Ranisav Jovanovic und der SC West im Derby bei Turu Düsseldorf

Vor dem Derby in der Fußball-Oberliga bei der Turu : Jovanovic ist der Navigator mit Plan

Nach gutem Start für den ehemaligen Fortuna-Profi geht es in seinem vierten Spiel als Oberliga-Trainer gegen Turu. Bislang spricht die Derbybilanz eindeutig für die Oberkasseler.

Ranisav Jovanovic geht in seine vierte Woche als Trainer des abstiegsbedrohten Fußball-Oberligisten SC West. Der 38-Jährige ist seine neue Karriere dabei mit fünf Punkten gestartet. Den zwei Unentschieden gegen Monheim und Schonnebeck folgte nun ein 2:0-Sieg über den VfB Hilden. Die Auftritte stimmen optimistisch, dass der Coach das sinkende Schiff in Richtung Zielhafen navigieren kann. Dieser Eindruck lässt sich auf vier Beobachtungen zurückführen.

1. Der Ex-Profi-Faktor: Mit seiner Profierfahrung stellt Jovanovic eine Fußball-Persönlichkeit dar. Der Ex-Fortune, der beispielsweise unter Liverpool-Coach Jürgen Klopp gearbeitet hat, schenkt den Spielern sein Vertrauen, fordert aber gleichzeitig höchste Disziplin ein. „Er tritt autoritär auf und hat eine klare Linie“, berichtet der drittliga-erfahrene Jeff Gyasi und lobt den Führungsstil des Neu-Coaches. „Die Spieler saugen seine Vorgaben auf. Im Spiel stehen wir gestaffelter, weil jeder seine Position konzentriert ausführt.“  

2. Leistungskritik: Jovanovic stellt an seine Spieler den Anspruch, auch im Training an die Leistungsgrenzen zu gehen. Andernfalls legt er den Finger in die Wunde. Im Training ließ der gebürtige Berliner verstärkt situationsgebundene Torabschlüsse trainieren und schaffte mit einer „Competition“ einen zusätzlichen Anreiz. „Wer nicht getroffen hat, musste sich halt bewegen“, konstatierte der Coach und war „nicht mit jedem Spieler“ zufrieden. Fehlendes Glück würde er indes auch nicht als Ausrede gelten lassen: „Man kann und muss das Glück erzwingen“, sagte er. Vielleicht sind die kritischen Töne in der jetzigen Situation ein gutes Omen. Immerhin zeigen sie, dass Jovanovic Stellschrauben zu diagnostizieren scheint, an dem das Team ansetzen muss. Der Sieg gegen Hilden beweist, dass die Kritik vorerst angenommen und verstanden wurde.

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3. Variabel im 4-4-2: Kompakt, aber ohne sich zu verbarrikadieren. So lautet zurzeit die Marschroute Jovanovics. Die eigene Stürmervergangenheit kommt in der taktischen Ausrichtung ebenfalls zum Ausdruck. So bot Jovanovic im 4-4-2 zuletzt konsequent zwei Spitzen auf. Dabei fordert er von seiner Offensive nicht nur viel Tempo, sondern auch die nötige Risikobereitschaft ein. Seine Angreifer sollen mutig die Eins-gegen-Eins-Situationen aufsuchen, auch wenn daraus Fehler resultieren. Der gleiche Mut ist in seinen Einwechslungen zu sehen. Gegen Schonnebeck ließ Jovanovic Milan Senic bei eigenem Ballbesitz als dritte Spitze vorrücken und wählte beim Spielstand von 1:1 ausschließlich positionsgetreue Wechsel: Simon Deuß kam für Andrej Hildenberg, Sebastian Santana für Ricardo Ribeiro und Dennis Ordelheide ersetzte Senic. Der 1:1-Treffer von Ordelheide gab ihm genauso recht, wie Senics 2:0-Jokertor gegen Hilden.

4. Kapitän in der Schlüsselrolle: Christoph Zilgens ist nicht nur Wortführer im Team, sondern erhält auch bei Jovanovic eine Schlüsselrolle. Wenn der Defensiv-Allrounder nicht gerade in der Viererkette aushilft, so lässt er sich für den eigenen Spielaufbau immer wieder aus dem defensiven Mittelfeld zwischen die Innenverteidiger fallen, um von dort aus die Spielregie zu übernehmen. Oft entscheidet Zilgens, wann beschleunigt und auf Sicherheit gespielt wird. Diese Variante lässt sich auch vermehrt in der Bundesliga – unter anderem bei Werder Bremen – beobachten, wo Nuri Sahin diesen Aufgabenbereich abdeckt.

Fazit: Jovanovic macht sich seine Erfahrung zu nutze. „Er erklärt viel aus der Praxis heraus und gibt uns für die aktuelle Situation wichtige Tipps“, bestätigt Zilgens. Damit hat er bisher die richtigen Kniffe gewählt, wobei er vor allem am Ehrgeiz seiner Spieler appelliert. Den Siegeswille haben die Oberkasseler zuletzt präsentiert und sich dafür viel Lob und sogar einen freien Trainingstag verdient. Mit diesem Rückenwind wird nun das Hinrunden-Finale gegen den Lokalrivalen Turu angesteuert.