Nikki Johnstone hat sich dem Verein Rhein-Ruhr-Marathon Düsseldorf angeschlossen.

Leichtathletik : „Laufen ist absolute Freiheit“

Nikki Johnstone steigert sich auch ohne Coach von Jahr zu Jahr. Nun hat er sich dem Verein Rhein-Ruhr-Marathon Düsseldorf angeschlossen.

Ein Leben ohne Laufen? Unvorstellbar. Für Nikki Johnstone ist es ein Elixier, ein Grundbedürfnis, das er so zwingend zum Leben braucht wie Nahrung und Luft. „Anspannung und Adrenalin sind erfüllend und schön“, sagt der 35-Jährige, der zu den besten Langläufern Düsseldorfs gehört. Fast täglich ist er 15 bis 20 Kilometer unterwegs. Meist durch den Aaper Wald. Bei jedem Wetter, im Winter mit Stirnlampe. „Es gibt keinen einzigen Lauf, den man bereut“, sagt er. „Wenn ich meinen Schweinehund überwunden habe, finde ich nach ein, zwei Kilometern meinen Rhythmus und bin glücklich. Immer, egal, wie ich mich vorher gefühlt habe.“

Laufen gebe ihm Halt. „Sorgt für Gleichgewicht, hält mich am Boden“, sagt der gebürtige Schotte, der in Düsseltal wohnt und als Lehrer an der Internationalen Schule in Neuss arbeitet. „Ich habe einen tollen Job, arbeite gerne mit den Kindern, denke in der Schule überhaupt nicht an meinen Sport. Doch nach Feierabend tauche ich in meine Laufwelt ein. Und an den Wochenenden gönne ich mir einen Wettkampf.“

Kaum zu glauben, dass es mal eine Zeit gab, in der das alles anders war, Laufen nicht Johnstones Mittelpunkt war. Erst vor 13 Jahren, mit 22, hat er Bekanntschaft mit seiner Leidenschaft gemacht. Und das sogar eher durch Zufall. Beim Düsseldorfer Staffelmarathon war das. „Ich bin für einen Kollegen eingesprungen, der nicht mitlaufen konnte. Ich war Schlussläufer, durfte sogar ins Ziel laufen. Aber es ist mir nicht leicht gefallen. Mir tat alles weh. Und ich dachte damals: ,Ich bleibe lieber beim Fußball.‘“

Sein Aha-Erlebnis kam fünf Jahre später bei einem ersten Volkslauf. Und dann bei einem weiteren. „Ich war überrascht, für welch überragende Gefühle das Laufen sorgen kann. Ich spürte plötzlich, dass ich Talent habe. Es packte mich. Erst recht, als ich mein erstes Rennen gewann.“ Atemberaubend war die Entwicklung, die Johnstone dann nahm. In den folgenden sechs Jahren verbesserte er seine Zeiten stetig. Auch 2019 gab es eine Steigerung. Seinen persönlichen  Marathon-Rekord verbesserte er im Januar auf Madeira um drei Minuten auf 2:21 Stunden. Seitdem gehört er zu den fünf besten Marathon-Läufern Schottlands und zum Kreis der Akteure, die Aussicht haben, an den Commonwealth-Spielen 2022 in Birmingham teilzunehmen. Der schottische Leichtathletik-Verband hat ihn in den Kader aufgenommen. Sein Ziel? „Mich steigern, so weit es geht. Und Schottland in einem Rennen repräsentieren.“

2013 schloss sich der begnadete Läufer dem ART Düsseldorf an. ART-Lenker und Förderer Peter Kluth war auf den Schlaks aufmerksam geworden, der als Vereinsloser für Furore sorgte. Fünf Jahre lief er im Trikot der Rather, wurde kurze Zeit von Manuel  Fernandes und Andre Pohlmächer trainiert. Doch Johnstone kam nicht lange damit klar, dass er sich nach Plan bewegen sollte. „Laufen  ist für mich absolute Freiheit“, sagt er. Unter einem Coach könne er sie nicht spüren, da fühle er sich eingeschränkt. „Ich kenne meinen Körper so gut, dass ich nicht unter Anleitung laufen muss“, sagt er. Unter Pohlmächer hatten sich zudem bald Achillessehnen-Probleme eingestellt, die eine mehrmonatige Pause zur Folge hatten. „Manuel war ein toller Trainer“, sagt Johnstone, „da ich aber süchtig nach Wettkämpfen war, konnte ich mich nicht an seine Trainingspläne halten.“

Johnstone ist nicht so verbissen, dass er sich unter Druck setzt. „Wenn ich verliere und die Zeit nicht erreiche, die ich mir vorgenommen hatte, dann geht die Welt davon nicht unter“, sagt er. „Die Wettkämpfe genieße ich auch, weil ich da Gleichgesinnte treffe. Ich kann mit ihnen stundenlang über Erlebnisse beim Laufen sprechen.“

2018 wechselte er vom ART zu LRZ Rhein-Sieg. „Ich wollte vorwärts, einfach mal etwas anders machen, mich verändern.“ Doch vertraut fühlte es sich nicht an. Ihn störte fortan vor allem, dass er von den Moderatoren der Rennen nun nicht mehr als Düsseldorfer sondern als Siegburger Läufer vorgestellt wurde. „Dabei ist Düsseldorf meine Heimat, hier fühle ich mich wohl.“ Nun wechselt er im Januar von Siegburg zum Verein Rhein-Ruhr-Marathon in der Landeshauptsstadt und freut sich, dass er zukünftig wieder als Düsseldorfer Sportler gilt.