Lokalsport: MSV Düsseldorf sucht sein Wohnzimmer

Lokalsport: MSV Düsseldorf sucht sein Wohnzimmer

Der Aufsteiger spielt in der Fußball-Landesliga eine starke Saison. Der Zuschauerzuspruch lässt jedoch zu wünschen übrig. Ein wichtiger Grund dafür: Dem Verein fehlt eine echte Heimat.

Die Sportanlage am Kikweg ist erstaunlich gut angebunden. Möglichkeiten, das Wohnzimmer des Fußball-Landesligisten MSV zu erreichen, gibt es genügend. Eine Bushaltestelle direkt vor der Haustür, reichlich Parkmöglichkeiten im Umkreis und einige Fußminuten entfernt eine U-Bahn-Haltestelle - mehr geht kaum. Trotz dieser hervorragenden Infrastruktur kann sich der Aufsteiger jedoch keines besonders imposanten Zuschauerzuspruchs erfreuen.

In der laufenden Spielzeit hat der Fusionsklub bisher elf Partien vor heimischem Publikum ausgetragen und im Schnitt lediglich 78 Besucher angelockt. Sportliche Gründe haben diese wenig erquickenden Zahlen allerdings mitnichten. Denn das Team von Trainer Mohamed Elmimouni spielt eine blitzsaubere Saison und befindet sich auf dem Weg zum frühzeitigen Klassenerhalt. Die Ursachen sind komplexer.

Problem: Platzanlage. Richtig wohl fühlt sich der Klub in seinem Wohnzimmer nicht, denn es ist überhaupt nicht sein eigenes und wird überdies noch von anderen Sportvereinen wie dem SC Vatangücü oder den Footballern der Bulldozer genutzt. "Uns steht daher dreimal pro Woche nur eine halbe Spielhälfte zum Training zur Verfügung", berichtet Coach Elmimouni. Weil dem MSV zudem ein eigenes Klubhaus fehlt, leidet darunter ein wenig das Vereinsleben - und auch die Bewirtung bei Heimspielen ist schwierig.

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Problem: Identifikation. Der Fusionsklub existiert erst seit knapp zwei Jahren. "Wir müssen erstmal wachsen", erläutert Elmimouni, der weit mehr als nur ein Trainer ist: Er konzentriert sich nicht nur auf seine sportlichen Aufgaben, sondern weitet auch seinen Blick über den Platz hinaus. "In Düsseldorf sind wir schon in aller Munde, aber es braucht seine Zeit. Wir müssen uns jeden Zuschauer erarbeiten."

Problem: Wetter. "Wir sind hier überwiegend Südländer" - so beschreibt Elmimouni das Umfeld mit einem Augenzwinkern, durchaus aber auch mit ernsthaftem Hintergrund. "Wenn die Temperaturen so niedrig sind wie zuletzt, kommt niemand." Das Gegenbeispiel folgt aber sogleich. "Von Mai bis September wird es wärmer, und dann werden wir mehr Zuschauer haben", ergänzt der Coach.

Vielleicht erfüllt sich diese Hoffnung aber trotz des Wetters schon morgen (15 Uhr, Kikweg), wenn der MSV den FC Remscheid empfängt. Und möglicherweise findet der Klub irgendwann auch endlich ein eigenes Wohnzimmer. Eine Anlage, auf der alle Ideen umgesetzt werden können. Von einer umfangreichen Verpflegung bis zum eigenen Klubheim. "Die Stadt und der Kreis können uns nicht mehr lange umgehen, denn wir repräsentieren Düsseldorf", betont Coach Elmimouni zuversichtlich. Nur die Infrastruktur ist am Kikweg nicht verbesserungswürdig.

(RP)