Rochusclub: Familie für Weltklassespieler

Tennis : Wie eine Familie für Weltklassespieler

Rochusclub-Teamchef Detlev Irmler schafft es in jedem Jahr, durch seine väterliche Art eine schlagkräftige Bundesliga-Truppe auf die Beine zu stellen. Diesmal sprang dabei sensationell die Vize-Meisterschaft heraus.

Detlev Irmler kann es kaum glauben, aber die Tabelle der Tennis-Bundesliga weist sein Rochusclub-Team als Vizemeister aus. „Ich hatte am Saisonanfang zwar gesagt, dass wir so stark aufgestellt sind, dass wir oben mitspielen könnten, aber die ganze Liga hatte sich stark verbessert, die ganze Konkurrenz hatte aufgerüstet. Da war es auch gut möglich, dass es ganz anders kommt“, meint der Rochusclub-Teamchef. Und, er wusste ja schon vor dem ersten Spieltag, dass er aus finanziellen Gründen nicht an jedem Spieltag mit der bestmöglichen Mannschaft würde spielen können. „Wenn ich finanziell besser aufgestellt gewesen wäre, hätten wir nie 0:6 gegen TK Kurhaus Aachen verloren“, so Irmler.

Ganz besonders schmerzt ihn die 2:4-Niederlage gegen den späteren Meister TK Grün-Weiß Mannheim. „Wir haben 2:0 geführt und dennoch keinen Punkt gemacht“, ärgert sich der Teamchef noch immer. Aber im Vorfeld der Partie hatte Irmler bei der Teamzusammenstellung jede Menge Nackenschläge zu ­verdauen. Ricards Berankis (Weltrangliste 76), Henri Laaksonen (WR 122) und Henri Squire mussten verletzt absagen, Lukas Rosol (WR 155), Pablo Andujar (WR 68) und Roberto Carballes-Baena (WR 75) spielten bei internationalen Turnieren so gut, dass sie am Mannheim-Wochenende noch ihren Verpflichtungen als Einzelkämpfer im internationalen Tenniszirkus nachkommen mussten. Das beweist aber auch, dass der Rochusclub eine Mannschaft hatte, die, sofern sie in Bestbesetzung spielen würde, jedes andere Ligateam hätte bezwingen können.

Das liegt nicht unbedingt an den großen pekuniären Verlockungen, die Irmler bieten kann. Vielmehr liegt es in der Person des Teamchefs begründet, in der Art mit Menschen umzugehen. Für einige „seiner Jungs“ ist er eine Vaterfigur, wie es beispielsweise Filip Horansky (WR 165) nach seinem Turniersieg beim Challenger im Meerbusch 2018 öffentlich verkündete. Für andere ist er der Erneuerer ihrer Karriere wie zum Beispiel für Matwe ­Middelkoop (WR Doppel 52). „Detlev hat mir vor sieben Jahren, als ich eigentlich schon mit meiner Tennis-Karriere abgeschlossen hatte, einen ­Vertrag gegeben. Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich schon mal ein Top-30-Doppelspieler war“, erzählt Middellkoop. „Mit Detlev verbindet mich ein ganz spezielles Band.“

Wieder andere wie Jaume Munar (WR 98) hat Irmler ganz an den Anfängen ihrer Karriere entdeckt. Und auch Andujar, der seit elf Jahren für den Rochusclub in der Bundesliga spielt, und Rosol gehören zu denen, die eher aus emotionalen als aus finanziellen Gründen für Irmler spielen. Der Teamchef schafft es, alle Jahre wieder den Weltklasse-Spielern eine Familie zu geben, eine Wohlfühloase zu schaffen, wenn nicht gar eine Heimat zu geben, die ihnen als alleine kämpfende „Ich- AG“ auf der World Tour vollkommen abgeht. „Ich kommuniziere ständig mit allen, sie vertrauen mir auch ihre privaten Freuden und Sorgen an“m gesteht Irmler.

So ist es auch kein Wunder, dass Irmler von allen 16 Spielern „Liebesbriefe“ zum Saisonabschluss erhielt. „Von allen habe ich die Zusage, dass sie auch in der nächsten Saison für den Rochusclub in der Bundesliga spielen wollen“, verrät Irmler. Dabei können andere Bundesligisten viel mehr Geld bieten, aber eben keine Heimat.

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