Rudern in Gambia RC Germania Düsselorf ist auf großer Tour

Ausfahrt des Ruderclus Germania aus Düsseldorf : Auf Ruderwanderfahrt in Afrika

Mitglieder des RC Germania waren 14 Tage lang auf dem Gambia unterwegs. Die Reise hat sie sehr beeindruckt.

Ulrich Heyse und Jürgen Kroneberg haben schon längere Ruder-Wanderfahren gemacht, jedenfalls wenn es um die Kilometer auf Gewässern geht. Und doch war ihre letzte Wanderfahrt, obwohl sie nur knapp 100 Kilometer ruderten, ihre längste und weiteste. „Wir waren 14 Tage unterwegs, und die Reise führte uns ins westliche Afrika, nach Gambia“, verrät Heyse.

Die Mitglieder des RC Germania sind es gewohnt, auf Flüssen zu rudern. Seit einigen Jahrzehnten (Heyse ist 77, Kroneberg 76 Jahre alt) ist der Rhein das Heimatrevier. Auf Europas verkehrsreichstem Fluss sind sie regelmäßig unterwegs, bringen beim Marathonrudern ihrer Germanen mehr als 42 Kilometer hinter sich. „Man muss schon rudern können, um auf dem Gambia, einigen Nebenarmen und dem Kartong-Grenzfluss zu Senegal für keinen der anderen Reiseteilnehmer eine Behinderung oder gar ein Sicherheitsrisiko zu sein“, erläutert Heyse. „Und man sollte abenteuerlustig sein und improvisieren können.“ So war das Equipment für die aus vier Belgiern und jeweils zwei Magdeburgern, Wormsern und Düsseldorfern bestehende Rudergruppe nicht im allerbesten Zustand. Doch die eher undichten jahrzehntealten Ruderboote, die einst auf Havel, Spree und Wannsee ihren Dienst taten, hielten den Wellen stand. Und auch der für deutsche Verhältnisse abenteuerliche „Hängernachbau“ zum Bootstransport war sehenswert. Ohne Anmeldung, ohne Auflaufbremse, ohne Beleuchtung transportierte das Vehikel, nachdem ein Achsbruch provisorisch gerichtet war, die Boote zum nächsten Wasserungspunkt. „Kein Fahrzeug, das wir dort gesehen haben, hätte bei uns auch nur den Hauch einer Chance, durch den TÜV zu kommen“, meint Heyse lächelnd.

Bei ihrer ersten Ruder-Wanderfahrt in Afrika ging es den beiden Germanen nicht um ruderische Rekorde oder Perfektion, es ging ums Erleben, darum, Land und Leute kennenzulernen. „Gambia ist ein völlig unkompliziertes Land. Die Menschen dort waren immer freundlich und hilfsbereit, die Häuser waren nicht gesichert, man konnte sich Tag und Nacht, ohne Angst um das eigene Portemonnaie zu haben, bewegen“, so Kroneberg. „Egal wo wir hinkamen, wir haben uns wohlgefühlt. Wir haben auch zweimal im Busch übernachtet, toll.“ Damit sich keine wilden Tiere in den Booten einnisteten, haben der Bürgermeister und der Polizist des nahegelegenen Ortes ohne Aufforderung die ganze Nacht Wache geschoben.

„Nur Affen, unzählige Vogelarten und einige wenige Touristen im Kanu haben das Revier bislang entdeckt“, so Reiseorganisatorin Karin Bößenrath. „Die Ufer sind gesäumt mit Palmen, Buschwerk und Mangroven, die wegen der Tidenauswirkung abwechslungsreiche Anblicke bieten.“ Alles war vorbereitet und abwechslungsreich. So vergnügten sich die Germanen bei gemütlichen Strandabenden, afrikanischer Musik, tollen Ausflügen in einen Affenzoo, in Museen und auf den Fischmarkt in Banjul, der Hauptstadt Gambias. Auch ein Spaziergang mit einem Vogelkundler gehörte dazu.

Im Boot ging es vorbei an Mangroven rechts und links, vielen Wasser- und Raubvögeln, darunter majestätische Adler, flinke Bussarde, Kraniche. Doch besonders die gegenseitige Menschlichkeit und die Zufriedenheit trotz Armut werden Heyse und Kroneberg nicht vergessen. „Ein besonderes Erlebnis war die Einladung unseres Fahrers Modou zur Taufe des Sohnes seiner Schwester. Wir fuhren alle zum Haus der Familie. Wir wurden mit einheimischen Getränken vom Baobab-Baum und einem rotem Saft aus getrockneten Blättern begrüßt. Ein gemeinsames Essen auf einer großen Schale wurde uns gereicht. In Vorfreude auf mein zweites Enkelkind, das bald auf die Welt kommt, habe ich das Baby natürlich auch gerne in meinen Armen gehalten“, sagt Kroneberg. „Wir konnten die Sitten der Gambier ungefiltert erleben. Das war etwas Besonders. Wir haben uns gefühlt wie Familienmitglieder.“

Auch die „rheinische Lebensart“ der Gambier, ihr „Jeder soll nach seiner Fasson selig werden“, sagte den Düsseldorfern zu. „Keiner macht dem anderen großartige Vorschriften, und es funktioniert irgendwie“, meint Heyse. „Es war eine Erfahrung, die ich nicht mehr missen möchte.“

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