Tischtennis: Borussia Düsseldorf vor dem Spitzenspiel

Tischtennis : Borussia vor dem Spitzenspiel

Der Rekordmeister aus Düsseldorf reist zum Titelverteidiger Ochsenhausen. Die Spieler sind noch bei den Austrian Open unterwegs.

Wenn der Rekordmeister gegen den amtierenden Meister spielt ist es in allen Sportarten das Top-Spiel. So auch in der Tischtennis Bundesliga (TTBL), wenn am Sonntag (15 Uhr) der 30-malige deutsche Meister Borussia beim TTF Liebherr Ochsenhausen antritt, dem Titelträger der Saison 2018/19. Normalerweise steigt vor solchen Spitzenspielen die Anspannung, Teams werden abgeschottet, die Vorbereitungen intensiviert. Im Tischtennis ist das ganz anders.

Die Trainingshallen der Borussia im Deutschen Tischtenniszentrum am Staufenplatz sind derzeit verwaist, die Übungseinheiten der TTF blieben nahezu unbesucht. Der Grund: Alle zehn Akteure waren bei den Austrian Open im österreichischen Linz aktiv. Da hatten die Borussia-Verantwortlichen wie Manager Andreas Preuß und Pressesprecher Alex Schilling sogar die Muße, beim „Düsseldorfer Lesefest“ aktiv einzugreifen. Preuß las Erst- bis Viertklässlern der Gemeinschaftsgrundschule Vennhauser Allee „Das doppelte Lottchen“ von Erich Kästner vor. „Das hat mich wieder ein klein wenig in meine eigene Kindheit zurückversetzt“, gesteht Preuß. „Zu Hause lese ich auch viel mit unserer Neunjährigen.“ Ziel des Lesefestes ist es, Begeisterung für das Lesen und Vorlesen zu wecken und Kinder bereits früh mit dem geschriebenen und erzählten Wort in Kontakt zu bringen. Alleine in Düsseldorf finden 70 Veranstaltungen zur Förderung der Lust am Lesen statt. „Seit vielen Jahren verbindet Borussia Düsseldorf erfolgreichen Profisport mit sozialem Engagement. Daher ist für unseren Verein eine Teilnahme am Lesefest selbstverständlich, ganz besonders in einer Zeit, in der digitale Medien schon für Kinder häufig eine höhere Anziehungskraft entwickeln als Bewegung und Lesen“, sagt Preuß.

In Linz hingegen stand weder den Borussen Timo Boll (Weltrangliste 8), Kristian Karlsson (WR 25), Omar Assar (WR 34), Ricardo Walther (WR 56), Anton Källberg (WR 70) noch den Ochsenhausenern Hugo Calderano (WR 6), Simon Gauzy (WR 22), Jakub Dyjas (WR 71), Stefan Fegerl (WR 81) und Vladimir Sidorenko (WR 193) der Kopf nach dem auf Buchseiten verewigten geschriebenen Wort. Sie konzentrierten sich ausschließlich auf ihre Leistungen beim World Tour-Event. Immerhin geht es in der Herreneinzelkonkurrenz in Linz um 106.000 US-Dollar Preisgeld (30.000 für den Sieger) und 1175 Weltranglistenpunkte (500 für den Sieger) und damit um ein ordentliches Weihnachtsgeld sowie eine gute Ausgangsposition für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo. „Wir hätten mit den Ochsenhausenern eigentlich eine Fahrtgemeinschaft machen können“, meint Preuß augenzwinkernd. „Die Jungs hätten das bestimmt auch gemacht. Sie kennen sich ja alle von vielen Begegnungen und auch gemeinsamen Trainingseinheiten.“

Das Turnier in Linz bestimmt auch die Aufstellungen für die TTBL-Partie bei den Tischtennisfreunden (TTF). „Wir planen derzeit ohne Timo Boll“, gesteht Preuß. Borussias Bester ist noch im Linzer Spielgeschehen involviert. Wahrscheinlich wird auch Ochsenhausen die TTBL-Begegnung nicht in Bestbesetzung bestreiten können. Zwar hat sich Simon Gauzy am Freitag im Achtelfinale durch ein 3:4 gegen Lin Yun-Ju (WR 10) von den Austria Open verabschiedet, aber Calderano spielt am Samstag sein Viertelfinale. Sowieso ist die Aufstellung beider Seiten mit viel Ungewissheit verbunden. „Wir müssen sehen, in welchem Zustand die Spieler aus Linz zurückkommen. Wer ist müde? Wer fühlt sich gerade stark?“, sagt Borussia Cheftrainer Danny Heister. „Ich habe die Jungs dann eine Woche nicht gesehen. Am Samstag treffen wir uns im Hotel und besprechen, wie wir das Spiel angehen. Natürlich setzen wir voll auf Sieg!“

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