankten sich dafür bei den Handballern der SG Unterrath: In einem zweisekündigen Videoclip (Epke: "Größere Datenmengen waren bei der Internetverbindung nicht möglich.") rief das Team an die Adresse des SGU-Trainers: "Danke Burkhard" in die Kamera. Räker findet: "Da geht mir das Herz auf. Toll, dass unser Sport so etwas ermöglicht"

(areh)