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Sarah di Sinno wird den Sprung zu den Olympischen Spielen in Tokio nicht schaffen.

Taekwondo : Ein Leben für Taekwondo

Sarah di Sinno wird den Sprung zu den Olympischen Spielen in Tokio nicht schaffen. Nun peilt sie Paris 2024 an.

Noch hat Lorena Brandl (Tkd Altmannstein) einen Vorsprung. Die Olympiakaderathletin der Deutschen Taekwondo Union (DTU) hat bisher fünf deutsche Meisterschaften erkämpft. Sarah di Sinno (Sportwerk), die im DTU-Perspektivkader steht, kommt auf vier nationale Titel. Das kann sich am Samstag ändern, denn dann sind sowohl die Düsseldorferin als auch Brandl bei der DM in Lünen in der Gewichtsklasse über 73 Kilogramm dabei. Und beide haben bereits eine Bronzemedaille sicher, weil lediglich vier Teilnehmerinnen in der Meldeliste stehen. „Im Schwergewicht bei den Damen ist in Deutschland nicht so viel los“, gesteht di Sinno. „Aber die, die dabei sind, sind gut. Aber wenn es nur die Bronzemedaille würde, wäre ich enttäuscht.“ Bei Bradl stehen neben den DM-Erfolgen unter anderem auch noch eine Europameisterschaft und acht Titel bei international offenen Landesmeisterschaften in der Bilanz. Di Sinno hat derweil fünf Open-Titel gesammelt.

Der kleine Vorsprung von Brandl gab auch den Ausschlag dafür, dass der Traum von den Olympischen Spielen 2020 für di Sinno wohl ausgeträumt ist. „So wie es aussieht wird Lorena von der DTU für das Olympiaqualifikationsturnier nominiert“, verrät di Sinno. Also geht ihr Blick schon in Richtung Olympische Spiele 2024 in Paris. „Aktuell stehe ich im internationalen Olympia-Ranking auf Position 98. Die ersten fünf haben die Teilnahme sicher. Die Lücke zu schließen, dafür habe ich vier Jahre Zeit“, meint die 20-Jährige.

Auf dem Weg, ihre ehrgeizigen Ziele zu erreichen, wird sie seit kurzem von der Sportstiftung NRW und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt. Als Nationalmannschaftsmitglied und sehr gute Studentin der sozialen Arbeit und Sozialpädagogik an der Hochschule Düsseldorf hat sie ein sogenanntes „Deutschlandstipendium“ erhalten, das ihr monatlich eine Förderung von 300 Euro einbringt. Reich wird sie damit nicht, aber die täglichen Spritkosten von ihrem Wohnort Willich zur Uni und zum Training sind damit gedeckt.

Nur mit einem disziplinierten Zeitmanagement und Lebensführung ist das tägliche Lern- und Bewegungsprogramm zu bewältigen. Gegen sieben Uhr morgens geht es für sie los, entweder zum Laufen, Krafttraining oder direkt in die Uni. „Dann habe ich mein Bündel dabei, mit allem was ich so im Laufe des Tages benötige. Die Sportklamotten sind immer dabei“, so di Sinno. Als Schülerin und ohne Führerschein war es etwas entspannter. „Da haben mich meine Eltern überall hingefahren“ erläutert die Taekwondoka. „Jetzt ‚klaue‘ ich meiner Mutter jeden Tag das Auto.“

Eine besondere Vorbereitung auf die DM gab es für sie nicht. „Ich trainiere ja sowieso jeden Tag entweder mit Sportwerk-Coach Inan Tunc oder am Bundesstützpunkt in Düsseldorf mit Dongeon Lee“, erklärt di Sinno. „Eine echte Saison gibt es im Taekwondo auch nicht. Bei uns ist das ganze Jahr über etwas los.“ Nach der DM geht es am 1. Februar zu den Turkish Open. Am 21. Februar sitzt sie bereits wieder im Flieger nach Slowenien zu den Slovenian Open. Dann geht es Schlag auf Schlag weiter mit den German Open in Hamburg, den Dutch Open und den Belgian Open. „Das geht dann so eng getaktet weiter bis August“, so di Sinno.

Bei dem Stress ist sie froh, nicht auch noch aufs Gewicht achten zu müssen. „Ich habe noch nie wegen einer Gewichtsklasse abgenommen. Dann bin ich eben in der höheren Gewichtsklasse gestartet. Das hätten meine Eltern auch nicht mitgemacht“, sagt das 1,80 Meter große Schwergewicht. „Ich achte aber schon auf meine Ernährung. Zum Glück gibt es in der Uni-Mensa eine gute Salatbar.“ So richtig ernährt, soll nach der Vizemeisterschaft 2019 mal wieder der Titel her.